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Schauspielerin Leslie Malton beim Eifel-Literatur-Festival in Prüm - Liebeserklärung an kranke Schwester

Schauspielerin Leslie Malton kommt mit einem sehr persönlichen Buch zum Eifel-Literatur-Festival nach Prüm

(Prüm) Leslie Malton ist bekannt aus Fernseh- und Kinofilmen wie "Der große Bellheim" oder "Taxi". Jetzt hat die Schauspielerin auch als Autorin von sich reden gemacht, mit einer sehr persönlichen Liebeserklärung an ihre Schwester Marion. Sie leidet am Rett-Syndrom, einer seltenen neurologischen Entwicklungsstörung. Im Mai stellt Malton ihr Buch "Brief an meine Schwester" beim Eifel-Literatur-Festival vor.

28.12.2015
Anke Emmerling
Prüm. Sie hat ein Händchen fürs Komödiantische, verkörpert zickige, zynische oder sensible Frauen - Leslie Malton ist eine wandlungsfähige Darstellerin. Schon als 14-Jährige war die 1958 in Washington D.C. geborene Tochter eines amerikanischen Diplomaten und einer Wienerin entschlossen, Schauspielerin zu werden. Nach Kursen in London und Boston bekam sie bereits 1975 ihr erstes Theaterengagement bei den Wiener Embassy Players. Ein Jahr später debütierte sie im Spielfilm an der Seite von Liz Taylor in "A Little Night Music".
Ihren ersten großen Erfolg feierte sie 1985 als Ophelia neben Klaus Maria Brandauer in "Hamlet" am Wiener Burgtheater, wo sie später noch viele Jahre mit George Tabori zusammenarbeitete. Der bei seinem Tod 2007 dienstälteste Theatermacher der Welt prophezeite der Schauspielerin eine große Karriere und schrieb ihr einige Rollen auf den Leib.

Eifel-Literatur-Festival 2016


Die Karriere kam, vor allem auf der Leinwand. Den großen Durchbruch und renommierte Preise brachte Leslie Malton die Rolle der Börsenmaklerin Gudrun Lange in Dieter Wedels Vierteiler "Der große Bellheim" ein. Seither ist sie aus der deutschen Fernseh- und Kinolandschaft nicht wegzudenken.

Doch nicht nur Glanz bestimmt das Leben der in Berlin ansässigen und mit dem Schauspieler Felix von Manteuffel verheirateten Mimin. Seit ihrer Kindheit trägt sie am Schicksal ihrer nur elfeinhalb Monate jüngeren Schwester Marion, die schwerstkrank, gänzlich auf fremde Hilfe angewiesen, in einem Heim in Kalifornien lebt. Im Alter von etwa einem Jahr hatte Marions bis dahin normale Entwicklung gestockt und sich alles Erlernte zurückgebildet. Erst 2012, nachdem Leslie Malton zufällig auf einen Zeitungsartikel stieß und ein anschließender Bluttest Gewissheit brachte, bekam das jahrzehntelang ungeklärte Leiden ihrer Schwester einen Namen: Rett-Syndrom. Es handelt sich um eine genetisch bedingte Entwicklungsstörung, die mit Symptomen wie Sprachunfähigkeit, verdrehter Wirbelsäule, epileptischen Anfälle oder stereotypen Handbewegungen einhergeht. Deren Entdecker, den Wiener Arzt Dr. Andreas Rett, hatte Familie Malton, die ab 1970 in Wien wohnte, konsultiert, ohne jedoch eine Diagnose zu bekommen.

Noch immer bleibt die Krankheit häufig unerkannt oder wird anfangs als Faulheit oder Langsamkeit des betroffenen Kindes interpretiert. Deshalb hat sich Leslie Malton entschlossen, als Botschafterin der "Elternhilfe für Kinder mit Rett-Syndrom" öffentlich Aufklärungsarbeit zu leisten.

Und nicht nur das, sie hat nun auch ihre privaten Erfahrungen in ein Buch gebannt. Zusammen mit Roswitha Quadflieg erzählt sie vom Schicksal ihrer Schwester, das ihr zu aller Sorge viel Wertvolles fürs Leben und die erfolgreiche Arbeit vor der Kamera und auf der Bühne gegeben hat: "Ich habe mehr von Marion gelernt, als sie von mir. Das Beobachten von Körperlichkeit, die Fähigkeit zu deuten, was einen anderen Menschen bewegt."

Am Freitag, 20. Mai 2016 wird Leslie Malton beim Eifel-Literatur-Festival in der Aula der ehemaligen Huaptschule in Prüm aus "Brief an meine Schwester" lesen.
Extra
"Brief an meine Schwester" ist die sehr persönliche Geschichte zweier Schwestern, die ganz verschiedene Leben führen. Leslie ist eine mit Attraktivität und Erfolg gesegnete Schauspielerin. Marion, nur elfeinhalb Monate jünger, nimmt das Rett-Syndrom jede Chance auf eine gesunde Entwicklung. Sie verliert sogar alle angelernten Fähigkeiten, kann sich nicht artikulieren und ist zeitlebens auf fremde Hilfe angewiesen. Im Stil eines Briefes, der Marion direkt anredet, schildert Leslie Malton mit ihrer Co-Autorin Roswitha Quadflieg berührend, wie tief sie diese Kluft und auch die Ungerechtigkeit des Schicksals empfindet. Sie erzählt aber auch, wie gerade dieses ihrem Leben Richtung und Inhalt gegeben hat. Ihren Beruf als Schauspielerin habe sie ergriffen, "weil du so bist, wie du bist", schreibt sie an die Schwester.

Durch das stetige Bemühen, die Regungen Marions zu deuten, habe sie das Alphabet der Körperlichkeit gelernt, ohne das ihre Arbeit nicht möglich sei. Natürlich geht es im Buch auch um Zweifel, Ängste und Schuldgefühle. Leslie Malton dachte lange Zeit, sie sei schuld an der Krankheit Marions, weil sie sie im Kindesalter mit einem starken Fieber infiziert hatte. Mit ihrem Buch liefert Malton persönliche, von Warmherzigkeit und Liebe geprägte Bekenntnisse und Erinnerungen, aber auch eine Ermutigung, sich auf das Andere einzulassen und mit intensiven Momenten der Nähe belohnt zu werden. ae Leslie Malton, Roswitha Quadflieg, Brief an meine Schwester, Aufbau Verlag, gebunden 224 Seiten, 18,95 Euro
Extra
20 Autoren lesen beim Eifel-Literatur-Festival im kommenden Jahr, die ersten 14 Veranstaltungen gibt es von April bis Juli. Der TV stellt die Autoren und ihre Werke in den nächsten Wochen vor (in unserer Gesamtübersicht ist der Name des jeweiligen Autors blau gefettet). A bedeutet ausverkauft. Nele Neuhaus, Freitag, 15. April, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg (A) Pater Anselm Grün, ,"Was der Seele gut tut", Donnerstag, 21. April, 20 Uhr, Aula der ehemaligen Hauptschule in Prüm (A) Dora Heldt, Freitag, 29. April, 20 Uhr, Forum, Daun Felicitas Hoppe, Dienstag, 3. Mai, Haus Beda, 20 Uhr, Bitburg Horst Evers, "Alles außer irdisch", Mittwoch, 11. Mai, 20 Uhr, Aula, Hauptschule Prüm Jan Weiler, "Im Reich der Pubertiere", Freitag, 13. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg Leslie Malton, "Brief an meine Schwester", Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, Aula, Hauptschule Prüm Giulia Enders, "Darm mit Charme", Samstag, 21. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Bitburg Anne Weber, Dienstag, 24. Mai, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg Manfred Lütz, Donnerstag, 2. Juni, 20 Uhr, Aula der ehemaligen Hauptschule Prüm Ulla Hahn, "Spiel der Zeit", Freitag, 3. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg Kirsten Boie, Freitag, 3. Juni, 10.30 Uhr, Aula St. Matthias-Gymnasium Gerolstein (A) Friedrich Christian Delius, Freitag, 24. Juni, 20 Uhr, Haus Beda, Bitburg Max Moor , "Als Max noch Dietr war", Freitag, 8. Juli, 20 Uhr, Cusanus-Gymnasium, Wittlich Literaturherbst: Bereits ausverkauft sind die Veranstaltungen mit Sebastian Fitzek (29. Oktober) und Anselm Grün (6. Oktober).

Karten für alle Veranstaltungen gibt es im TV-Service-Center Trier, unter 0651/7199-996 und auf www.volksfreund.de/tickets cweb