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Eine Musik abseits der Trends

(Wawern) Alejandra Ribera überzeugt mit ihren eigenen Indie-Pop-Kompositionen und wagt beim Konzert in der Wawerner Synagoge ein akustisches Experiment.

27.03.2017
Dirk Tenbrock
Wawern Wer sucht, der findet. In diesem Fall ist das mystische, intime Musik an einem ganz ungewöhnlichen und bezaubernden Ort. Ein Paar aus Trier ist auf der Suche nach einer interessanten Freitagabend-Beschäftigung in der ehemaligen Synagoge zu Wawern gelandet, wo die Kanadierin Alejandra Ribera vor rund 70 Zuschauern ein außergewöhnliches Konzert gibt. Die beiden Trierer sind begeistert: "Eine tolle Sängerin mit einem Repertoire, das man so noch nicht gehört hat." Ribera stellt an diesem Abend auch ihr neues Album "This Island" vor, exzellent begleitet von Jean-Sebastien Williams (Gitarre, Gesang) und Cédric Dind-Lavoie (Bass, Klavier und Gesang). Sie hat einen argentinischen Vater, ihre Mutter ist Schottin; sie ist aufgewachsen in Toronto und in der französischsprachigen Enklave Montreal musikalisch verwurzelt. All diese Einflüsse - und noch viel mehr - spiegeln sich in ihrer Musik, sie singt Englisch, Französisch und Spanisch. Die Richtung könnte man als Indie-Pop mit Folk- und Jazz-Einsprengseln bezeichnen, passt aber eigentlich in keine Schublade. Hier ist eine Singer-Songwriterin, die, abseits von Trends, ihren komplett eigenen Stil kreiert hat. Beispielhaft schon der zweite Song "Carry Me": Akustik-Gitarrenlastig, leise schmeichelnd, leicht rau ihre Stimme. Die kann aber durchaus auch als Röhre daherkommen oder - wie in "I am Orlando"- hoch, hell und kraftvoll. Diesen Song schrieb sie, eigentlich als Reminiszenz an Virginia Wolfs gleichnamigen Roman von 1928 gedacht, in Paris zu Zeiten der Terroranschläge von 2015. Als dann 2016 die tödliche Attacke auf einen Homosexuellen-Club in Orlando (Florida) geschah, änderte sich für Ribera der Kontext, seitdem sieht sie dieses Lied eher als Gebet, als Choral. Und so intensiv und transzendent klingt es auch. Die Geschichten zu den Songs erzählt Ribera zwischendurch, offen und den Zuhörern zugewandt. In den Texten verarbeitet sie ihre Zerrissenheit zwischen den Kulturen, familiäre und private Befindlichkeiten und natürlich die Liebe. Die Zugaben spielt sie spontan "unplugged", ohne Verstärkung, ein Experiment, das in dem kleinen Kirchensaal so gut gelingt, dass sie selbst ganz gerührt ist. Und die Zuschauer sind berührt und begeistert, spenden großen Applaus.