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Trierer Theater zeigt Uraufführung „Marx I“: Warum der Kommunismus noch längst nicht am Ende ist

(Trier) Mit „Marx I“ eröffnet das Theater Trier die Gedenkfeiern zum 200. Geburtstag des berühmtesten Sohnes der Stadt. Das Werk des Philosophen und Kapitalismuskritikers hat die rund 50 Schauspieler, Musiker und einfache Bürger dazu inspiriert, in der digitalisierten Welt nach Ansätzen für eine neue Utopie zu suchen.

02.03.2016
Annemarie Heucher
„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“ So begann Karl Marx, aus Trier stammender Philosoph, Gesellschaftstheoretiker und Revolutionär, 1848 sein berühmtes „Manifest der Kommunistischen Partei“. Seine Kapitalismuskritik hat die Welt verändert. Lenin, Stalin und Mao beriefen sich auf den Mann aus Trier, dessen Geburtstag sich 2018 zum 200. Mal jährt. Dabei erscheint Marx seit dem Zusammenbruch des rea -existierenden Sozialismus in Osteuropa so tot wie noch nie. 

Bedauerlich und unangebracht findet das Peer Ripberger, junger Gastregisseur am Trierer Theater. „Dass wir im 21. Jahrhundert keine Utopien mehr haben, kann doch nicht sein.“ Sozialabbau und der Verlust an Bürgerrechten im Internet-Zeitalter forderten eine Gegenbewegung geradezu heraus. Und die könne Karl Marx befeuern. 

„Marx I“ passt in keine gängige Kategorie. Es ist Schauspiel mit Chor, Orchester, Solisten sowie Laien, die sich für das „Bürgerprojekt“ gemeldet haben. Rund 50 Darsteller bringen die Marx’sche Kapitalismuskritik in die Gegenwart. Sie inszenieren zum Beispiel, wie das Geld die soziale Welt prägt und welchen Wert der Tausch von Arbeiten ohne Geld haben könnte. Was wäre, wenn man selbst erzeugte Lebensmittel gegen eine soziale Arbeit eintauscht? Ohne Geld. Welcher Mehrwert! Dazu spielt das Städtische Orchester. Musikalisch inspiriert haben den Komponisten Peter Androsch Lieder der Arbeiterbewegung, vom Arbeitslosenmarsch bis zur Internationale sowie eine Vertonung der Marx’schen Lebensdaten (5. 5.1818 – 14.3.1883).

Am Ende, so versichert Ripberger, finde der Zuschauer die heutige Welt nicht mehr so alternativlos wie vorher. Es entstehen Ansätze einer sozialen Utopie – mit konkreten Forderungen. Fortsetzung folgt. Laut Marc-Bernhard Gleißner, Leiter der Sparte Bürgertheater, ist „Marx I“ der Auftakt im Veranstaltungsreigen zum Marx-Jubiläum.

Muss man „Das Kapital“ gelesen haben, um diesen Theaterabend zu verstehen? „Auf keinen Fall“, versichert Ripberger. Man braucht sich überhaupt nicht vorbereiten – und jeder Zuschauer werde etwas für sich mitnehmen können. Dazu sei das Stück „amüsant, wenn auch ohne Schenkelklopfer“. „Ein politisches Kabarett ohne Kabarett.“

Für die Uraufführung am Samstag, 5. März, 19.30 Uhr, erhalten Abonnenten des Trierer Theaters sowie ehrenamtliche Helfer im Landtagswahlkampf 50 Prozent Rabatt auf die Eintrittskarte.

Karten gibt es unter Telefon 0651/7181818 oder auf: theaterkasse@teatrier.de. 
Weitere Vorstellungen: 10. März, 1. und 2. April, jeweils 19.30 Uhr.
Zur Person
Peer Ripberger (28) stammt aus Flensburg, studierte in Hildesheim „Inszenierung der Künste und der Medien“ mit Schwerpunkt Theater und absolvierte ein Gastsemester an der Regieschule in Zürich. Seit zwei Jahren arbeitet er als freiberuflicher Regisseur. Er promoviert über das Thema „politisches Erzählen“. „Marx I“ ist sein bisher größter Regieauftrag. aheu 

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