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Sherlocon in Hillesheim: Dem rätselhaften Sherlock Holmes auf der Spur

300 Fans des Meisterdetektivs treffen sich drei Tage lang in Hillesheim - Lesungen, Vorträge und ein Krimidinner auf dem Programm

(Hillesheim) "Eine Studie in Scharlachrot" des Autors Arthur C. Doyle ist vor 125 Jahren erschienen. Diese Kurzgeschichte markiert den Beginn der Kriminalfälle rund um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes. Bis heute zieht er seine Leser in den Bann. Rund 300 Sherlockianer haben drei Tage in Hillesheim seine Spuren gesucht. Der TV hat sich an ihre Fersen geheftet.

26.08.2012
Alexander Schumitz
"Sie wissen, wo Sie mich finden. SH", schreibt Sherlock in einer Kurznachricht an Detective Inspector Lestrade. Kurze Zeit später trifft Sherlock Holmes in der Pathologie den verwundeten Afghanistanveteran und Militärarzt Dr. John Watson und bietet ihm an, in der Baker Street 221B gemeinsam eine Wohnung zu mieten. Die BBC-Serie SHERLOCK, die 2010 erstmals in Großbritannien im Fernsehen gezeigt wurde, bricht mit traditionellen Konventionen. Doyles Meisterdetektiv ermittelt nicht länger mit der Lupe, trägt nicht länger den Deerstalker - das ist die für Sherlock Holmes charakteristische Jagdmütze - und schmaucht nicht länger an seiner Meerschaumpfeife.
In Hillesheim haben sich drei Tage lang die Fans des Meisterdetektivs auf der Sherlocon getroffen. Con steht dabei für das englische Wort "convention". Das sind Veranstaltungen, auf denen Fans sich - oft auch verkleidet - treffen. Auf der Sherlocon gibt es Vorträge, Lesungen von deutschen Autoren, die Sherlock Holmes in ihre Bücher einbinden, eine Buchmesse und verschiedene Treffen, wie etwa das Krimidinner, in dem Schauspieler die Story aus dem Hund von Baskerville spielten, oder ein viktorianisches Picknick an der Hillesheimer Stadtmauer.

Scharlachrotes Mordopfer


Anne-Kathrin Graf ist in scharlachrot gekleidet aus Heidelberg nach Hillesheim gekommen. Sie verkörpert Jennifer Wilson, eines der Mordopfer, deren Mörder "Consultant Detective" Sherlock Holmes am Ende überführt.
An Anne-Kathrins Seite steht ihre Freundin Julia Weber ganz in schwarz gekleidet, mit wallender schwarzer Lockenpracht. In ihrem Auftreten erinnert sie an Benedict Cumberbatch; dem Schauspieler, der den Meisterdetektiv in der jüngsten BBC-Serie spielt.
"Wir sind große SHERLOCK-Fans", sagen sie unisono. Gerade das Widersprüchliche in Sherlock Holmes Person fasziniere sie. Einerseits begeistere sie seine Logik, andererseits sei er charakterlich eher unnahbar. Eingefleischte Sherlockianer - so nennen sich die Fans des traditionellen Sherlock Holmes - sind zur Convention mit Deerstalker und im feinsten Tweed gekommen. "Seit ich vor 25 Jahren einen Holmes Film irrtümlicherweise im Videorecorder programmiert und ihn mir angeschaut habe, bin ich von den Geschichten begeistert", erzählt Marcus Konrad.
Ihr Spannungsbogen, das viktorianische Zeitalter und die Person des Detektivs machten den Kriminalstoff einmalig. Der Filmwissenschaftler und Buchhändler Michael Ross ist leidenschaftlicher Sammler von allen Dingen rund um Sherlock Holmes. Er hat auch schon mehrere Bücher zu dem Thema verfasst. Er denkt, dass mit der Figur Sherlock Holmes der Autor Arthur Conan Doyle die Methode der wissenschaftlichen Auflösung von Kriminalfällen erstmals popularisiert hat. Für den Filmexperten steht fest: "Die Krimis funktionieren bis heute so gut, weil sie mit viel Humor geschrieben sind." Deshalb habe er sich auch so darüber gefreut, dass die BBC Sherlock für die Gegenwart neu interpretiert habe.
Extra
Die Anbieter aus Hillesheim und Umgebung, die sich im Bereich Krimi engagieren, haben gemeinsam mit der Eifel-Tourismus-Gesellschaft die Dachmarke "Krimiland Eifel" gegründet. In dem zwölfseitigen Magazin Schnüffler, das zweimal im Jahr erscheinen soll, sowie auf der Internetseite www.krimiland-eifel.de werden Interessierte über das "kriminelle" Geschehen in der Region informiert. In der aktuellen Ausgabe des Schnüfflers werden beispielsweise zwei Lehrerinnen aus Köln vorgestellt, die regelmäßig ins Kriminalhaus kommen, um den Mörder zu ermitteln. itz