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Gefangen in der Erinnerung

(Trier) Außerhalb von Trier ist das Künstlerpaar Martina Roth/Johannes Conen mit seinen innovativen Theater-Produktionen bislang weitaus bekannter als in seiner Heimatstadt. Die Tufa bietet kommende Woche eine gute Gelegenheit, diesen Zustand zu ändern.
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Trier. Es ist gar nicht so einfach, zu erklären, was es mit dem "Bewegtbild-Theater" von Martina Roth und Johannes Conen auf sich hat. Fangen wir mal so herum an: Da ist eine experimentierfreudige, mit starker Bühnenpräsenz und präzisem Timing ausgestattete Schauspielerin und Autorin. Und da ist ein versierter, fantasievoller Bühnenbildner und Videokünstler. In ihrer Produktionswerkstatt im Ehranger Hafen basteln sie über Monate, manchmal Jahre an einem ihrer Theaterstücke, die das Beste aus den Fähigkeiten beider Künstler miteinander verbinden.
Nun ist die Kombination von Schauspiel und Video per se nichts Innovatives, sondern fast schon Bühnenroutine. Aber Roth und Conen kombinieren nicht, sie schaffen aus der Verschmelzung beider Kunst-Welten eine neue Form. Roth spielt in und mit dem Video, wechselt mit atemberaubender Souveränität zwischen realen und virtuellen Welten, schafft zwei, drei, viele Handlungsebenen. Und Conen, lange Jahre als Professor für Gestaltung an der Hochschule Trier tätig, bettet die kunstvoll programmierte virtuelle Handlung auf mächtigen Bildschirmen in durchaus handfeste Bühnenbilder aus Holz und Pappmaché.
Ihre aktuelle Produktion "Staub" nach eigenen Texten von Roth und dem Stück "Der Regen" des australischen Autors Daniel Keene dreht sich um das Thema Erinnerung. Eine alte Frau an einer Eisenbahn-Verladerampe, suchend, in Kisten und Kartons kramend. Sie leidet unter der Konfrontation mit der Vergangenheit, aber sie sucht sie auch.
"Was sonst nur für sehr teure Produktionen großer Festspiele möglich ist, hier gelingt es im Kleinen", schwärmte das Luxemburger Wort nach der Premiere im Mai im Grand Théâtre auf dem Kirchberg. Und ein Gastspiel im Theater Fürth fand eine geradezu hymnische Kritik in der Süddeutschen Zeitung.
Dass das Duo vom Bewegtbild-Theater seine Produktionen eher außerhalb von Trier zeigt als daheim, ist eine kuriose, aber seit Jahren geübte Praxis. Die letzten drei Uraufführungen gab es in Luxemburg, wo Intendant Frank Feitler für seine hohen Qualitätsmaßstäbe bekannt ist. Mit dem Trierer Theater scheint die Zusammenarbeit nicht so recht zu funktionieren. Da musste man bislang in die Europäische Kunstakademie oder in eine Hafen-Fabrikhalle pilgern, um ein "Heimspiel" zu erleben.
Nun liefert die Tuchfabrik den Rahmen für die Trierer Erstaufführung von "Staub". Grund genug, in der eisigen Ehranger Werkstatt das handgemachte Bühnenbild wieder herzurichten. "Endlos kann man das nicht machen", hatte Johannes Conen angesichts der mühevollen Kleinarbeit schon im Frühjahr vor der Uraufführung angekündigt. Wer weiß, wie viele Aufführungen von "Staub" es noch gibt.
Donnerstag, 10. Januar, 20 Uhr, Tuchfabrik Trier. Karten in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg, Wittlich und an der Abendkasse. Ein Video-Trailer mit Impressionen aus der Produktion ist online auf:

volksfreund.de/video


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