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Kunstgenuss in Reinform

Trierer Collegium Musicum bezaubert mit der "Carmina Burana"

(Trier) Manchmal gehört das Fazit gleich an den Anfang: Welch ein gigantisches Erlebnis! Welch ein Dirigent! Welch ein Orchester! Welch ein Chor! Welch ein Glücksfall für Trier! Rund 200 Musiker unter der Leitung von Mariano Chiacchiarini entführten am Sonntag in St. Maximin etwa 1000 Musikfreunde in die herrlich bunte Welt der "Carmina Burana".

15.02.2016
Rolf Lorig
Trier. Unipräsident Michael Jäckel hat allen Grund, stolz auf das Collegium Musicum der Universität sein. Wer diese Musiker noch nie live erlebt hat, sollte dies beim kommenden Konzert am 3. Juli in Trier-Heiligkreuz nachholen. Denn mit einem Freizeitorchester und -chor hat dieses Ensemble nichts mehr zu tun.
Der Mann, der sich diese Auszeichnung an die Brust heften darf, heißt Mariano Chiacchiarini. Das musikalische Ausnahmetalent, halb Argentinier, halb Italiener, leitet seit 2010 das Collegium Musicum als Musikdirektor. Regelmäßig wird er zu klassischen Musikfestivals eingeladen, zahllose Preise hat er gewonnen und mit den Größten seiner Branche zusammengearbeitet, darunter Sir Simon Rattle. Die Konzerte, zu denen Chiacchiarini und das Collegium Musicum einladen, sind regelmäßig bereits lange im Vorfeld ausverkauft. So auch die "Carmina Burana", die Carl Orff 1937 in Frankfurt uraufgeführt hat.
Der Meister wäre vermutlich stolz auf die Trierer Musiker gewesen. Denn sein Werk, das die Unsicherheit und die Wechselhaftigkeit der mittelalterlichen Menschen und des Lebens in Form eines Singspiels in Töne fasst, stellt trotz seiner musikalischen Schlichtheit höchste Anforderungen an Chor und Orchester. Ständig und teilweise abrupt wechselnde Tempi, der immer wiederkehrende Wechsel vom Fortissimo ins Pianissimo, das wirbelnde Spiel des Orchesters - all das erfordert ein hohes Maß an Konzentration von den Mitwirkenden, die diesem Anspruch jedoch in jeder Phase gerecht wurden.

Perfekt austariert


Bei dem etwa 130 Kehlen starken Chor verstand es Mariano Chiacchiarini geschickt, die in der Unterzahl angetretenen Männerstimmen den Frauenstimmen gegenüberzustellen, ohne dass sie dabei untergingen. Ganz im Gegenteil: Durch ein geschicktes Austarieren des Kräfteverhältnisses ergab sich ein Maß an Harmonie, wie es besser hätte kaum ausfallen können.
Das galt übrigens auch beim Aussteuern des Schallpegels von Chor und Orchester. Wenn zuweilen schon mal ein Chor vom Orchester übertönt wird, ist schnell der musikalische Genuss dahin. Doch davon konnte bei diesem Konzert keine Rede sein. Stattdessen gab es einen knapp eineinhalbstündigen Kunstgenuss, der mit Fug und Recht zu den Höhepunkten der an musikalischen Ereignissen nicht gerade armen Römerstadt gezählt werden darf.

Von ätherischer Schönheit


Wesentlichen Anteil daran hatten auch die Solisten Patrick Ruyters (Bariton), Sophia Theodorides (Sopran) und Philip Farmand (Tenor). Stark und fest der Bariton von Patrick Ruyters, dabei stets mit hoher und weiter Tragkraft. Schwebend und rein der Sopran von Sophia Theodorides, eine Stimme von fast schon ätherischer Schönheit. Und dann der Schmelz im Heldentenor von Philip Farmand, der dem Collegium Musicum zudem als Stimmbildner und Chorassistent verbunden ist.
Nicht enden wollender Applaus mit Standing Ovations am Ende des Konzertes. Immer wieder mussten die Solisten und Mariano Chiacchiarini auf die Bühne, bis der Dirigent dann zusammen mit dem Orchester als Zugabe den "Liebesgruß" von Edward Elger und dann noch eine kurze Passage aus der "Carmina Burana" anstimmte.