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Und schließlich - Musik genießen

(Trier) Franz-Josef Kleinbauer ist Geschäftsführer der Kammermusikalischen Vereinigung Trier. Ein Porträt.

05.10.2017
Martin Möller
Trier Im Vereinsleben, gleich welcher Couleur haben es Geschäftsführer schwer. Der Vorsitzende firmiert in der Regel als Aushängeschild und ist im Zweifelsfall Adressat offizieller Einladungen. Währenddessen werkelt der Geschäftsführer an einer Ummenge organisatorischer Details und lebt in der permanenten Gefahr, dass die ihm über den Kopf wachsen.
Bei der Kammermusikalischen Vereinigung Trier ist Franz Josef Kleinbauer der Mann im Hintergrund. "Herr Kleinbauer besorgt als Geschäftsführer die Organisation" erklärte der damalige, mittlerweile verstorbene Vorsitzende Hartmut Köhler im TV-Interview, als sich die Vereinigung 2007 personell neu formierte. Zwei Jahre später übernahm Kleinbauer ganz offiziell die Aufgabe des Geschäftsführers. Dabei ist es auch unter dem neuen Vorsitzenden Michael Embach geblieben.
Kleinbauer indessen war organisatorisch zu beschlagen und zudem zu musikbegeistert, um sich mit der Rolle des Wasserträgers zu begnügen. "Ich bin verantwortlich für Konzeption und Durchführung der Veranstaltungen", sagt er ganz sachlich. Mit Repräsentanten ist der Verein ohnehin reichlich versehen: Der Oberbürgermeister als "geborener" Präsident, der Leiter der Aufsichts- und Dienstleitungsdirektion als Schirmherr - das ist ein ansehnliches Duo. Der Vorsitzende, Bibliotheksdirektor Michael Embach, befasst sich zudem nicht nur mit internen Angelegenheiten, sondern vertritt den Verein auch nach außen. Franz-Josef Kleinbauer indessen tut, was er schon immer gerne getan hätte - sich mit Musik befassen, Konzepte für die Veranstaltungen entwerfen. Er ist der Hauptakteur, wenn es um Interpreten und Werke in den fünf Kammerkonzerten geht. In einem kleinen Programmbeitrag hat Kleinbauer seine Arbeit umrissen. Ein Auszug: "Gemeinsam mit dem Mitstreitern Programme festlegen, telefonieren, schreiben, Verträge aushandeln und abschließen, Jahresprogramm, Plakate und Abendprogramme schreiben und zum Druck geben, Presse informieren, Bühnenanweisungen an die ADD erteilen, Imbiss für die Musiker besorgen, Stühle nummerieren, für Notenständer und Pultbeleuchtung sorgen, Musiker begrüßen und umsorgen, auf alle möglichen Sonderwünsche eingehen, früh zum Konzert kommen, Leute begrüßen, Fragen beantworten, Präsentwein nicht vergessen, auf einen reibungslosen Ablauf achten. Und schließlich - Musik genießen!"
Nun ist Genuss bei großer Musik eine zweifelhafte Größenordnung.
Gerade in der großen Kammermusik geht es um mehr als um musikalische Kulinarik. Die Programme der aktuellen Saison, die auch Kleinbauers Handschrift tragen, sind klassisch-romantisch orientiert und entsprechen damit den häufig geäußerten Publikumswünschen. Genussmusik sind sie ganz sicher nicht. "Roter Faden" (Kleinbauer) im Gesamtprogramm sind die Trios von Johannes Brahms - die Klaviertrios op. 8, op. 87 und op. 101, außerdem das Trio mit Klarinette op. 114 und mit Horn op. 40.
Damit ist das Feld der Spätromantik reichlich bedacht, zumal von Brahms noch das Streichquartett op. 67 und von Schubert das Es-Dur Klaviertrio op. 100 dazu kommen. Es sind große, anspruchsvolle Kompositionen - genau das was die Gattung Kammermusik verspricht.
Immerhin drei modernere Akzente gibt es im Jahresprogramm: Das Daedalus Quartet spielt Charles Ives, das Trio Cédric Pescia (Klavier), Nurit Stark (Violine) und Sibylle Mahni (Horn) bringt ein Werk von György Ligeti (1923-2006) mit, und schließlich wird das angesehene Minguet-Quartett im Eröffnungskonzert ein Streichquartett von Joachim Reidenbach aufführen - über Georg Schmitts Mosellied.
1. Konzert am 18. Oktober mit dem Minguet Quartett. Werke von Mendelssohn, Reidenbach und Dvorak. 2. Konzert am 8. November mit Werken von Haydn, Ib Hausmann, Josef Suk, Brahms und Schubert. Ib Hausmann, Klarinette und das AmatisPiano Trio 3. Konzert am 17. Januar mit den Klaviertrios von Johannes Brahms. Atos Trio 4. Konzert am 28. Februar mit Werken vom Mendelssohn, Ives und Brahms. Daedalus Quartet 5. Konzert am 21. März mit Werken von Schubert, Ligeti und Brahms Trio Stark-Mahni-Pescia