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Raus aus der Nische!

Die aus Trier stammende Schriftstellerin Tania Witte im Porträt

(Trier/Berlin) Schreiben, die ewige Leidenschaft: Tania Witte schreibt Kolumnen fürs "Zeit-Magazin", eine Roman-Trilogie über das schwul-lesbische Berlin hat sie schon veröffentlicht. Nun hat sie ihr erstes Jugendbuch fertig.

28.01.2017
Andreas Feichtner
Trier/Berlin. Ab ins Bett, hilft ja alles nichts, schon so spät. Und es wird schon alles gut gehen. Muss doch, so blöd kann ja keiner sein. "Und am nächsten Morgen fliegt dir die Welt um die Ohren." So erinnert sich Tania Witte an diesen tristen November-Mittwoch, "an den großen Schlag ins Gesicht", zugleich die Absage an den ewigen Optimismus: Die morgendliche Erkenntnis, dass Donald Trump ernsthaft US-Präsident werden kann. "Das nagt schon an der eigenen Seelengesundheit, als fühlender Mensch", so nennt sie es. Sexismus, Rassimus, Homophobie - das habe alles schon in den vergangenen Jahren zugenommen, schon vor Trump, auch in Deutschland. Das wird man wohl noch sagen dürfen. "Ich finde das besorgniserregend. Umso mehr, weil ich als Frau, die queer lebt, in einer verletzlichen Position bin."
Weltpolitik ist eigentlich gar nicht das Thema hier. Es geht ums Schreiben, um ihre Liebe zu den Worten, immer schon. Egal, ob in der alten Heimat Trier, im Deutsch-Leistungskurs am Max-Planck-Gymnasium oder später beim Musikmagazin "Zillo", als regelmäßige Kolumnistin im "Zeit-Magazin", als Roman-Autorin oder bei ihren Schreib-Workshops. "Aber die Politik ist eben immer auch Thema", sagt sie. Beide Elternteile: Sozialkundelehrer. "Das ging nicht spurlos an mir vorbei."

Eigentlich hat Tania Witte aktuell andere Themen vor und hinter sich. Gerade hat sie, gemeinsam mit Antje Wagner, ihr erstes Jugendbuch vorgelegt. Ein klassischer Coming-of-Age-Roman über Freundschaft und Verlust. "Am Ende sind wir bei 360 Seiten gelandet. Wir sind ein super Team."
Die nächsten Projekte stehen schon an. Vor allem eines: "Ich will raus der Nische", sagt Tania Witte. Die Nische, das ist in ihrem Fall schwul-lesbische Literatur. "Wenn ich ein größeres Publikum erreichen will, geht das leider nur mit einem anderen Verlag." Ihre Roman-Trilogie "beziehungsweise liebe" (2011), "leben nebenbei" (2012) und "bestenfalls alles" (2014) ist bei einem schwul-lesbischen Verlag erschienen, sie hat sehr gute Rezensionen bekommen - nicht nur von der Berliner Zeitung, die von ihrer "dramatisch blühenden Phantasie und einem zärtliches Händchen für diesen Käfig voller Narren" schwärmte. Aber der Mainstream ist damit nicht zu erreichen. Das liegt nicht am Wer-hat-was-mit-wem, erst recht nicht am Schreibstil. "Das liegt vor allem daran, dass heterosexuelle Menschen selten queere Literatur lesen." Während der umgekehrte Fall ganz normal sei. Klar geht es da auch mal um die Lust. "Aber die Frage der Identität ist viel wichtiger als Sexszenen."
Auch auf der Bühne fühlt sie sich wohl, bei Spoken Word-Performances. "Anders als beim Poetry Slam ist das kein Wettbewerb. Ich muss also nicht auf die Pointe hin schreiben, nicht auf den schnellen Lacher." In Trier war Tania Witte vor einigen Wochen auch noch mal, nach längerer Zeit. An der Uni leitete sie einen Drag-King-Workshop, Motto: "Mit Bartkleber gegen das Patriarchat". Mit Frauen, die stereotype männliche Verhaltensweise persiflieren. "Das macht immer viel Spaß." Die Deadline fürs Jugendbuch Ende Januar hatte sich Tania Witte selbst gesetzt. Denn ab Februar zieht es die seit 2004 in Berlin lebende Autorin wieder für zwei Monate nach Rheinland-Pfalz - zwar nicht nach Trier, wo sie aufwuchs, aber in die Pfalz, wo sie ein Stipendium des Künstlerhauses Edenkoben erhalten hat. Gleich um die Ecke, in Landau, hatte sie Medienpädagogik studiert. Gleich um die andere Ecke, aus Kallstadt, sind Trumps Großeltern einst in die Staaten ausgewandert. Aber das ist ein anderes Thema.