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Übers weite Meer bis nach Walhalla - Santiano segelt mit Seemannsliedern auf der Erfolgswelle: 3900 Besucher in der Arena Trier

(Trier) Musikalisches Seemannsgarn spinnt derzeit keiner so erfolgreich wie die Gruppe Santiano. 3900 Besucher sind in der Arena Trier mit der Band aus dem hohen Norden auf Kaperfahrt gegangen.

26.02.2016
Daniel John
Charlotte ist gerade einmal neun Jahre alt, aber schon ein richtig großer Fan von Santiano – und das zeigt sie auch mit ihrem schwarzen T-Shirt, auf dem das Foto ihrer Lieblingsband prangt. Am Donnerstag war die kleine, blonde Triererin einer von fast 4000 Gästen beim Konzert in der Arena – „schon zum zweiten Mal!“, wie sie mit strahlenden Augen erzählt. Als Begleitung hat sie ihre Oma mitgebracht – und da sind wir auch schon beim Erfolgsrezept der Nordlichter: Nur wenige Musiker sind so mehrheitsfähig und schaffen es, eine solche Bandbreite von Konzertbesuchern in einem Saal zu vereinen – Kinder und Eltern, Teenager und Rentner, Frauen und Männer, Schlagerfans und Rocker.

Dabei stand am Anfang eigentlich nur eine Schnapsidee, im wörtlichen Sinne: „Mit einem leichten – aber wirklich nur einem ganz leichten – Brausebrand im Kopf“ hätten die Musiker eines Abends zu später Stunde „merkwürdigerweise Seemannslieder gesungen“, hat Frontmann Björn Both vor dreieinhalb Jahren im Volksfreund-Interview erzählt. Von ihrem Erfolg war die Band schon damals selbst überrascht, aber zum Konzert kamen kurz darauf nur 600 Besucher in die Europahalle. Heute sind es mehr als sechsmal so viele, und für die gemeinsame Reise über die Weltmeere müsste man schon eines der zehn weltgrößten Kreuzfahrtschiffe chartern.

Was die Bühnendekoration betrifft, bleibt die Gruppe – benannt übrigens nach einem Lied, das den mexikanischen General Antonio López de Santa Anna (1794-1876) besingt – aber beim guten alten Piratenschiff. Mit Laserlicht, Stroboskopblitzen, Konfettiregen und lodernden Flammen wird dabei auch viel fürs Auge geboten.

Musikalisch stehen sowohl traditionelle Fahrtenlieder wie das Lagerfeuerromantik versprühende „Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren“ als auch irischer Folk wie „Whiskey in The Jar“ und eigene Lieder wie „Frei wie der Wind“ auf dem Programm, Düsteres wie „Walhalla“ (ein Cover von „All You Zombies“) und Fröhliches wie der „Irish Rover“, bei dem es dann niemanden mehr auf den Sitzplätzen hält und bei dem eifrig mitgetanzt wird.

„Von Liebe, Tod und Freiheit“ heißt das Motto der aktuellen Tournee – und gerade das Thema Freiheit kehrt bei den musikalischen Freibeutern immer wieder, nicht nur in ihren Songs: „Wir lassen uns unsere Freiheit nicht von Islamisten kaputtbomben“, sagt Björn Both und wendet sich sogleich auch gegen diejenigien, „die seit einiger Zeit durch die Straßen ziehen“ – mit Parolen gegen Muslime und Flüchtlinge. „Wir sollten unsere Freiheit mit denen teilen, die sie verloren haben“, appelliert er.

Bei der Zugabe singen dann auch die Moselaner „Hoch im Norden, wo wir zu Hause sind“, lassen ihre Handylichter leuchten und träumen ein wenig von der Freiheit auf den weiten Weltmeeren – gleich hinter der Schleuse Wintrich.

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