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Ohne Luther kein Bach

(Bitburg) Das Festival "Bach und die Reformation" setzt sich mit der untrennbaren Verbindung von Johann Sebastian Bachs Musik und der Theologie Luthers auseinander.

08.09.2017
Eva-Maria Reuther
Bitburg "Ein feste Burg ist unser Gott" - Martin Luthers Schutz- und Trutzlied kennen die meisten. Weniger bekannt dürfte sein, dass Johann Sebastian Bach den Choral in einer seiner Kantaten als vierstimmigen Chorsatz bearbeitet hat. Das Chorwerk ist eine der 13 sogenannten Luther-Kantaten des Thomaskantors. Aber nicht nur hier kreuzen sich die Wege des barocken Großmeisters und des Reformators. Die enge Verbindung der beiden gebürtigen Thüringer ist längst bekannt. Im Reformationsjahr ist sie einmal mehr Thema zahlreicher Publikationen und Veranstaltungen. Auch das Kulturamt des Eifelkreises Bitburg-Prüm widmet in Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Mozartgesellschaft und ihrem Präsidenten Georg Mais der engen Beziehung Bachs zur Reformation ein spannendes Projekt im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz.
Was hat Bachs Musik mit Luthers Theologie zu tun, und wie ist ihre Wirkungsgeschichte in der Musik?, lauten die Fragen, die das kleine, aber feine Festival anhand von Musikbeispielen und einem Vortrag zu "500 Jahre Reformation" beantworten will. Ohne Luther kein Bach - schon früh ist die Familie des Thomaskantors mit der Reformation verbunden. Ein Vorfahre kommt als evangelischer Glaubensflüchtling nach Thüringen. Wie Luther wird auch Johann Sebastian Bach in Eisenach geboren. Er besucht dieselbe Lateinschule und wächst mit den Chorälen aus Luthers Gesangbuch auf. Dem Schüler Bach sind Luthers eigens dafür geschriebene Lieder eine Hilfe beim Lernen des evangelischen Katechismus. Für den Reformator, der regelmäßig mit seiner Familie musizierte und selbst 35 Lieder schrieb, spielt die "Gottesgabe Musik" im Leben wie in der religiösen Praxis eine zentrale Rolle. "Sie macht den Menschen fröhlich und vertreibt den Teufel", stellt er fest. Für ihn ist die Musik "nahe der Theologie". Der Reformator, der jedem Gläubigen eine unmittelbare Gotteserfahrung ermöglichen will, hält es für unerlässlich, Gottesdienstbesucher über die Volkssprache Deutsch am gesprochenen Wort wie am Gesang zu beteiligen. 1532 werden die ersten Gesangbücher in deutscher Sprache von Luther veröffentlicht. Das gemeinsame Singen soll zudem das Gemeinschaftsgefühl stärken. Luthers Chorlieder werden zu identitätsstiftenden Liedern der neuen Theologie.
Auch für Johann Sebastian Bach liegen Musik und Theologie nahe beieinander. "Wer den Menschen oder Komponisten Bach verstehen möchte, kommt nicht umhin, sich mit dem Räderwerk des Glaubens auseinanderzusetzen", vermerkt der Bachkenner John Eliot Gardiner. Der Glaube des Thomaskantors wurzelt in Luthers Theologie. In seiner Bibliothek steht eine wertvolle Gesamtausgabe der Schriften des Reformators, die er intensiv studiert, ebenso wie die Rolle der Musik in der evangelischen Liturgie. Als Kantor und Musikdirektor in Leipzig wird er mit Chor- und Orgelwerken sowie seinen Passionen zum "Prediger mittels Musik".
All das dient dem Festival in der Eifel als Grundlage. An drei Spielorten befasst es sich mit Luther-Chorälen genauso wie mit Bachs "Kunst der Fuge", auf die das Wort des Philosophen Leibniz von der Musik als "arithmetischer Tätigkeit der Seele" passt.
Das Programm des Festivals verweist zudem auf die Wirkungsgeschichte Bachs. Als altmodisch und verstaubt geriet das Werk des barocken Meisters nach seinem Tod zunächst in Vergessenheit. Zwar bewunderten Mozart und Beethoven seine Musik. Für eine breite Öffentlichkeit entdeckte sie allerdings erst Felix Mendelssohn Bartoldy neu. Der Komponist der "Reformationssinfonie", dessen jüdische Eltern zum reformierten Glauben übergetreten waren, kommt ebenfalls im Festival musikalisch zu Wort. Zu dem Bach-Festival werden namhafte Ensembles wie das Leipziger Streichquartett und angesehene Solisten wie der japanische Pianist Keiko Hattori und sein junger Kollege Sergej Markin erwartet. "Das ist ein Programm, das ins Innere geht", freut sich Kulturamtschef Herbert Fandel. Und Georg Mais bestätigt: "Wir setzen auf Qualität".
Extra: DIE KONZERTE DES FESTIVALS

Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Leitung Georg Mais, Werke von Carl Philipp Emanuel und Johann Sebastian Bach sowie Felix Mendelssohn Bartholdy, Solist Keiko Hattori, 30. September, 19 Uhr, Haus Beda, Bitburg. Leipziger Streichquartett, Werke von Bach und Mendelssohn, 3. Oktober, 17 Uhr, Schloss Malberg. Festvortrag "500 Jahre Reformation", Referent Jürgen Hardeck, J. S. Bach Luther-Lieder-Choralvariationen, Sergei Markin, Klavier, 6. Oktober, 19 Uhr, Saal der Kreissparkasse Bitburg-Prüm Philharmonischer Kammerchor Lemberg, Dirigent Volodymyr Syvokhip, "Johann Sebastian Bach und Martin Luther - Eine himmlische Begegnung", 8. Oktober, 18 Uhr, katholische Kirche St. Johannes, Waxweiler. Weitere Informationen auf sw-mozartgesellschaft.de/ konzerte/bach-und-die- reformation-eifel.html