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Nele Neuhaus ist eine der bekanntesten deutschen Krimiautorinnen und eröffnet 2016 das Eifel-Literatur-Festival

(Bitburg) Spätestens seit den ZDF-Verfilmungen ihrer Taunuskrimis mit den Ermittlern Kirchhoff und Bodenstein ist Nele Neuhaus eine der bekanntesten deutschen Krimi-Schriftstellerinnen. Hinter diesem Erfolg stecken harte Arbeit und ein seit der Kindheit gehegter Traum. Im April eröffnet Neuhaus in Bitburg das Eifel-Literatur-Festival 2016.

16.11.2015
Anke Emmerling
Ein Buch schreiben, sofort einen Verlag finden und gleich auf den Bestsellerlisten landen, so verläuft eine Schriftstellerkarriere nur in den seltensten Fällen. Diese Erfahrung hat auch Nele Neuhaus gemacht. Für die aus Münster stammende 48-Jährige war es ein langer Weg bis zum Durchbruch, aber einer, den sie mit Beharrlichkeit gegangen ist. Denn Schreiben ist ihr Kindheitstraum.

Eifel-Literatur-Festival 2016


Schon als Fünfjährige brachte sie in Lautschrift ihre erste Geschichte über Eulen im Wald zu Papier. Zufall oder nicht, eine Eule war auch im Spiel, als 2008 ihr inzwischen weltweiter Erfolg begründet wurde, aber davon später. Zunächst versuchte sich Cornelia Löwenberg - so ihr Mädchenname - an Pferdegeschichten, die sie mit Füller und später mit Reiseschreibmaschine verfasste. Zum Ende der Schulzeit war sie sich sicher, Schriftstellerin werden zu wollen, traute sich allerdings nicht, ihre Liebe zur "brotlosen Kunst" offen zu bekennen.

So arbeitete sie zunächst als Sekretärin, begann später ein Studium, das sie aber abbrach. Beharrlich schrieb sie weiter, auch nachdem sie 1995 den Springreiter und Fleischwarenfabrikanten Harald Neuhaus heiratete, den die passionierte Reiterin auf einem Turnier kennengelernt hatte. Weil sie nun täglich in dessen Firma arbeitete, kostete es sie jedoch Jahre, bis sie endlich ihr erstes großes Manuskript vollenden konnte. Bei Verlagen fand Neuhaus’ Thriller "Unter Haien" über eine Investmentbankerin in New York kein Interesse.

Frust wegstecken

Deshalb brachte sie ihn 2005 auf eigene Kosten und in kleiner Auflage als Book on Demand heraus. Lektorat, Gestaltung, Marketing und Vertrieb hatte sie allein zu leisten.
Mühsam rührte sie bei Buchhändlern und Presse die Werbetrommel, oft musste sie Frust über schlecht besuchte Lesungen wegstecken. Doch die Nachfrage kam in Gang, und die Leser wünschten mehr.

"Eine unbeliebte Frau" entstand, der erste Krimi, den Neuhaus im Taunus ansiedelte, wo sie seit ihrem elften Lebensjahr zu Hause ist. Er erschien in einer Erstauflage von 1000 Büchern. Die fanden so guten Absatz, dass Nele Neuhaus ihren zweiten Taunuskrimi "Mordsfreunde" 2007 gleich mit 5000 Exemplaren auflegte. Eins davon gelangte nach Berlin zu Ullstein, dem großen Publikumsverlag mit dem Eulen-Logo. Der war so angetan, dass er der Autorin die Zusammenarbeit anbot. 2009 brachte er ihren dritten Taunuskrimi "Tiefe Wunden" heraus, der es auf Anhieb auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Mit "Schneewittchen muss sterben" gelang dann der endgültige Durchbruch.
Inzwischen sind sieben Folgen der Reihe um das Ermittlerduo Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein auf dem Markt, die teils vom ZDF verfilmt wurden. Ihre Gesamtauflage liegt bei über fünf Millionen Exemplaren, die Rechte sind in 20 Länder verkauft. Darüber hinaus veröffentlicht Nele Neuhaus Jugendbücher, mit denen sie an die Pferdegeschichten ihre Jugend anknüpft. Ihren Erfolg führt sie darauf zurück, dass sie sich nie hat entmutigen lassen.

Am Freitag, 15. April, 20 Uhr, liest Nele Neuhaus in der Stadthalle Bitburg aus ihrem Krimi "Die Lebenden und die Toten".
Extra
"Die Lebenden und die Toten" ist der siebte Fall für Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein und hält die beiden Kommissare so in Atem, dass Kirchhoff sogar auf ihre Flitterwochen verzichtet. Erst wird eine allseits beliebte ältere Dame beim Spaziergang mit ihrem Hund nahe Eschborn aus dem Hinterhalt erschossen. Dann tötet jemand die Ehefrau eines angesehenen Mediziners per Kopfschuss in ihrer Küche. Während die Polizisten nach einer Verbindung zwischen den Frauen und den Taten suchen, gibt es weitere Opfer. Bald wird Kirchhoff und Bodenstein klar, dass sie es mit einem sehr perfiden Täter zu tun haben, der ihnen stets einen Schritt voraus ist. Um das Rätsel seiner Person und seiner Mission zu lösen, beziehen die Kommissare Pias Schwester als Polizeipsychologin und einen auswärtigen Profiler in ihre Ermittlungen ein. Doch erst als ein junger Mann erschossen wird, dem vor längerer Zeit ein Spenderherz von einer für hirntot erklärten Frau eingesetzt wurde, ergibt sich eine Spur. Allmählich erschließt sich den Fahndern, dass die Vorgänge um die damalige Transplantation ein Schlüssel zur Aufklärung des Falls sind. ae Nele Neuhaus, "Die Lebenden und die Toten", Verlag Ullstein, 560 Seiten, Taschenbuch, 10,99 Euro
Extra
20 Autoren lesen beim Eifel-Literatur-Festival 2016, die ersten 14 Veranstaltungen gibt es von April bis Juli. Der TV stellt die Autoren des Literaturfrühlings und ihre Werke in den nächsten Wochen vor (in unserer Gesamtübersicht ist der Name des jeweiligen Autors blau gefettet). Den Anfang macht Krimiautorin Nele Neuhaus. Nele Neuhaus, Freitag, 15. April 2016, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg Pater Anselm Grün, "Was der Seele gut tut", Donnerstag, 21. April, 20 Uhr, Aula der ehemaligen Hauptschule in Prüm Dora Heldt, Freitag, 29. April, 20 Uhr, Forum, Daun Felicitas Hoppe, Dienstag, 3. Mai, Haus Beda, 20 Uhr, Bitburg Horst Evers, "Alles außer irdisch", Mittwoch, 11. Mai, 20 Uhr, Aula, Hauptschule Prüm Jan Weiler, "Im Reich der Pubertiere", Freitag, 13. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg Leslie Malton, "Brief an meine Schwester", Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, Aula, Hauptschule Prüm Giulia Enders, "Darm mit Charme", Samstag, 21. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg Anne Weber, Dienstag, 24. Mai, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg Manfred Lütz, Donnerstag, 2. Juni, 20 Uhr, Aula der ehemaligen Hauptschule Prüm Ulla Hahn, "Spiel der Zeit", Freitag, 3. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg Kirsten Boie, Freitag, 3. Juni, 10.30 Uhr, Aula St. Matthias-Gymnasium Gerolstein Friedrich Christian Delius, Freitag, 24. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg Max Moor, "Als Max noch Dietr war", Freitag, 8. Juli, 20 Uhr, Cusanus-Gymnasium, Wittlich Karten für alle Veranstaltungen des Eifel-Literatur-Festivals 2016 gibt es im TV-Service-Center Trier, unter Telefon 0651/7199-996 und auf www.volksfreund.de/tickets