Lange galten die Antikenfestspiele als Leuchtturm der regionalen Kulturszene. Nun, da er abgeschaltet wird, stellen sich viele Kulturmacher die Frage, ob das nur der Anfang ist von weiteren Sparmaßnahmen. Erfolgreiche Festival-Macher wie Josef Zierden fordern, die Kultur als "eigenen Stellenwert" zu begreifen.
Podcast
Fotostrecke
Volle Ränge, leere Ränge: Eifel-Literatur- (links) und Mosel Musikfestival (rechts) boomen, die Antikenfestspiele waren schon 1998 nicht ausverkauft. TV-Fotos: Archiv/Manuel Willi Schmitt, Josef Tietzen, Gerhard W. Kluth
Wer Erfolg hat, muss sich um die Zukunft meist keine Sorgen machen. Josef Zierden, Macher des Eifel-Literatur-Festivals, ist derzeit vom Erfolg verwöhnt. 15 000 Besucher kamen in diesem Jahr zu seinen Lesungen mit deutschen Literaturstars - eine sensationelle Resonanz, und das bei öffentlichen Zuschüssen von knapp 100 000 Euro. Die Trierer Antikenfestspiele brauchten eine halbe Million Euro aus öffentlichen Kassen - das Defizit nicht eingerechnet - und zogen 6800 Besucher an, davon gerade mal die Hälfte zahlende.
Kein Wunder, dass das "Modell Zierden" inzwischen in der Region Kreise zieht. Gefördertes ehrenamtliches Engagement statt großer Apparate: Das reizt in Zeiten knappen Geldes viele Kommunalpolitiker. Aber Hochkultur brauche auch professionelle Strukturen, sagt der Trierer Professor Andreas Kagermeier und warnt davor, ausschließlich auf engagierte Einzelkämpfer zu setzen. Auch wenn sie einiges Geld koste: Kultur könne den finanziellen Aufwand, den sie verursacht, "um ein Mehrfaches wieder reinspielen".
Zierden wiederum kann der ganzen Diskussion über Kultur und Geld wenig abgewinnen. Dass sich kulturelle Angebote auch finanziell rentierten, sei allenfalls ein "Hilfsargument". Der Eifeler plädiert ebenso wie sein Kollege Hermann Lewen vom Mosel Musikfestival für die "kulturelle Lebensqualität", die er für "überlebensnotwendig" hält. Bei Politikern und Wirtschaftsleuten macht er oft eine "Diskrepanz zwischen Sonntagsreden und praktischem Handeln" aus. Lewen wiederum weist darauf hin, "dass Theater, Konzerte und Lesungen in Deutschland viel mehr Zuschauer haben als die Fußball-Bundesliga - aber leider keine Sportschau und keine Bildzeitung".
Angesichts der Sparorgie, die bundesweit viele finanzschwache Kommunen in der lokalen Kulturszene anrichten, scheint sich in der Region Trier eine ungewöhnliche Allianz anzubahnen: Wirtschaft, Wissenschaft und Kulturmacher setzen sich gemeinsam für einen Erhalt kultureller Angebote ein.
Argumente liefern ihnen neue Untersuchungen über die ökonomische Bedeutung der "Kultur- und Kreativwirtschaft", wie sie das Taurus-Institut an der Uni Trier kürzlich vorgelegt hat. Danach gehört dieser Sektor, der vom Eventveranstalter bis zum Schmuckdesigner unterschiedlichste Facetten vereinigt, zu den vielversprechendsten Entwicklungsbereichen der Region. Der Erfolg setze allerdings ein gutes kulturelles Klima und starkes öffentliches Engagement voraus.
Aber das allein reiche nicht, glaubt IHK-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel. Die öffentlichen Träger müssten für "Beständigkeit und eine klare Linie" sorgen - eine Eigenschaft, die den Antikenfestspielen gefehlt habe. "Wer kurzfristig und nach dem Zufallsprinzip agiert, wird keinen Erfolg haben", sagt Rössel mit Blick auf Trier.
Für die Kultur in der Region schlägt er vor, "nicht zu verzagen, sich in Ruhe zusammenzusetzen und mehr miteinander zu reden". Als faktischer Interimsgeschäftsführer der "Initiative Region Trier" hat er Gelegenheit, den Worten Taten folgen zu lassen.
Meinung
Goethe und Lady Gaga
Das Ende der Antikenfestspiele ist eine bedauerliche Entwicklung. Aber es ist kein Symptom für einen kulturellen Kahlschlag in der Region. Bis jetzt bleiben die Kommunen auch unter Druck besonnen. Vielleicht deshalb, weil sie spüren, dass das kulturelle Angebot in der Region Trier nicht so üppig ist, dass man viel Überflüssiges streichen könnte. Aber man muss kein Pessimist sein, um vorauszusagen, dass es immer schwieriger werden wird, diese Position zu halten. Schon haushaltsrechtlich könnten die Städte und Gemeinden bald gezwungen sein, die Axt bei der "freiwilligen Ausgabe" Kultur anzulegen. Es wäre eine fatale Fehlentscheidung. Unsere Gesellschaft stellt gerade fest, dass die Ausrichtung aller Lebensbereiche an der Ökonomie und Zweckmäßigkeit etliche Fehlentwicklungen mit sich bringt. Anders formuliert: Wer will, dass im Land der Dichter und Denker nicht nur GZSZ, Lady Gaga und DJ Ötzi das Niveau bestimmen, braucht Einrichtungen, in denen Mozart musiziert, Goethe gespielt oder Kehlmann gelesen wird. Im Gegenzug muss die Kultur in Zeiten knappen Geldes wie jeder andere gesellschaftliche Bereich auch darauf achten, dass sie mit ihren Mitteln vernünftig haushaltet. Und dass sie nicht ein Flickenteppich verschiedener Einzelinteressen ist, sondern eine schlagkräftige, koordiniert agierende Gruppe. Da ist in der Region Trier genug zu tun. d.lintz@volksfreund.de
Zu den vielen schönen Dingen, die die Mosel zu bieten hat, findet man Zugang über den Wein. Auch die moselländische Küche ist - natürlich - vom heimischen Wein inspiriert und bereichert. mehr...
Finden Sie uns auf Facebook und auf Twitter | Kommentare: Kommentar schreiben