ausallerwelt/kultur

Krise - wo ist denn hier die Krise?

(Trier) Keine guten Zeiten für die Kultur: Bundesweit sinken die Zuschüsse, das Bildungsbürgertum als Stammkundschaft bröckelt und altert, die Unterhaltungs-Konkurrenz wächst. Gemessen an diesen Rahmendaten geht es der Kultur in der Region vergleichsweise gut.
Podcast
Das Theater ist unverändert der Krösus unter den Kulturanbietern der Region. Alle Festivals, freien Träger, Spielstätten und Kulturamtsleiter verfügen zusammen über weit weniger öffentliche Mittel als das Haus in Trier samt seinem Orchester.

Und doch ist das Trierer Theater ein armer Reicher. Denn mehr als 90 Prozent des Geldes fließen in feste Strukturen. Da ist es bitter, wenn die Stadt mitten im Jahr die Zuschüsse kürzt, wie es 2012 der Fall war. Intendant Gerhard Weber tat, was alle in solchen Fällen tun: Zusammensparen, was beweglich ist. Kunst ist beweglich, Strukturen sind es nicht. Also wird an der Kunst gespart. Aber weil die Stadt weiß, dass das bei weitem nicht reicht, durchforstet nun ein Gutachter die Strukturen. Einer, der bekannt dafür ist, dass er auch heiligen Kühen an den Kragen geht. Immerhin: Die Existenz eines Theaters in Trier hat noch keiner infrage gestellt. Was sich allerdings täglich stellt, ist die Frage, wie viel künstlerischer Spielraum noch bleibt und wie viel künftig nur noch der breite Publikumsgeschmack entscheidet.

Das Eifel-Literaturfestival hat diese Frage 2012 für sich beantwortet. Kunst - in diesem Fall: Literatur - ist (fast) alles, was zwischen zwei Buchdeckel passt. Von der Nobelpreisträgerin bis zum Fernseh-Adabei. Der Prominenz-Faktor dominiert. So hat es das unfassbar engagierte Ein-Mann-Unternehmen von Josef Zierden zum in der Kosten-Nutzen-Rechnung erfolgreichsten Kulturfestival aller Zeiten in der Region gebracht. 15 000 Besucher bei der Auflage 2012, meist abseits der größeren Städte, sind eine Sensation. Und es war so viel Hochwertiges dabei, dass man locker über manch Ärgerliches hinwegsehen kann. Und doch stellt sich die Frage, ob man die Pause im Jahr 2013 nicht auch für ein paar konzeptionelle Überlegungen nutzt.

Das Mosel Musikfestival hat begonnen, sich behutsam zu wandeln. Neue Formen wie eine Lounge, unkonventionelle Artisten wie Cameron Carpenter, dazu die gewohnt gute Nase, wenn es darum geht, talentierte Nachwuchskünstler aufzuspüren, die schon gut sind, aber noch bezahlbar: Es hält manchmal frisch, wenn das Geld nicht reicht, einfach nur das derzeit Populärste am Markt einzukaufen. Es wird allerdings höchste Zeit, auf Gesellschafter-Ebene stabile Strukturen zu schaffen. Da wurde 2012 viel geredet, aber wenig getan.
Was passiert, wenn man Strukturen nicht absichert, zeigt das Aus für das Römer-Festival Brot und Spiele. Ob es sich dabei um Kultur handelt oder um Spektakel, war zwar stets umstritten. Aber jetzt hat Trier überhaupt keine Großveranstaltung mehr in den römischen Ruinen - außer den Konzerten von Ingo Popp, der aber auch frustriert den Bettel hinwirft. Ein Armutszeugnis, wenn das auf Dauer so bliebe.

Aber es gibt auch viele kleine, stabile Faktoren in der Region. Die Mozartwochen Eifel etwa, oder Anbieter wie Ducsaal-Promotor Manfred Weber in Freudenburg. Es waren die kleinen Eifel-Kulturtage, die einen Giganten wie Hans Neuenfels nach Trier holten. Aktivposten auch die Jazz-Clubs in Trier und Wittlich. Wobei man abwarten muss, wie sich die Jazz-Szene in Trier entwickelt, wenn sich Urgestein Thomas Schmitt vom Club Eurocore aufs Altenteil zurückzieht.
Die Tufa-Tänzer pflegen unverdrossen ihre Kontakte nach Luxemburg, das Tufa-Musical hat sich zu einer festen Marke entwickelt. Ansonsten stehen hinter dem einstigen Tempel der Alternativkultur ein paar Fragezeichen. Dafür wächst aber in Trier eine ganze Landschaft junger Kreativer aus dem Bereich der Kulturwirtschaft nach, auf die man gespannt sein darf.

Offen bleibt die Frage, wie man das Studenten-Potenzial aktiviert. Vielleicht kann man da von den Organisatoren der vielen Slams lernen - auch eine Kulturform, und eine erfolgreiche.
Zu Gejammer besteht Ende 2012 kein Anlass. Selbst das Riesenangebot der Luxemburger Nachbarn hat die hiesige Kulturszene nicht ausgedörrt. Konkurrenz belebt halt das Geschäft.

 


Das könnte Sie auch interessieren






Anzeige