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Von Muätti, Vatti und den Schönheiten der Schweiz

Eifel-Literatur-Festival: 600 Besucher haben viel Spaß bei Max Moor in Wittlich - Weitere Lesungen ab September

(Wittlich) Mehr amüsantes Schauspiel als Lesung erlebten rund 600 Menschen im Wittlicher Cusanus-Gymnasium. Max Moor trug im Rahmen des Eifel-Literatur-Festivals ein Kapitel aus seinem Buch "Als Max noch Dietr war" vor und sorgte für Gelächter mit seinen Schilderungen aus dem riesigen Land, das eigentlich ganz klein ist.

10.07.2016
Nora John
Wittlich. "Gehen Sie da nicht rein, das wird furchtbar. Sind sowieso nicht viele Leute da." Der Mann, der da so eindringlich vor der Lesung mit Max Moor im Wittlicher Cusanus-Gymnasium warnt, ist der Schauspieler, Moderator und Autor selbst. Er sitzt auf dem Schulhof, raucht eine Zigarette und genießt offenbar das Gespräch mit denen, die auf dem Weg ins Atrium sind.

Eifel-Literatur-Festival 2016


Dort sind aber doch einige Menschen. Etwa 600 sind gekommen, um sich eine Lesung aus dem Buch "Als Max noch Dietr war" anzuhören. Dabei nimmt Moor sie mit auf eine Zeitreise zurück in die Schweiz der 1960er Jahre, als in seiner damals kindlichen Vorstellung das Land noch riesig und voller Schönheiten war. Heute lebt Moor in Brandenburg und sagt über sich selbst "Die Schweiz wird mir immer fremder." Die Schweiz des Jungen, der er einmal war, kann er aber den Zuschauern wunderbar und mit viel Humor vermitteln. Dabei ist es eigentlich keine Lesung, sondern eher ein Ein-Mann-Schauspiel. Moor gestikuliert und spielt, so dass das Gelesene lebendig wird vor den Augen der Zuschauer. Dabei liest er auch in der Sprache seiner Kindheit, dem Schweizer Deutsch. Obwohl: "Das ist keine Sprache, das ist eine Halskrankheit", sagt der Autor.
Die Zuhörer erleben mit, wie Moor, der sich vor zwei Jahren von Dieter in Max umbenannt hat, damals noch als "Dietr" mit seinen Eltern unterwegs ist, um die vielen Schönheiten der Schweiz kennenzulernen. Und damit müsse man früh anfangen, denn um alle Schönheiten kennenzulernen, reiche ein Leben kaum aus. Wahlweise im perlweißen "Fauweh" des Vattis oder beim Wandern. Dabei erzählt Moor auf sehr amüsante Weise, wie sein Vater mit dem Fauweh versucht, in Jochen-Rindt-Manier die Serpentinen des Gotthards in Ideallinie zu fahren, bis zur Begegnung mit einem Postauto, das die gleiche Linie fährt. Moor beschreibt den Disput der Eltern beim Lesen der Generalstabskarte der Schweiz ebenso wie die Leiden der Kinder beim Wandern, wenn die Beine wehtun oder die Geräusche unter der Kapuze der Regenpelerine unerträglich sind. Die Durchhalteparolen des Vattis, dass es nicht mehr weit ist und das Wetter sich bessert, mag sicher bei vielen aus dem Publikum eigene Kindheitserinnerungen wecken.
Bei der Lesung lernen die Zuhörer auch einige charmante Schweizer Wörter kennen, die in dem Buch sogar in einem richtigen Wörterbuch aufgeführt sind. Zum Beispiel, dass eine Saaltochter eine weibliche Servicekraft ist. In der Erzählung von Moor kann eine solche Saaltochter auch zu den "maximalen Schönheiten" des kleinen Landes gehören.
Dass die Schweiz aber wirklich so klein ist, erkennt der kleine Dietr erst, als er die Umrisse auf dem Globus des Grosvattis sucht. Und erst nach langer Suche finden kann.
Das Publikum hat den sehr amüsanten Abend genossen. Es war also doch nicht so furchtbar wie angedroht.
Extra
Zur Halbzeit des Eifel-Literatur-Festivals haben mehr als 7000 Besucher die Lesungen von Krimiqueen Nele Neuhaus bis Max Moor in der Eifel miterlebt. Das Fazit von Festivalleiter Josef Zierden fällt positiv aus. "Ob Krimi, ob Spirituelles, ob literarische Zeitreisen in die deutsche Geschichte, ob heitere Exkursionen in das Reich der Pubertiere oder zwerchfellerschütternde Beobachtungen zum Alltag oder zur Welt des Glücks: die Autoren begeisterten die Besucher", freut Zierden sich zu Beginn der Sommerpause, die bis zum 7. September dauert. Das Eifel-Literatur-Festival 2016 hat sich laut seinem Leiter "schon zur Sommerpause bewährt als Schauplatz hochkarätiger Autoren, Spitzenreiter der Bestsellerlisten und der Bestenlisten sowie als Publikumsmagnet". Im Herbst sind beim Festival folgende Autorenlesungen geplant: Kinderbuch-Autor Paul Maar, Mittwoch, 7. September, 15 Uhr, Aula St.-Matthias-Gymnasium Gerolstein (ausverkauft, Warteliste), Uwe Timm, Freitag, 9. September, Cusanus-Gymnasium, Wittlich (Schullesung 10.30 Uhr, öffentliche Lesung 20 Uhr), Judith Hermann mit ihrem ersten Roman "Aller Liebe Anfang", Freitag, 23. September, Haus Beda, Bitburg, Pater Anselm Grün, "Versäume nicht dein Leben", Donnerstag, 6. Oktober, Stadthalle Bitburg (ausverkauft, Warteliste), Alpenkrimi-Autor Jörg Maurer, Freitag, 14. Oktober, Forum, Daun, Bettina Tietjen, "Mein Vater, die Demenz und ich", Freitag, 21. Oktober, Karolingerhalle, Prüm, Thrillerautor Sebastian Fitzek, Samstag, 29. Oktober, Stadthalle Bitburg (ausverkauft). Die Veranstaltungen beginnen, wenn nicht anders angegeben, um 20 Uhr. red Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets