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Spielen ohne Kompromiss

(Trier) Vor zehn Jahren zog sie von Trier aus los, um das Hobby Schauspielerei zum Beruf zu machen. Inzwischen spielt Fabienne Hollwege Theater zwischen Berlin, Stuttgart und Luxemburg, dreht Fernsehfilme in Mexiko und ist demnächst im Kino zu sehen. Eine Frau mit Perspektive(n).

04.03.2011
Von unserem Redakteur Dieter Lintz
Es gibt Schauspieler, deren Magie sofort entschwindet, wenn sie sich nicht im Rampenlicht der Bühne bewegen. Fabienne Hollweges Präsenz dagegen ist selbst im schummrigen Ambiente eines Cafés spürbar, wo der weiße Schaum auf dem Milchkaffee den hellsten Fleck den Raumes bildet.
 
Wache, mit einem Schuss Geheimnis ausgestattete Augen, lebhafte Mimik: Ein Gesicht für Großaufnahmen, ideal für Leinwand und Bildschirm. Und doch war es die Bühne, die den Ausschlag bei der Berufswahl gab. Genauer gesagt: Die Theater-AG der Trierer Waldorfschule.
 
Biographie im Zeitraffer: 1981 geboren, Tochter einer Norddeutschen und eines Luxemburgers, die sich beim Studium in Trier kennengelernt hatten. Geigenspiel in der Trierer Musikschule, Theater mit der Regisseurin Annette Raffalt in der Tufa, nach dem Abi an der Waldorfschule eine kurze Schleife mit Italienisch-Studium an der Uni Trier. Schauspielschule in Hamburg, erstes Engagement in Wilhemshaven, festes Ensemblemitglied in Stuttgart.
 
Seit drei Jahren lebt sie als freiberufliche Schauspielerin in Berlin. Nicht wegen der Karriere, sondern weil ihr Freund seinen Lebensmittelpunkt vom beschaulichen Moselort Temmels in die Hauptstadt verlegt hatte und eine Fernbeziehung auf Dauer nicht ihre Sache war.
 
Berlin, das sieht Hollwege zwiespältig: Einerseits eine pulsierende Stadt mit vielen Möglichkeiten. Andererseits ein Moloch, in dem man sich verlieren kann. Wo gute Schauspieler für 50 Euro am Abend in einem kleinen Haus auftreten, um überhaupt irgendwo zu spielen.
 
Um da zu überleben, braucht man einen flexiblen Mix. Mal eine SAT1-Komödie wie "Lichtblau", mal ein ambitionierter Spielfilm wie "On the inside" von Uwe Janson ("Tatort", "Sperling"), der trotz Stars wie Ken Duken den Weg in die Kinos erst finden muss.
 
Hauptstandbein bleibt aber das Theater. Wobei es nicht der Ironie entbehrt, dass eine leichtgewichtige Fernsehrolle zur spürbaren Vermehrung des Publikums bei einem Klassiker führen kann - wie bei Kleists "Amphitryon" am Luxemburger Nationaltheater, wo Fabienne Hollwege derzeit die Rolle der Alkmene spielt.
 
Dass viele alte Bekannte bei der Aufführung ins Staunen geraten, liegt freilich nicht nur an der unkonventionellen Inszenierung. Es hat auch damit zu tun, dass Hollweges Alkmene unübersehbar schwanger ist. Da war kein genialer Maskenbildner am Werk, sondern die Natur. "Noch acht Wochen bis zum Termin", sagt die Schauspielerin und bekennt, dass sie lange überlegt habe, ob das machbar sei. Aber der Regisseur war geradezu begeistert von der bei Vertragsabschluss nicht absehbaren Entwicklung, endet doch das Stück tatsächlich mit der Schwangerschaft Alkmenes.
 
"Wenn schon, dann richtig", dachte sich Hollwege - und so wurde der Babybauch nicht kaschiert, sondern ins Zentrum gestellt. Gemäß ihrer Devise: "Ich bin jemand, der bereit ist, alles auszuprobieren." Ob sie ein Risiko-Mensch sei? "Auf der Bühne allemal." Da komme sie schon mal voller blauer Flecke von der Probe und könne "nicht erklären, wo die her sind".
 
Es hat ihr großen Spaß gemacht, endlich mal wieder einen Klassiker-Text "sprachlich durchzukauen". Das sei "mindestens einmal im Jahr" nötig. In nächster Zeit wird das wohl etwas schwierig werden, aber Fabienne Hollwege will keine lange Babypause einlegen. Eine Wiederaufnahme in Stuttgart, ein eigener Chanson-Abend in Luxemburg, ein Anne-Frank-Stück in Esch: Das Herbst-Programm steht schon.
 
Nur mit den geliebten Rucksack-Gitarre-Jonglierkeulen-Touren wird das in nächster Zeit wohl weniger werden. Vielleicht ist sie dafür öfter bei den Eltern und Schwiegereltern in der Region. Und schaut auch mal wieder im Exhaus, Simpl, Lucky's Luke oder dem Trierer Theater vorbei.
 
Vorstellungen Amphitryon: 8., 10., 15. März. Tickets, Infos, Anfahrtplan:  www.tnl.lu