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Trierer Publikum bejubelt Uraufführung der Jazzoper „Blue Sheets“ im Walzwerk

(Trier) Mammutprojekt geglückt: Mit minutenlangem, tosendem Applaus haben die 600 Zuschauer im Trierer Walzwerk die Uraufführung der Jazzoper „Blue Sheets“ gefeiert. Das Stück um Liebe, Tod, Macht und Unterdrückung haben Nils Thoma und Stefan Bastians eigens zum 30-jährigen Bestehen der Tuchfabrik komponiert und geschrieben. Das Besondere: Die rund 160 Musiker und Darsteller sind überwiegend Laien, unterstützt von nur wenigen Profis.

08.11.2015
Mechthild Schneiders
Die Geschichte des Jazz und der industriellen Anfertigung von Kleidung ist eng miteinander verwoben. Wie eng, zeigt eindrucksvoll die Jazzoper „Blue Sheets“ (blaues Tuch). In dem für das 30-jährige Bestehen des Kulturzentrums Tufa komponierten Stück geht um Liebe und Tod, Erfolg und Niederlage, Macht und Unterdrückung.

Das dramatische und schlüssige Libretto stammt aus der Feder von Stefan Bastians, der auch Regie führt. Bei einem Fabrikunglück stirbt ein Arbeiter. Familie, Kollegen und die Chefin sind bestürzt. Doch im Verlauf der Handlung tun sich tiefe Abgründe auf, kommen Geheimnisse ans Licht, bilden sich verblüffende Allianzen, versuchen Manager und Betriebsrat, ihre Macht auszuspielen.  

Bei diesem Mammutprojekt spielen die rund 160 Musiker und Sänger brillant zusammen. Drei Combos, Rhythm & Swing Big Band, Musikverein Lyra Tawern, Nonett des Jazz-Clubs Trier, zwei Chöre, Jazz- und Pop-Chor Trier und Klangvolk Konz-Könen stehen unter der musikalischen Leitung von Jürgen Theune, der seine Leute präzise und souverän führt. Dazu Solisten, das integrative com.guck-Theater, Rapper und Tänzer. 

Den Akteuren, überwiegend Laien, ist die Freude am Spiel anmerken. Die wenigen Profis spielen sich zu keiner Zeit in den Vordergrund. Dieses harmonische Miteinander und die hervorragende Leistungen gefallen dem Publikum der Uraufführung, das üppigen Zwischenapplaus und abschließend minutenlang Beifall spendet. 

Bastians und sein Team haben das Trierer Walzwerk in eine Textilfabrik verwandelt. Die großen Maschinen produzieren nun Tuch, auf einer Plattform schweben die Aktionäre (Klangvolk) über dem Geschehen, die Chefin  thront auf Arbeiterspinden  und Perkussionist Frederik Noll bezieht sogar die Stahlträger in sein Spiel ein.

Ganz nebenbei räumt das Stück auch mit den Vorurteilen auf, Jazz sei verkopft, elitär und todernst. Denn Komponist Nils Thoma hat den Begriff „Jazz“ erweitert und lässt Rock, Pop, Blues, Funk, Rap, Hip Hop und ein wenig Klassik miteinfließen. Das klingt nicht anbiedernd, sondern melodisch, flott, manchmal gar gefällig. Musik, die sich zuweilen ins Ohr schmeichelt, dazu hervorragende Stimmen, überzeugendes Spiel, geschmeidige Tänze und Bilder, die noch lange im Gedächtnis bleiben. 

Weitere Termine: 8., 10., 27., 28. November, 19.30 Uhr, Walzwerk Trier. Karten: TV-Service-Center Trier, Hotline 0651/7199-996, www.ticket.volksfreund.de

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