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Eine Schelmin, die es ernst meint - Eifel-Literatur-Festival: Felicitas Hoppe liest vor 300 Zuhörern in Bitburg aus ihrem jüngsten Werk "Hoppe"

(Bitburg) Sie liebt Ritter, Fabelgestalten und Pinocchio: Felicitas Hoppe, "Deutschlands fantastischste Fabuliererin" (Elmar Krekeler), ist beim Eifel-Literatur-Festival zu Gast gewesen. Und überzeugte die 300 Zuhörer im Haus Beda davon, dass Fantasie ein Teil der Wirklichkeit ist.

04.05.2016
Ulrike Löhnertz
Bitburg. Hoppe schlendert in Richtung Treffpunkt. Dort wird man sie abholen, hier mitten in …? Ah, ja, Prüm. Halt! Hoppe stoppt vor einer Karte, grün, weit. Wanderkarte 17, Eifelverein. Hoppe möchte verschwinden in dieser Weite der Eifel, der geheimnisvollen …

Eifel-Literatur-Festival 2016


So ähnlich könnte das neue Buch von Felicitas Hoppe beginnen, hätte sich die Schriftstellerin nicht doch entschieden, ihre Lesung beim Eifel-Literatur-Festival im Haus Beda in Bitburg zu bestreiten. Eine Buchrecherche in der Eifel - das würde Festivalchef Josef Zierden zwar gut gefallen. Nur nicht jetzt. Denn, so erklärt die 55-jährige Büchner-Preisträgerin den 300 Zuhörern im vollen Saal des Hauses Beda, sie habe den Verlockungen der Eifel widerstanden. Stimmt die Geschichte? Ist sie Fiktion?
Wenn’s so wäre, würde das sicher niemanden wundern. Denn Hoppe gilt als Schelmin, als "unverschämte Nasendreherin" (Der Spiegel). Kaum eine Gegenwartsschriftstellerin versteht es so gut wie sie, Realität und Fiktion so miteinander zu verweben, dass die Grenzen verschwimmen. Kaum eine hat so viel Spaß an der Poesie, am Spiel mit Dichtung und Wahrheit.
In "Hoppe", ihrem jüngsten Werk, in dem sie über ihr Leben erzählt, erreicht diese Kunst ihren Gipfel. Die Autorin bedient sich dabei zweier Kniffe, um "eine Distanz zu mir herzustellen". Kniff eins: Hoppe berichtet über Hoppe nicht aus der Ich-Perspektive, sondern aus der einer Biografin. Hoppe: "Man kommt näher an sich ran, wenn man weiter weggeht." Kniff zwei: Das Buch ist wenig faktentreu, sondern orientiert sich an Fantasien der heranwachsenden Hoppe. So ist die Protagonistin einziges Kind eines alleinerziehenden Vaters, der von Kontinent zu Kontinent jettet. Die Wirklichkeit: Hoppe ist 1960 als eines von fünf Kindern in Hameln aufgewachsen. Die Traumwelt, so die Wahlberlinerin, helfe dabei, "eine Konfrontation mit sich selbst" zu schaffen. Einen Menschen verstehe man besser, wenn man auch seine Fantasien kenne. Bei "Hoppe" sei das gelungen, es sei "ziemlich nah dran an mir" und "auf eine Weise ernst, wie ich es nie erwartet habe".
Wie viel ist Dichtung, wie viel Wahrheit?, will Zierden wissen. "30 Prozent", kontert Hoppe, lacht, schüttelt den Kopf. "Die Trennung von Erfindung und Wahrheit haut nicht hin. Literatur ist immer eine eigene Welt", sagt sie. Es gebe keine Innen- und Außenwelt, sondern nur eine, in der beides existiere.
Ob Hoppe die Leser bald wieder mitnimmt in diese Welt? In einer Fortsetzung ihrer Biografie? Ja, das könne sie sich vorstellen, "wenn ich ein wenig älter bin", erklärt Hoppe. Vielleicht spiele auch die Eifel darin eine Rolle, sagt sie. Und die Wanderkarte 17. "Ich müsste nur kommen und losgehen", sagt sie. Vielleicht hat sie das ja sogar schon getan - in ihrer Fantasie. Wer weiß.
Extra
Die nächsten Lesungen beim Eifel-Literatur-Festival (mit A gekennzeichnete Termine sind ausverkauft): Horst Evers, "Alles außer irdisch", Mittwoch, 11. Mai, 20 Uhr, Aula, Hauptschule Prüm; Jan Weiler, "Im Reich der Pubertiere", Freitag, 13. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg; Leslie Malton, "Brief an meine Schwester", Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, Aula, Hauptschule Prüm; Giulia Enders, "Darm mit Charme", Samstag, 21. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg; Anne Weber, Dienstag, 24. Mai, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg; Manfred Lütz, Donnerstag, 2. Juni, 20 Uhr, Aula der ehemaligen Hauptschule Prüm; Ulla Hahn, "Spiel der Zeit", Freitag, 3. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg (A); Kirsten Boie, Freitag, 3. Juni, 10.30 Uhr, Aula St. Matthias-Gymnasium Gerolstein (A); Friedrich Christian Delius, Freitag, 24. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg; Max Moor, "Als Max noch Dietr war", Freitag, 8. Juli, 20 Uhr, Cusanus-Gymnasium, Wittlich. red Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter 0651/7199-996 sowie im Internet auf www.volksfreund.de/tickets

 

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