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Was Tante Mary so alles zu erzählen hat

Im Sog der Musik: Das Duo Carolin No verzaubert sein Publikum in der Trierer Tuchfabrik

(Trier) Mit außergewöhnlich facettenreicher und berührender Pop-Musik haben das Duo Carolin No und sein Begleiter Cellist Tilmann Wehle ihre Zuhörer in der Tufa Trier verzaubert. Die aus Würzburg stammenden und in Berlin lebenden Musiker stellten ihr neues Album "Backstage" vor und stießen auf ein enthusiastisches Echo.

28.11.2014
Anke Emmerling
Trier. Ein Bann legt sich schon ab dem ersten Moment des Konzerts von Carolin No über ihre Zuhörer in der Tufa. Denn sobald die glockenklare Stimme von Carolin Obieglo in zärtlicher Piano- und Cellobegleitung erklingt, strömt ätherische Poesie durch den Saal.
Zuhören und Versinken wird zum Genuss, denn hier verbinden sich Ästhetik, musikalisches Können und Authentizität zu einem großartigen Ganzen. Carolin No spielt wunderschöne, meist melancholisch überhauchte Pop-Balladen. Sie zeichnen sich durch feine Melodieführung, sensibel gestaltete Arrangements und Texte jenseits üblicher Standard-Lyrik-Hülsen aus.

Gefühl von Freiheit und Weite


Keines der englisch, deutsch oder französisch gesungenen Lieder gleicht dem anderen. Blues-, Rap-, Volksmusik-, Elektronik- oder Klassik-Akzente geben immer neue Farbe. Ihren innigen, anrührenden Gehalt beziehen sie aus der spürbaren Harmonie der Musiker untereinander und aus autobiografischen Erfahrungen.
Carolin No ist im Kern das Ehepaar Carolin und Andreas Obieglo. Sie haben sich auf der Musikhochschule Würzburg kennengelernt und für gemeinsames Leben und Arbeiten entschieden. 2010 gewannen sie den Nachwuchsförderpreis für junge Songpoeten der Hanns-Seidel-Stiftung. Sie traten mit Konstantin Wecker, Reinhard Mey oder im Vorprogramm von Joan Armatrading auf und haben als Duo bereits sechs CDs veröffentlicht.
Ihre neueste heißt "Backstage" und ist "der Soundtrack unseres vergangenen Jahres". Weil sie das zum Teil in den USA verbracht haben, fließen in die aktuellen Songs ein Lebensgefühl von Weite und Freiheit, Texte ihrer ausgewanderten Tante Mary oder stilistische Feinheiten wie Bottle neck-Spiel auf einer Slide-Gitarre ein.
Das bringt Andi Obliego zu Meisterschaft, wenn er nicht gerade tolle Piano-Improvisationen abliefert, den Sound mit elek tronischen Effekten und die Show mit visuellen Raffinessen bereichert.

Das Beste seit langem


Zwar sind mit dem Duo und seinem famosen Begleiter Tilmann Wehle drei Multiinstrumentalisten auf der Bühne, manchmal braucht das Arrangement aber noch Schlagzeug, Bass oder eine Rapstimme. Dann werden Ton-und Videoaufzeichnungen entsprechender Musiker einfach zugeschaltet.
Videos unterstützen auch die Atmosphäre der Songs, die das Publikum so umhauen, dass der Applaus und die Zugaben-Rufe schier nicht enden wollen. Die Bilanz eines Zuhörers spricht schließlich vielen aus der Seele: "Das Beste, was ich seit langem gehört habe."

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