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John Cage im Skulpturenpark: Gesang mit Händen und Füßen

(Oberbillig) Die "Aria" von John Cage gehört in der Neuen Musik zu den bedeutensten Vokal-Kompositionen a cappella. Am Samstag ist sie in Oberbillig zu erleben. Ganz im Sinne des Komponisten wird die Aufführung der Musik mit einer Performance verbunden.

06.07.2016
Oberbillig. Er gilt als Enfant terrible der Neuen Musik. Zu Unrecht: John Cage (1912-1992) zielte nicht auf Chaos und Provokation, sondern auf eine Musik, in der die Klänge sich aus sich selber heraus entwickeln. Das "Triebleben der Klänge" zu befreien von vorgegebenen Rastern, war seine Intention.
Am Samstag, 9. Juli, 20.30 Uhr, ist im Contemporaneum Oberbillig die wichtigste Vokalkomposition a cappella (ohne Instrumente) von Cage zu hören: die "Aria" von 1958, gewidmet der Sängerin Cathy Berberian. Die Partitur besteht aus 20 Tafeln, mit Linien als Orientierung für die Sänger. Die Linien sind in unterschiedlichen Farben gehalten, die unterschiedliche Gesangsstile repräsentieren. Cage führt im Vorwort an, welche Stile Berberian einsetzte: "Jazz, Alt-Stimme, Sprechstimme, dramatisch, Marlene Dietrich, Koloratur, Folk, Oriental, Baby, Nasal". Und er ergänzt: "Jeder Stil kann verwandt werden, und jede Verbindung zwischen Farbe und Stil ist möglich". Der Text zu den Melodien besteht aus fünf Sprachen. Schwarze Punkte markieren Geräusche: Fußstampfen, Fingerschnappen, "tsk,tsk" beispielsweise. Und um seine Absicht einer möglichst großen Vielfalt der Musik zu unterstreichen, erklärt der Komponist: "Alle Aspekte der Wiedergabe (etwa Dynamik), die nicht notiert sind, können vom Sänger eigenständig festgelegt werden."
In Oberbillig wird die musikalische Aufführung mit einer szenischen Performance verbunden. Der Chor Klangvolk unter Thomas Rieff präsentiert die "Aria" nach einer Idee von Stefan Bastians im Skulpturenpark. Das Publikum wird als Akteur einbezogen. Zuvor stellen Frauke Burg, Sopran, und Martin Lindsay, Bariton, ihre Version der "Aria" vor. Ganz gleich, wie die Veranstaltung ausläuft - langweilig wird sie ganz sicher nicht. mö
Karten bei der Gesellschaft für Aktuelle Klangkunst, Telefon 06501/12297, oder klangkunst.trier@t-online.de