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Komplizierte Zweisamkeit

Trierer Theaterprojekt Bühne 1 führt "Play Loud" erstmals in Deutschland auf - Im Fokus: Zwei Menschen zwischen Nähe und Fremdheit

(Trier) Moderne Themen und deutschsprachige Dramen der Gegenwart haben es der studentischen Theatergruppe Bühne 1 angetan. Am 23. Mai feiert ihr neues Stück "Play Loud", geschrieben von dem Hamburger Autor Falk Richter, im Studio des Theaters Trier Premiere. Zwei Schauspieler nähern sich darin einander an - oder versuchen es zumindest.

18.05.2015
Stefanie Braun
Trier. Die Musiker spielen hinter einer durchsichtigen Bühnenwand. Eine junge Frau sitzt auf einem Teppich, neben ihr der Fernseher. Sie spricht mit dem Gesicht eines jungen Mannes, das über den Bildschirm flackert. "Ich wär dir so gern nah", haucht sie und streichelt sein Gesicht im Fernseher. Der junge Mann dreht den Kopf weg, gerade als sie ihm einen Kuss auf die Wange geben will.
"Das war schön", meint Michael Gubenko, und seine Assistentin schreibt sich Stichpunkte in ihr Buch. Zum ersten Mal proben Regisseur Gubenko und die Schauspieler Lea Walde und Till Thurner von der studentischen Theatergruppe Bühne 1 ihr Stück im Studio des Theaters Trier. Vorher hatten sie sich in einem der Probenräume vorbereitet.
Jetzt, wo alles an Ort und Stelle ist, wo das Bühnenbild steht und sie in dem Raum proben können, in dem sie auch spielen werden, können sie die Übergänge zwischen den Szenen einstudieren. "Wir müssen jetzt die Gänge und Wege noch mal neu ausprobieren, damit wir uns nicht gegenseitig über den Haufen rennen", scherzt der Regisseur, der selbst gerade an der Universität promoviert. "Wir springen ins kalte Wasser und fügen alles noch mal so zusammen, dass es ein Ganzes ergibt."
Mit ihrem neuen Stück "Play Loud" feiert die Bühne 1 gleich eine doppelte Premiere. Denn das Stück von Falk Richter wurde in Deutschland noch nie aufgeführt. Erstmals gespielt wurde es 2011 in Brüssel. Der Autor selbst wurde über das Internet auf die Gruppe aus Trier aufmerksam und gab sein "Okay" für die Aufführung. Die Gruppe der Bühne 1 entwickelt jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Universität, der Hochschule und dem Theater Trier eine professionell begleitete studentische Inszenierung für die aktuelle Theater-Spielzeit.
Worum geht es in "Play Loud"? Darum, "sich nacheinander zu sehnen und sich doch immer wieder zu verpassen", fasst Regisseur Gubenko die Essenz des Dramas zusammen. Und um die Frage, warum man sich verpassen könne. Im Mittelpunkt stehe die Frage: Was bedeutet es, wenn zwei Egos sich ein Fleckchen Erde teilen? Wenn sie um Vertrauen, Liebe, Bindung in einer globalisierten, vom Wettbewerb geprägten Welt und Gesellschaft ringen? Ein Leitmotiv dieses Mit- und Gegeneinanders: die Sehnsucht nach Fremdheit und gleichsam nach Nähe.
Zwei Schauspieler und drei Musiker agieren auf der Bühne. Ein Kraftakt für die Studierenden. Denn was in früheren Stücken von acht Schauspielern getragen wurde, müssen nun zwei stemmen. "Es geht ja um Zweisamkeit, auch wenn es keine konkreten Figuren gibt", sagt Gubenko, der mit einem selbstgeschriebenen Einakter 2014 den Kulturförderpreis der Stadt Trier in der Kategorie "Dramatischer Text" gewann.

Die Situationen und Figuren seien austauschbar, wandelbar und so vielfältig, dass sich jeder Zuschauer darin wiederfinden könne. "Das ist ja die Magie des Theaters: In nur einer Stunde wird ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und im Spiel alles auf dem Tablett serviert."

Premiere ist am 23. Mai um 20 Uhr im Studio des Theaters Trier. Weitere Aufführungen: 27. Mai (20 Uhr), 7. und 14. Juni (18 Uhr), 27. Juni (20 Uhr), 12. Juli um 18 Uhr. Karten gibt es an der Theaterkasse (Telefon 0651/7181818) und online auf www.theater-trier.de