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Ein Mix aus Kunst, Wissenschaft und Politik

(Trier) "Das Gesicht Europas im Spiegel seines Umgangs mit den Armen" - so beschreibt Professor Herbert Uerlings von der Uni Trier das Leitmotiv der großen Armuts-Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird. Eine solche Kombination von Geschichte und Kunst zu diesem Thema habe es "bislang noch nicht gegeben". Dossier zum Thema: Armut

08.04.2011
Von unserem Redakteur Dieter Lintz
Vielleicht erklärt das auch das ungewöhnlich große Interesse von Presse, Funk, Fernsehen und Onlinemedien bei der Pressekonferenz im Stadtmuseum Simeonstift am Freitag. Hochkarätige Kunstwerke und historische Exponate, gekoppelt mit einem facettenreichen Rahmenprogramm zum Thema Armut: Das verspricht eine spannende Auseinandersetzung.
 
Die spektakulärsten Werke werden dabei im Simeonstift zu sehen sein: In zwei Ausstellungssälen lässt sich der Umgang der Gesellschaft mit dem Phänomen Armut vom Mittelalter bis zur Gegenwart anhand großer Arbeiten von Künstlern wie Brueghel, Picasso, aber auch Zille, Liebermann und Kollwitz bis hin zu aktuellen Provokateuren wie Jonathan Meese verfolgen. Dabei geht es nicht chronologisch zu, sondern entlang gut nachvollziehbarer, durch Farbleitsysteme gekennzeichneter "Perspektiven".
 
Beim "Juniorpartner" im Landesmuseum ist neben historischen Exponaten Platz für experimentelle Auseinandersetzungen mit dem Thema Armut in der Antike, für die man mit der Fachhochschule zusammengearbeitet hat. In beiden Ausstellungen wird der enorme Wandel deutlich, den das Thema in 2500 Jahren erfahren hat: Galt Armut im Europa der Antike als Stigma, das allenfalls Abscheu erregte, kam mit dem Christentum die Idee der Caritas auf: die moralische Verpflichtung, den Armen zu helfen. Im 19. und 20. Jahrhundert entstand daraus wiederum eine Art Anspruch an Staat und Gesellschaft, Armut zu verhindern.
 
Die "lange Entwicklung von der Verachtung zur Würde" (Uerlings) ist nicht nur in den Ausstellungen zu betrachten, sondern auch in einer Fülle von Rahmenveranstaltungen. Dabei wird aktuell und kritisch untersucht, wie es in Zeiten von Globalisierung und Turbokapitalismus um die Armut heute steht.
 
"Geradezu idealtypisch" nennen die Museumsleiter Elisabeth Dühr und Eckart Köhne die Kooperation zwischen Trierer Museen, Hochschulen, Bildungs- und Kulturinstitutionen. Jetzt muss nur noch das Publikum kommen.
 
KURZ UND WICHTIG
Ort: Stadtmuseum Simeonstift und Rheinisches Landesmuseum. Zeit: 10. April bis 31. Juli. Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr (Landesmuseum bis 17 Uhr). Preis: Erwachsene 5 Euro, (beide Museen: 9), ermäßigt 3,60 Euro (7), Sonder-, Gruppen- und Schultarife. Wert: Die Ausstellungen sind für einen Gesamtwert von 15 Millionen Euro versichert. Teuerstes Einzelstück dürfte der Brueghel "Sieben Werke der Barmherzigkeit" sein (600 000 bis 800 000 Euro). Exponate: 250 Ausstellungsstücke, darunter viele Leihgaben, von denen Stadtmuseums-Chefin Dühr sagt: "Davon haben wir höchstens geträumt." Vorbereitung: Dreieinhalb Jahre haben die Museen und der Uni-Sonderforschungsbereich "Fremdheit und Armut" geackert. Rahmen: 70 Veranstaltungen mit 20 Partner-Organisationen in der ganzen Stadt werden angeboten. Katalog: Ein toller 450-Seiten-Bildband verbindet die Kunstwerke mit einer breiten künstlerischen, wissenschaftlichen und politischen Analyse des Themas Armut. Er kostet im Rahmen der Ausstellung 29,90 Euro. DiL