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Manfred Lütz: „Das Leben ist doch keine Waschmaschine!“

(Prüm) Wie wird man unvermeidlich glücklich? Das haben 650 Besucher beim Eifel-Literatur-Festival in Prüm aus erster Hand erfahren. Arzt, Psychotherapeut und Bestsellerautor Manfred Lütz hat zu diesem Thema einen Antiratgeber geschrieben und mit viel Witz und Verve sein Publikum zwei Stunden lang froh gemacht.

05.06.2016
Stefanie Glandien
Wer am Donnerstag trotz Wolkenbruchs die ehemalige Hauptschule in Prüm trockenen Fußes erreichte – hat viel Glück gehabt. Was Josef Zierden, Organisator des Eifel-Literatur-Festivals, gleich aufgriff: „Während es draußen regnet und hagelt, befinden wir uns hier in der Arche des Wortes, mit einem Experten für Glück an Bord.“ Und dem ist die Eifel nicht unbekannt. „Ich war lange Oberarzt an einer Klinik in Euskirchen und damit auch für den Irrsinn der Eifel zuständig“, verrät er.

Doch zuerst habe er mal die Sprache lernen müssen. So habe eine Frau im Flur gesessen, sich den Bauch gehalten und immerfort gejammert, „Ming Buuch – ich hab so Ping!“ (Mein Bauch – ich habe solche Schmerzen). Da habe er zur Schwester gesagt, gebt der Frau endlich ein Buch! Manfred Lütz meldet sich gerne zu Wort, wenn es darum geht, der Gesellschaft in ihrem Optimierungswahn den Spiegel vorzuhalten. Ob Diätsadismus, Fitnesskult oder Gesundheitssucht – Lütz hat dazu eine Meinung und hält damit nicht hinterm Berg. Mit seinem neuesten Werk nimmt er die Glücksindustrie unter die Lupe und schreibt selbst einen Antiratgeber: „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden“. Sein Vorwurf: Die Ratgeber vermitteln den Leuten den Eindruck, sie seien für ihr eigenes Leben gar nicht mehr kompetent. Das mache unglücklich. Außerdem würden die Autoren nur davon schreiben, wie sie selbst glücklich wurden. Glück sei aber eine sehr persönliche Sache. So gebe es nicht einen, sondern sieben Milliarden Wege zum Glück – für jeden Menschen einen anderen. „Demnächst gibt es einen Ratgeber für richtiges Nasebohren – damit man keine Arterie trifft“, lästert er. Ratgeber brauche man nur für neue Elektrogeräte – „das Leben ist doch keine Waschmaschine“.

Eifel-Literatur-Festival 2016

Ein Rezept zum Glücklichwerden gebe es nicht. „Unser Dorf ist glücklicher, seit wir Flüchtlinge haben“, sagt er. So gebe es mehr ehrenamtliche Helfer als Flüchtlinge. „Menschen in Not zu helfen, ist in sich sinnvoll, und das macht glücklich“, beobachtet der Experte und schlägt auch durchaus ernste Töne an. Wenn man angesichts von Schuld, Leid, Kampf und Tod noch so etwas wie Glück spüren könne, dann bedeute dies, dass man unvermeidlich glücklich sei.

Wenn lautes Lachen ein Ausdruck von Freude und damit auch Glück ist, dann ist es Lütz an diesem Abend mit Bravour gelungen, 650 Menschen glücklich zu machen. Der Links-Rheinländer hat mit seinem Vortrag aus verständlicher Philosophie (was ich schreibe, muss auch mein Friseur verstehen), persönlichen Erlebnissen und ernst gemeinten Ratschlägen das Publikum begeistert. Und auch etwas zum Nachdenken mit auf den Weg gegeben: „Vielleicht hängt Glück schlicht mit dem Gefühl der Geborgenheit in einer selbstverständlich sinnvollen Welt zusammen, in einer Familie, in einer Heimat, in einer Religionsgemeinschaft.“  

Die nächsten Lesungen beim Eifel-Literatur-Festival: Friedrich Christian Delius, 24. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg; Max Moor, „Als Max noch Dietr war“, 8. Juli, 20 Uhr, Cusanus-Gymnasium, Wittlich. red

Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter 0651/7199-996 sowie im Internet auf www.volksfreund.de/tickets