ausallerwelt/kultur
18.05.2012

"Tattoo" in Trier: Temporeiches Theater mit vielen Überraschungen

(Trier) Ein Theaterstück mit Tiefgang, gleichzeitig aber auch mit Witz und vielen überraschenden Wendungen: Die Aufführung von "Tattoo", inszeniert und gespielt von Studenten der Trierer Uni, überzeugte die Zuschauer im ausverkauften Studio des Trierer Theaters.

Trier. Wer bei dem Theaterstück "Tattoo" von Igor Bauersima zu wissen glaubt, wie die Handlung verläuft und wie sich die einzelnen Charaktere verhalten werden, der kennt das Schauspiel bereits oder er irrt. Denn im Verlauf des von Michael Gubenko inszenierten Stücks gibt es immer wieder Überraschungen.
Da sind auf der einen Seite Schauspielerin Lea (Kim Henningsen) und Schriftsteller Fred (Christoph Übelacker), die zwar ihre Miete nicht zahlen können, aber dennoch sich und ihre Kunst nicht verkaufen möchten. Doch sie geraten immer wieder in die Versuchung, ihre hehren Vorsätze aufzugeben. Und da ist ihr Gegenpart, der Künstler Tiger, gespielt von Ansgar Depping, der mit seinen Werken viel Geld verdient. Cool, locker, oberflächlich, so scheint es zunächst. Seine Tätowierungen sind es, an denen sich die Frage entzündet, wie weit man Kunst vermarkten darf. Denn nach seinem Tod steht er in plastifizierter Form als Kunstwerk plötzlich vor dem jungen Paar, das sich entscheiden muss, was es mit dem zweifelhaften Erbe tun will.
Tiger hält bei dem ganzen Stück die Fäden in der Hand, er bestimmt, wo es lang geht. Er ist es, der immer wieder das Publikum anspricht und erklärt, wie die Dinge funktionieren, was cool ist und was nicht. Bisweilen wird es mit der Besserwisserei fast zuviel. Die vierte Person bei dem Stück ist die Galeristin Naomi, Tigers Geliebte und Leas Halbschwester, gespielt von Stefanie Blasi. Auch sie zeigt verschiedene Facetten der Figur.

Überzeugende Leistung


Die Handlung beginnt eher langsam, nimmt aber im Laufe der Vorstellung rasant an Fahrt auf. Besonders gegen Ende ist das Publikum verwirrt. Denn Schluss ist erst, wenn das Licht ausgeht. Und noch nicht, wenn die Handlung ein Ende vorgibt, oder Tiger das Publikum bittet, nun doch bitte heimzugehen.
Die jungen Schauspieler bieten fast durchweg eine überzeugende Leistung. Das Publikum belohnt sie mit begeistertem Applaus. noj