ausallerwelt/kultur

Grün ist die Hoffnung - Wie Pater Anselm beim Eifel-Literatur-Festival seine Fans erreicht

Ein Seelenklempner, der im Golf nach Prüm fährt

(Trier) Es ist fast ein alter Hut: Kommt Anselm Grün zum Eifel-Literatur-Festival, sind die Tickets innerhalb von Stunden vergriffen. Dabei berührt der Hype um seine Person den Benediktinermönch fast peinlich. Trotzdem fühlten sich 700 Besucher in Prüm von seinen Worten positiv berührt. Wie gelingt Grün das nur?

22.04.2016
Florian Schlecht
Trier. Dem alten VW-Golf bleibt Anselm Grün treu. Der 71-Jährige fährt in dem Wagen beim Eifel-Literatur-Festival in Prüm vor, alleine, mit schwarzer Kutte und weißem Rauschebart. Das Navigationsgerät, das dem Benediktinerpater über die Autobahnen hilft, ist ein Geschenk seines Ordens. Kenner erzählen, Grün habe noch nicht mal nach der technischen Hilfe verlangt. Auf den Fahrten hört er Mozart und Bach. Ganz entspannt.
Nervig findet er die Touren nur, "wenn es anfängt zu regnen", sagt er. Auf einen Chauffeur verzichtet Grün aber auch dann. Dabei könnte er sich Hilfe gut und gerne erlauben. Mehr als 300 Bücher hat der spirituelle Autor geschrieben, gut 15 Millionen weltweit verkauft. Doch wie ein Star tritt der Pater nicht auf. Warum auch? Er spricht lieber darüber, was der Seele hilft.

Eifel-Literatur-Festival 2016


Als viele der 700 Besucher in Prüm ihn bei der Autogrammstunde anlächeln und ihm für seine Worte danken, da färbt sich das Gesicht des Paters leicht rot. Vielleicht sind es solche Momente der Bescheidenheit, die verraten, warum der Mann aus dem Benediktinerorden auch diesmal die Aula der alten Hauptschule in Prüm bis auf den letzten Platz füllen konnte.
Möglicherweise hängt sein Erfolg aber auch damit zusammen, dass der Pater mit seiner Gelassenheit genau dann auf die Bremse tritt, wenn das Leben zu schnell und kurvenreich verläuft. Er widersteht dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip, rät, Stille im Leben zuzulassen, einfach mal über das innere Chaos nachzudenken.
Er empfiehlt, der eigenen Seele zu vertrauen und nicht anderen Vorbildern nachzueifern. Menschen spornt er zwar an, sich zu wandeln, zugleich wehrt sich Grün gegen Selbstoptimierer in der Gesellschaft, die ständige Veränderung predigen.

Leise Stimme, anderes Gewicht


"Wer ein anderer Mensch werden möchte, der ist von Aggression getrieben und irgendwann frustriert. Dabei ist jeder einmalig und muss die Einmaligkeit in sich finden", sagt der 71-Jährige, für den Liebe, Freundschaften, Rituale und das Schöne auf dieser Welt weitere Bestandteile sind, um zum inneren Selbst zu finden.
Es sind Ratschläge, die so auch in psychologischen Lebensratgebern stehen. Doch wenn Anselm Grün die Worte mit leiser Stimme sagt, haben sie offenbar ein anderes Gewicht. Josef Zierden, Organisator des Eifel-Literatur-Festivals, erlebt die Begeisterung um den Pater von Jahr zu Jahr.
"Als er 2006 zum ersten Mal hier war, hatten wir Glück, dass die Leute nicht mit Spitzhacken durch die Decke gebrochen sind."

Besuchern aus dem Publikum fällt prompt ein, was sie an dem Pater reizt. So wie Stefanie Frick aus Wiltingen (Landkreis Trier-Saarburg): "Er nimmt alle Menschen so wie sie sind, schwingt nicht die Moralkeule und muntert einen dazu auf, Dingen auch mal ihren Lauf zu lassen. In Zeiten, in denen man durch Beruf und Familie auf 100 Hochzeiten tanzt, hilft sein Wissen ungemein."
Grün ist dann die Hoffnung. Und trotzdem steckt er den Trubel gelassen weg. Als er das letzte Autogramm geschrieben hat, steigt er wieder in seinen VW-Golf und fährt nach Hause - 356 Kilometer bis ins bayerische Münsterschwarzach. "Das Hotel ist nichts für ihn", erzählt Zierden. "Pater Anselm will immer in seinem Kloster schlafen."
Extra
20 Autoren lesen beim Eifel-Literatur-Festival 2016. Das "A" bedeutet ausverkauft. Dora Heldt, Freitag, 29. April, 20 Uhr, Forum, Daun / Felicitas Hoppe, Dienstag, 3. Mai, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg / Horst Evers, "Alles außer irdisch", Mittwoch, 11. Mai, 20 Uhr, Aula, Hauptschule Prüm / Jan Weiler, "Im Reich der Pubertiere", Freitag, 13. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg / Leslie Malton, "Brief an meine Schwester", Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, Aula, Hauptschule Prüm / Giulia Enders, "Darm mit Charme", Samstag, 21. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg / Anne Weber, Dienstag, 24. Mai, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg / Manfred Lütz, Donnerstag, 2. Juni, 20 Uhr, Aula der ehemaligen Hauptschule Prüm / Ulla Hahn, "Spiel der Zeit", Freitag, 3. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg (A) / Kirsten Boie, Freitag, 3. Juni, 10.30 Uhr, Aula St. Matthias-Gymnasium Gerolstein (A) / Friedrich Christian Delius, Freitag, 24. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg / Max Moor, "Als Max noch Dieter war", Freitag, 8. Juli, 20 Uhr, Cusanus-Gymnasium, Wittlich.red Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter 0651/7199-996 sowie im Internet auf www.volksfreund.de/tickets

 

Empfehlungen

Kommentare