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Originelle Stimme Luxemburgs

Zum Tod des Schriftstellers Jean-Paul Jacobs - Letztes Werk erschien vorige Woche

(Luxemburg/Berlin) Im literarischen Leben Luxemburgs hatten die Worte Jean-Paul Jacobs’ Gewicht. Der Lyriker galt als originelle Stimme im literarischen Leben des Landes. Im Alter von 75 Jahren ist der Schriftsteller, der in Berlin lebte, gestorben.

22.07.2016
Luxemburg/Berlin. Jean-Paul Jacobs, Lyriker und Schriftsteller aus Luxemburg, ist tot. Der starb nach Angaben des Centre national de littérature bereits am Dienstag an seinem Wohnort in Berlin im Alter von 75 Jahren. In seiner 50-jährigen literarischen Schaffenszeit war Jacobs, der 1941 in Esch/Alzette geboren wurde, eine wichtige und originelle Stimme im literarischen Leben Luxemburgs, dem er trotz der räumlichen Entfernung stets fest verbunden blieb. Sein Wohnort war Berlin.
Nach dem Studium von Musikwissenschaften, Geschichte und Latein zog Jean-Paul Jacobs im Jahr 1966 auf Anregung des österreichischen Schriftstellers H.C. Artmann nach Berlin, wo er seither lebte. Von 1975 bis 2006 war er Mitarbeiter der Staatsbibliothek Berlin. Jacobs schrieb, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in deutscher Sprache. Zu den Ausnahmen gehörten imaginierte Telefongespräche mit Roger Manderscheid auf Luxemburgisch.

Sprachexperimentelle Lyrik


Jacobs hauptsächliches Betätigungsfeld war die sprachexperimentelle Lyrik. Er debütierte in den 1960er Jahren mit Gedichten in der Tradition der sprachexperimentellen Lyrik und mit Erzählungen, in denen er in parodistischer Absicht Ideologiekritik mit literarischen und filmischen Mustern der Popkultur verband. Charakteristisch für seine spätere, nicht selten ironisch-melancholisch geprägte Lyrik sind Rollengedichte, die sich oft der Kulisse der höfischen Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert bedienen und durch Anspielungen und Referenzen ein Koordinatensystem der europäischen Literatur- und Musikgeschichte entstehen lassen. Für seinen Lyrikband "Jenes Gedicht & Mit nichts" erhielt er 2005 den Prix Servais.
Jacobs war bis zuletzt schöpferisch tätig. Sein letzter Lyrikband "fragmente" erschien in der vorigen Woche. Im Vorwort des Autors heißt es über die den Band illustrierenden Acrylbilder von Clôt Jacobs, sie gehörten "in ihrer Freiheit, ihrer Zeitlosigkeit, in ihrer Güte und Schönheit, ihrer Leichtigkeit und ihrem Humor, ihrer Kunstfertigkeit und ihrer geistigen Toleranz zu den Qualitäten, die uns unmissverständlich dazu verhelfen, die Menschen zu werden, die wir gerne sein möchten". Mit diesen Worten ließen sich treffend auch Jacobs eigene Werke charakterisieren. tgbl