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"Giulia, wie geht kacken?" "Darm-mit-Charme"-Autorin beweist Humor bei Lesung in Bitburg

(Bitburg) Wer sich fragt, was ein vermeintliches Sachbuch über unser größtes Verdauungsorgan mit Literatur zu tun hat, tat gut daran, Giulia Enders' Vortrag beim Eifel-Literatur-Festival in Bitburg über ihren Millionen-Bestseller "Darm mit Charme" zu erleben. Dossier zum Thema: EifelLiteraturFestival

22.05.2016
Dirk Tenbrock
Es gehe beim Eifel-Literatur-Festival nicht nur um Poesie, sondern eben auch einmal um "Po-Esie", sagte Festivalchef Josef Zierden in Bitburg zur Lesung von Giulia Enders auf ihrem Bestseller "Darm mit Charme" augenzwinkernd. Die Gelegenheiten, die 26-Jährige live zu erleben sind momentan rar, da die angehende Ärztin mitten in ihrer Promotion steckt und sich deshalb voll und ganz ihren gastroenterologischen Studien widmet. Trotz des anstehenden Fußball-Pokal-Finales ist die Bitburger Stadthalle mit über 800 Besuchern zum Bersten gefüllt, es gab eine lange Warteliste, und sogar die Bühne wurde noch verkleinert, um zusätzlichen Platz zu schaffen.

Giulia Enders kennt keine Tabus, was den Darm - "das schwarze Schaf unter den Organen" - angeht, ihr Auftritt ist dennoch von feiner Sensibilität und gewinnender Freundlichkeit geprägt, auch die deftigsten Details geraten nie peinlich. So berichtet sie von der Entstehung des Buches, am Anfang stand die Frage eines WG-Mitbewohners an die Medizinstudentin: "Julia, wie geht kacken?" Aus der Recherche zum Thema entstand  ein über 800 000-mal auf Youtube geklickter Vortrag bei einem "Science Slam" im Jahre 2012 . Der Rest ist Literatur-Geschichte, das daraus entwickelte Buch "Darm mit Charme", dessen simple aber geniale Illustration von Schwester Jill Enders stammen, verkaufte sich fast zwei Millionen mal und führte die Sachbuch-Bestsellerliste der Jahre 2014 und 2015 an.

In verständlicher Sprache und mit einer großen Portion Humor erklärt Enders hier, warum der Darm und seine Bakterien (ihr wissenschaftliches Spezialgebiet) der Schlüssel zu körperlichem und geistigen Wohlbefinden des Menschen ist. Sie liest Passagen vor, ergänzt mit Anekdoten zur Entstehung und stellt sich am Ende noch entspannt auch den noch so intimen Fragen des Publikums. Bescheiden lächelnd nimmt sie dann den großen Applaus der Zuhörer entgegen. DT
Extra
Josef Zierden, Leiter des Eifel-Literatur-Festivals: "Frau Enders, ist in Ihrer Situation noch ein richtiges, studentisches Leben möglich?"
Giulia Enders: "Ich bin etwas naiv in diesen Erfolg reingeschlittert, habe es aber mit Hilfe meines Verlages geschafft, mir immer wieder Ruhepausen für das Studium zu nehmen."

Zierden: "Wie sieht Ihr Leben denn jetzt aus?"
Enders: "Ich arbeite relativ unerkannt in einem guten, kleinen Krankenhaus als Ärztin im praktischen Jahr, das tut mir sehr gut, zu lernen und mit den Ärzten den Menschen ganz praktisch zu helfen. Das Schreiben steht im Moment hintenan."

Zierden: "Wie ist der Ausblick für die berufliche Zukunft?"
Enders: "Die Freiheit, die mir die Leser durch den Kauf meines Buches ermöglicht haben, empfinde ich als großen Luxus und bin dankbar. Ich will etwas Sinnvolles tun, als Ärztin und/oder als Autorin."DT

 

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