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Ein literarischer Zeitzeuge

Uwe Timm liest im Herbst beim Eifel-Literatur-Festival - Vielschichtiges Werk mit Romanen und Theaterstücken

(Wittlich) Nach der Sommerpause bietet das Eifel-Literatur-Festival einmal mehr die Begegnung mit einem großen und vielfach preisgekrönten Erzähler der deutschen Literatur-Szene: Uwe Timm, der einer breiten Öffentlichkeit durch die verfilmten Bestseller "Rennschwein Rudi Rüssel" oder "Die Entdeckung der Currywurst" bekannt ist, liest im September im Cusanus-Gymnasium Wittlich.

26.07.2016
Anke Emmerling
Wittlich. Als Uwe Timm im vergangenen Jahr seinen 75. Geburtstag feierte, blickte er auf eine über 40-jährige Karriere als freier Schriftsteller zurück. Sein erster Griff zur Feder lag da sogar schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurück.
Erste Gedichte von ihm erschienen in der ersten und einzigen Nummer der Zeitschrift "teils-teils", die Anfang der 1960er Jahre von Benno Ohnesorg herausgebracht wurde. Ohnesorg und Timm waren damals Schüler des Braunschweig-Kollegs. Uwe Timm, der zuvor eine Kürschner-Ausbildung abgeschlossen und das verschuldete Pelzgeschäft seines Vaters saniert hatte, holte dort 1963 sein Abitur nach.

Eifel-Literatur-Festival 2016


Während Ohnesorg anschließend nach Berlin ging, wo er 1967 bei der Demonstration gegen den Schah-Besuch getötet wurde, zog es Timm nach München. Er begann ein Studium der Philosophie und Germanistik, das er ab 1966 an der Sorbonne in Paris fortführte. Dort schrieb er auch ein nie verlegtes Theaterstück. Nach dem Tod seines Freundes Ohnesorg kehrte er zurück nach München, wurde im Sozialistischen Deutschen Studentenbund aktiv und verfasste Agitprop-Gedichte. Später knüpfte er Kontakte mit einem linken Hamburger Autorenkollektiv, brach ein Zweitstudium der Volkswirtschaft und Soziologie ab, und promovierte schließlich 1971 über die Absurdität im Werk Albert Camus.
Den Grundstein zu seiner nachfolgenden Schriftstellerkarriere, die von acht Jahren DKP-Mitgliedschaft begleitet war, legte er 1974 mit dem Roman "Heißer Sommer". Darin beschreibt er studentisches Leben während der Unruhen der 1960er Jahre. Die Hauptfigur trägt autobiografische Züge, ist wie Timm ebenfalls linkspolitisch aktiv und hat ein erfolgloses Theaterstück verfasst. Die Generation der 68er und ihre Wandlung im Laufe der jüngeren deutschen Geschichte hat Uwe Timm weiter beschäftigt, so zum Beispiel in "Kerbels Flucht" (1980) und dem gefeierten Roman "Rot" (2001).

Chronist und Erinnerer


Auch in seinen Erzählungen "Der Freund und der Fremde" über die Ermordung von Benno Ohnesorg oder "Am Beispiel meines Bruders" über den an der Ostfront gefallenen Bruder hat Timm Zeitgeschichte mit Autobiografischem verwoben. Er nimmt damit die Rolle des Chronisten und Erinnerers ein.
In einem Interview äußerte er einmal: "Das ist das Wunderbare am Schreiben: Solange von jemandem erzählt werden kann, ist das eine Rückholung ins Leben...".
Erzählt hat er in den mehr als vier Jahrzehnten seiner Laufbahn auf sehr vielschichtige Weise. Uwe Timm hat ein umfangreiches Werk aus Romanen, Novellen, Drehbüchern, Theaterstücken, Essays und auch Jugendbüchern geschaffen, darunter den Klassiker "Rennschwein Rudi Rüssel". Namhafte Literaturpreise, Dozenturen an Universitäten im In- und Ausland sowie Mitgliedschaften im PEN-Zentrum Deutschland oder in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung krönen sein Wirken.
Extra
Die aktuellste Veröffentlichung von Uwe Timm heißt "Montaignes Turm" und ist eine Sammlung essayistischer Texte aus den letzten Jahren. Ausgehend vom eigenen Leben und seinen Interessen macht sich Timm darin Gedanken über das Schreiben, über Schriftstellerkollegen wie Kafka oder Thomas Mann, über persönliche Begegnungen oder Erfahrungen mit Lektüren. Abgedruckt ist zum Beispiel seine Rede aus Anlass der Verleihung des Heinrich-Böll-Preises 2009, in der er das Verhältnis von Kunst und Handwerk am Beispiel Heinrich Bölls reflektiert. Auch ein Bericht über eine Reise ins Flüchtlingslager Darfur im Tschad ist enthalten. Das Buch bietet eine Vielzahl von Denkanstößen zu unterschiedlichen Themen. Darin spiegelt sich der weite Horizont von Uwe Timms literarischem Schaffen. ae Montaignes Turm, Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 192 Seiten, 16,99 Euro
Extra
Paul Maar, Mittwoch, 7. September, 15 Uhr, Aula St. Matthias-Gymnasium Gerolstein, Uwe Timm, Freitag, 9. September, 10.30 Uhr, Aula St. Matthias-Gymnasium Gerolstein, Schullesung; ebenfalls 9. September, 20 Uhr, Cusanus-Gymnasium Wittlich, öffentliche Lesung, Judith Hermann, Freitag, 23. September, Haus Beda, Bitburg, Pater Anselm Grün, "Versäume nicht dein Leben", Donnerstag, 6. Oktober, Stadthalle Bitburg, Alpenkrimi-Autor Jörg Maurer, Freitag, 14. Oktober, Forum, Daun, Bettina Tietjen, "Mein Vater, die Demenz und ich", Freitag, 21. Oktober, Karolingerhalle, Prüm, Thrillerautor Sebastian Fitzek, Samstag, 29. Oktober, Stadthalle Bitburg. Die Lesungen beginnen, wenn nicht anders angegeben, um 20 Uhr. red Karten: TV-Service-Center Trier, Hotline 0651/7199-996, www.volksfreund.de/tickets