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aus unserem Archiv vom 17. Oktober 2011
Autor: Deutschlandfunk-Autor Volker MrasekOrt: TrierKommentare: Kommentare zeigenDrucken  E-Mail

Der (gesunde) Geist in der Flasche (Rotwein)

Resveratrol ist ein pflanzlicher Abwehrstoff, der auch in Wein vorkommt und wegen vielfältiger gesundheitlicher Verheißungen zur Zeit intensiv beforscht wird.

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Trier. Die kräftige Farbe im Glas. Das füllige Feeling im Mund. Der nachhaltige Abgang im Gaumen. Das ist es, was unsereins an einem guten Rotwein schätzt. Gerne fachsimpeln wir auch über den Gehalt an geschmacksprägenden Phenolen. Zu dieser Gruppe pflanzlicher Gerbstoffe, die in roten Tropfen reichlich vorhanden sind, gehört auch eine Substanz, der neuerdings geradezu wundersame Wirkungen zugeschrieben werden und die inzwischen sogar in Kapselform vermarktet wird, im Internet zumindest: ihr Name: Resveratrol. Ihre Besonderheit: Sie scheint ein gesundheitsfördernder Tausendsassa zu sein.

UN-jahr der chemie das molekül der woche


"Resveratrol ist was Besonderes, schon fast Einmaliges", urteilt etwa Huige Li, Professor für Pharmakologie an der Universität Mainz. Der Gerbstoff zählt zu den Phytoallexinen. Das sind Abwehrstoffe, die Pflanzen produzieren, wenn sie von Mikroorganismen befallen werden - Naturantibiotika gewissermaßen. Das meiste Resveratrol hat man bisher in einem Knöterich gefunden. Gewisse Mengen stecken aber auch in den Schalen roter Weintrauben. Anfangs galt Resveratrol lediglich als "Antioxidans" - als eine Art Zellpolizei, die aggressive Sauerstoffverbindungen unschädlich macht.
"Jetzt aber weiß man, dass das Molekül viel, viel mehr tut", sagt der gebürtige Chinese Li. Über Resveratrol wird derzeit intensiv geforscht. In Tierversuchen zeigte sich, dass es den Blutdruck senkt und das Verklumpen von Blutplättchen verhindert, was Herzinfarkten vorbeugt. In der Petrischale vermochte das Biomolekül Krebszellen abzutöten. Mehr noch: Laut Li "hat Resvera trol auch eine Wirkung gegenüber Diabetes". Ja, es scheint sogar das Leben zu verlängern. Bei Experimenten mit Fadenwürmern, Fruchtfliegen und Hefepilzen war das jedenfalls so.
Diese Ergebnisse könne man aber nicht so ohne weiteres auf den Menschen übertragen, warnt der Pharmakologe. Zumal in den Versuchen "ziemlich hohe Dosen" des Naturwirkstoffs verwendet worden seien. Es gebe zwar inzwischen eine ganze Reihe klinischer Studien, bei denen Probanden größere Mengen Resveratrol erhalten. Abgeschlossen sei aber noch keine von ihnen. Erst recht wisse man noch nichts über die Langzeitwirkungen einer solchen Supplementierung. Lis Empfehlung daher: "Am besten, wir bleiben geduldig und warten, was aus den Studien herauskommt."
Bleibt die Frage, ob das wenige Resveratrol im Rotwein überhaupt einen Effekt hat. Experte Li kann sich das gut vorstellen. Von dem Molekül wisse man inzwischen, dass schon geringe Mengen zu einer verstärkten Abgabe von Stickstoffmonoxid ins Blut führen und so gefäßerweiternd wirken. Rotwein, moderat genossen, sollte demnach gesund fürs Herz sein. "Zwei Gläser könnten da schon eine ausreichende Wirkung haben", glaubt Li. Von einem stärkeren Konsum rät er auf jeden Fall ab: "Zu viel Wein schadet der Leber!"

Dieser Beitrag läuft am 19. Oktober im Deutschlandfunk um 16.35 Uhr in der Sendung "Forschung aktuell". In der Region empfangen Sie den Deutschlandfunk auf UKW 95,4 und 104,6.




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