ausallerwelt/kultur
aus unserem Archiv vom 11. Mai 2012
Autor: Anke Emmerling Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken  E-Mail

Der Tod des Originals

Als spannendes, interaktives und zum Nachdenken anregendes Ereignis ist eine Performance des Künstlers Klaus Maßem in der Tufa Trier gelungen. Mit Laser-Pointer hat er auf einer Projektionsleinwand "gezeichnet". Die Ergebnisse waren aber nur durch Mitwirkung von Fotografen sichtbar.

Podcast
Fotostrecke
Trier. Edvard Munchs "Der Schrei" wird für 120 Millionen Dollar versteigert, Ströme von Menschen pilgern in den Pariser Louvre, um ehrfurchtsvoll die "Mona Lisa" zu betrachten. Kunst kann Fetisch sein, vorausgesetzt, sie ist als Original entstanden, vorhanden und (be-)greifbar. Doch wann ist das der Fall? Genau diese Frage wirft die vom Initiator des Kunstprojekts "Die Kathedrale", Rainer Breuer, und dem Schillinger Zeichner Klaus Maßem entwickelte Performance "I have, you don\'t" (Ich habe, du/ihr nicht) zur Tufa-Ausstellung "Reliquie, Fetisch in Kirche, Kunst und Konsum" auf.
Der Ablauf ist einfach: Maßem bewegt im völlig abgedunkelten Saal zwei Laserpointer über eine Filmprojektions-Leinwand. Davor stehen etliche mit Stativen, digitalen und analogen Kameras ausgerüstete Fotografen. Denn nur mittels langzeitbelichteter Aufnahme kann die Lichtspur der Pointer als "Zeichnung" festgehalten werden. Das bloße Auge von Künstler und Betrachter sieht lediglich zwei umherhuschende Punkte.
Große Spannung liegt in der Luft. Sie ist nicht nur der technischen Herausforderung und der Unvorhersehbarkeit des Ergebnisses geschuldet, sondern auch der Kernfrage, die Dr. Stephan Brakensiek, Kustos der grafischen Sammlung der Universität Trier, formuliert: "Was ist hier das Original? Die Handlung des Zeichners oder das, was die Fotografen aufnehmen?" Zeichnung sei die Mutter aller Künste, ein geistiger Entwurf, der mittels Formulierung nach außen gebracht werde, erinnert der Kunsthistoriker. Doch in diesem Fall ist sich der Künstler über seinen geistigen Entwurf, sein Konzept nicht ganz sicher: "Ich kann etwas versuchen, doch anders als wenn ich mit Farbe und Papier arbeite, kann ich es ja nicht sehen, kontrollieren und korrigieren."
Das unbedingt zu jeder Formulierung benötigte Medium, erklärt Brakensiek, sei hier die Fotografie, normalerweise Mittel zur Reproduktion. Doch wie sich im Austausch der Fotografen untereinander schnell zeigt, hat jeder andere Bild-Versionen auf dem Display, je nach dem, wann und wie lange er belichtet hat. "Sie werden in diesem Fall selbst zu Autoren", sagt Brakensiek. Ergo sei weder Handlung des Künstlers noch die Fotografie als das Original zu begreifen. Für die Teilnehmer des fesselnden Experiments bleibt noch eine weitere Erfahrung, die der echten Interaktion.
Die Fotos sind in Kürze unter www.treves.de zu sehen, Maßem und die Fotografen geben ihre Rechte an den Bildern dabei ab. Abzüge der Fotos werden anlässlich der Vernissage zur Ausstellung "Graffiti is my Religion" am 18. Mai um 19 Uhr gezeigt. Klaus Maßem wiederholt seine Performance am 23. Mai um 19.30 Uhr.




Das könnte Sie auch interessieren:



Kommentare via facebook





Anmeldung
Benutzer: Passwort:
Login merken

Sie haben noch keinen Login? Hier kostenlos registrieren.
Haben Sie Ihr Passwort vergessen?