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Ring frei! Die Schlacht ums beste Festival

In der Eifel duellieren sich 2015 Veteran Rock am Ring und Neuling Grüne Hölle

(Nürburgring/Mendig) Darf's ein bisschen mehr sein? 2015 finden gleich zwei der größten deutschen Rockfestivals in der Region statt. Nach Rock am Ring (erstmals in Mendig, 5. – 7. Juni) hat nun Debütant „Der Ring – Grüne Hölle Rock“ am Nürburgring die ersten Bands bekanntgegeben, darunter sind Metallica, Muse und Kiss (29. – 31. Mai). Beide Open Airs hoffen auf über 80.000 Fans. Der Trierische Volksfreund vergleicht beide Drei-Tages-Festivals. Dossier zum Thema: Rock am Ring

05.11.2014
Andreas Feichtner/Jörg Pistorius
Rock am Ring
5.-7.Juni, Mendig
Der Ring - Grüne Hölle Rock
29.-31.5., Nürburgring
Die Bands: Rock am Ring hat ordentlich vorgelegt. Bisher stehen über 40 Bands fest, etwa 90 sollen vom 5. bis 7. Juni auftreten. An der Spitze des Programms stehen die US-Metal-Stars Slipknot, die Foo Fighters (die am 10. November ihr neues Album „Sonic Highways“ rausbringen) und die bewährten Ringrocker Die Toten Hosen. Aber auch in der etwas kleineren Schrift gibt's große Livebands wie die Beatsteaks, Broilers, Kraftklub, Marilyn Manson, Motörhead, Parkway Drive und Rise Against. Rock am Ring ist aber längst nicht nur Rock – für den bunten Mix von Elektro über Songwriter bis Hip Hop sorgen Deichkind, Fritz Kalkbrenner, Mighty Oaks, K.I.Z., Prinz Pi und SiriusModeselektor. Spannend werden dürfte auch der Auftritt von Body Count mit ihrem leider allzu passenden Bandnamen (= Zahl der Toten): Von der Originalbesetzung der frühen 90er lebt neben Rapper Ice-T nur noch Gitarrist Ernie C. Weitere bestätigte Bands in Mendig: Slash feat. Myles Kennedy & The Conspirators, Frank Turner, In Flames, A Day to Remember, Eagles of Death Metal, Enter Shikari,  Bilderbuch, MS MR, Feine Sahne Fischfilet.  Die Bands: Die Grüne Hölle wendet sich klar an die Fans der härteren Töne. Metallica sind alte Eifel-Veteranen, ihr emotionaler und umjubelter Auftritt zum Abschluss des diesjährigen Festivals ist einer der Höhepunkte der 29-jährigen Ringgeschichte. Muse sind zweifellos eine der interessantesten britischen Bands, ihre Nummer mit dem Ufo im Jahr 2010 haben viele Ringfans noch in sehr guter Erinnerung. Und dann noch Kiss. Oldtimer im wahrsten Sinne des Wortes, aber mit einem Blut und Feuer spuckenden Gene Simmons und ewig guten Nummern wie „Rock'n'Roll All Nite“ oder „I Love It Loud“ kann man schon mal zwei Stunden verbringen. Das gilt ebenso für Rob Halford und seine Mannen von Judas Priest, die in den 80ern zur New Wave Of British Metal gehörten und die Musikwelt veränderten. Faith No More, Limp Bizkit und alte 80er-Granaten wie Testament und Accept sind ebenfalls dabei. Accept haben 2010 und 2012 starke Alben präsentiert. Ebenfalls am Start: Five Finger Death Punch, Exodus, Incubus, The Darkness und Turbonegro
Das Gelände: Der alte Bundeswehr-Flugplatz in Mendig (Osteifel) war bis vor ein paar Monaten Rockfans kaum ein Begriff – bis zum Umzug von Rock am Ring. Veranstalter Lieberberg bezeichnet die neue Location als sein Feld der Träume: Das Gelände verspricht reichlich Platz, kürzere Wege vom Campingplatz zur Bühne und eine gute Verkehrsanbindung. In Mendig soll auf zwei Open-Air-Bühnen und zwei Zeltbühnen gerockt werden. Von Trier aus nehmen sich beide Ziele nicht viel: mit dem Auto braucht man etwa eine Stunde.  Das Gelände: Der Nürburgring ist vertrautes Terrain. Manche Fans kennen ihren Campingplatz und den unter Umständen ziemlich langen Weg zu den Bühnen so gut wie ihr eigenes Wohnzimmer. Die gewohnte räumliche Aufteilung wird auch die Grüne Hölle nicht verändern: Vom System mit den drei großen Bühnen über Camping und Green Camping bis zu den Shuttlebussen zwischen den Campingplätzen und dem Festivalgelände werden die Fans vom seit Jahrzehnten gewohnten Szenario empfangen. 
Der Veranstalter: Der Abschied vom Nürburgring fiel emotional aus: Veranstalter Marek Lieberberg (68) verabschiedete sich im Juni auf großer Bühne vor zehntausenden Rock-am-Ring-Fans. Es war sein letztes Festival an der legendären Rennstrecke – nach 29 Jahren. Lieberbergs Agentur (MLK) und der damals neue Ringpächter Capricorn hatten nicht zueinander gefunden. Es folgte eine monatelange Fehde, bei der es nicht nur um Namensrechte ging. MLK gehört zu den bekanntesten deutschen Veranstaltern. Lieberberg organisiert seit 1970 Konzerte, seit 1985 Rock am Ring. Das Festival lockte in den vergangenen Jahren regelmäßig 80.000 bis 85.000 Zuschauer in die Eifel.  Der Veranstalter: Die DEAG Deutsche Entertainment AG ist einer der größten Liveveranstalter in Europa. Mit Konzerngesellschaften in Deutschland, Großbritannien, Österreich und der Schweiz führt die Gesellschaft mehr als 1500 Veranstaltungen pro Jahr in den Bereichen Rock und Pop, Klassik, Schlager- und Volksmusik sowie Family-Entertainment durch und setzt dabei nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Tickets ab. Für 2014 erwartet die DEAG Deutsche Entertainment AG einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro. Insgesamt will die DEAG-Gruppe mit ihren Open Airs und Festivals im Sommer 2015 über 775<VG>000 Zuschauer erreichen. 
Service: Tickets für Rock am Ring kosten bis einschließlich 10. November 160 Euro zzgl. Gebühren und Versandkosten (inkl. Frühbucherrabatt, Parken und Campen sowie Vorverkaufsgebühr und 5 Euro rückzahlbares Müllpfand). Ab 11. November erhöht sich der Preis auf 170 Euro. Weitere Infos unter www.rock-am-ring.com, dort findet sich auch der vorläufige Geländeplan. Von den Parkplätzen sind es rund 1,5 Kilometer Fußweg zum Festivalgelände. Der Weg von den Bühnen zu den Campingplätzen ist aber deutlich kürzer. Service: Die günstigsten Early Bird-Tickets gibt es ab dem heutigen Donnerstag, 6. November, ab 10 Uhr für 169 Euro auf www.ticketmaster.de. Die besten Anfahrtswege zum Nürburgring: aus Fahrtrichtung Köln über die A1 bis zum Autobahnende, aus Fahrtrichtung Trier und Luxemburg über die A<VG>48 bis zur Abfahrt Ulmen, aus Fahrtrichtung Koblenz und Bonn über die A<VG>61 bis zur Autobahnabfahrt Wehr. Vom Einmannzelt  bis zum Wohnmobil oder sogar Traktor passt alles auf die Ringplätze. Nähere Infos unter www.der-ring.de
Warum zu Rock am Ring? Trau keinem über 30! So hieß es vielleicht früher mal von Leuten, die selbst inzwischen längst über 60 sind. Ist ja auch Quatsch. Der 30. Geburtstag von Rock am Ring wird im nächsten Jahr kein Weißt-du-noch?-Treffen von alternden Traditionsverwaltern. Hier wird an den Erinnerungen von morgen gebaut. Das neue Gelände schließt allzu viel Nostalgie aus. Das macht aber gar nichts, im Gegenteil: Rock am Ring setzt wieder auf den Stilmix, der sich in den vergangenen Jahren bewährt hat. Rock und Metal sind zwar ein Schwerpunkt. Aber wer über den eigenen Genre-Rand blicken kann, wird wieder einige Entdeckungen machen. Und bei drei Jahrzehnten Festivalerfahrung braucht man sich auch an einem neuen Ort keine Sorgen um die Organisation zu machen. Andreas Feichtner Warum zur Grünen Hölle? Stilmix? Aber nicht doch! Offen für Pop und Disco? Auf gar keinen Fall! Die Grüne Hölle will offenbar das norddeutsche Wacken, dort findet das größte Metalfestival der Welt statt, in die Eifel versetzen. Das Programm scheint dabei eine neue Spielart definieren zu wollen. Nennen wir sie mal Nostalgic Metal. Metallica sind nicht mehr die Jüngsten, Judas Priest kommen aus der Gruft auf die Bühne und Kiss waren schon alt, als samstags im Fernsehen noch „Einer wird Gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff lief. Aber das macht natürlich nichts. Es ist eine reine Freude, die alten Jungs nochmal geballt zu erleben. Sie hüpfen nicht mehr über die Bühne, aber die Kraft und Originalität ihrer Musik sind ungebrochen. Und immerhin: Muse sind jünger und wären allein schon die Tour in die Eifel wert.  Jörg Pistorius  

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