Das haben sich knapp 300 Zuschauer jeden Alters nicht entgehen lassen: Paul Kuhn, einer der größten deutschen Nachkriegsmusiker, hat mit seinem Trio ein Konzert im Hotel Lindenhof in Wittlich gegeben.
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Jazz vom Feinsten servierte Paul Kuhn, hier mit Bassist Gary Todd, in Wittlich. TV-Foto: Anke Emmerling
Wittlich. Immer neue Stühle müssen herangeschleppt werden, der Publikumsandrang zum Konzert von Paul Kuhn reißt nicht ab. Gespräche der Eintreffenden verdeutlichen warum: Jeder verbindet irgendwelche Erinnerungen mit dem legendären Namen: Für viele sind es die an große Unterhaltungsshows mit Vivi Bach, Dietmar Schönherr, Paul Hubschmid oder Rudi Carrell in den 1970er Jahren, in denen Paul Kuhn musikalischer Stammgast war. Einige haben noch seine Schlagererfolge wie "Der Mann am Klavier" oder "Es gibt kein Bier auf Hawaii" aus den 1950ern und 60ern im Ohr. Wieder andere denken gerne daran, wie sie einst zur gehobenen Unterhaltungsmusik des von Kuhn geleiteten SFB-Orchesters das Tanzbein schwangen.
Und als der 84-Jährige dann mit schelmischem Lächeln am Klavier Platz nimmt, erklingt auch gleich Tanzbares. Erst ist es sanfter, dann etwas flotterer Swing in Gestalt des Gershwin-Stücks "Our Love is Here to Stay". "Wir spielen aber nicht nur Foxtrott", scherzt Kuhn bestens aufgelegt und schließt einen prickelnden Bossa Nova an. Darin stellen sich seine kreativen und einfühlsamen Begleiter Gary Todd (Bass) und Gregor Beck (Schlagzeug) als famose Solo-Virtuosen vor. Mit ihnen bietet Kuhn auch weiterhin ein Programm, das durchweg angelegt ist, zu gefallen und Freude zu machen.
In allen Titeln besticht die Grundnote einer leichten, heiteren Gelassenheit. Kuhn, der seit etwa sechs Jahrzehnten Profimusiker ist, hat einfach verinnerlicht, was gut ist, gut klingt und gut ankommt. Und auch wenn seine Augen nicht mehr so recht mitmachen, seine Stimme brüchig geworden ist, sein Esprit ist vital. Das zeigt sich auch in der Rolle des Charmeurs, als er die aus der Eifel stammende Gastsängerin Gaby Goldberg auf die Bühne bittet. Die ehemalige Background-Sängerin, die von ihm auf dem Weg zur Solokarriere unterstützt wird, liefert handwerklich saubere Arbeit und kommt damit gut an.
Höhepunkt ist jedoch der Schluss des Konzerts, als Kuhn verkündet: "Und nun spielen wir endlich Jazz." Da leben mit fetzigem Bebop von Charlie Parker die Zeiten auf, in denen Kuhn als Schüler der Nazizeit heimlich verbotene amerikanische Jazzmusik hörte. Geprägt davon hat er die Weichen für sein eigenes Lebenswerk gestellt, das in den Erinnerungen vieler Menschen lebendig ist.
Und so wundert es nicht, dass ihm das Publikum nach Zugaben-Bonbons wie "Route 66" oder der Filmmusik aus "Casablanca" mit stehenden Ovationen Respekt erweist. ae
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