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aus unserem Archiv vom 29. Juni 2012
Autor: Dieter Lintz Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Luxemburg Drucken  E-Mail

Kurzkritik: Oper "The Raven", grand theatre

Edgar Allan Poes Schauergedicht "The Raven" hat viele Künstler zu einer Auseinandersetzung provoziert. Dichter wie Harry Mulisch, Filmregisseure wie Roger Corman oder Musiker wie Alan Parsons bedienten sich bei Poes Geschichte eines Menschen, der seinen Partner verloren hat und ihn in einer mysteriösen nächtlichen (Alp-)Traumbegegnung als riesigen Raben wiedertrifft.

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Ausgerechnet der Japaner Toshio Hosokawa, einer der meistgespielten Gegenwartskomponisten, hat sich in den schwülstig-unheimlichen, sehr britischen Text verguckt und daraus eine einstündige Ein-Personen-Oper entwickelt. Der Erzähler ist bei ihm eine Frau, mit packender Präsenz deklamiert, gesungen und gespielt von der schwedischen Mezzosopranistin Charlotte Hellekant. Regisseur Jan Speckenbach hat für die nächtliche Episode einen Bühnenraum aus zwei winklig aneinandergefügten Wänden konstruiert, der gerade durch seine Offenheit umso klaustrophobischer wirkt. Ein sehr filmisches Spiel mit Bildern und Symbolen in Videoprojektionen liefert den Rahmen. Starke Abstraktion rückt das Geschehen in die Nähe des Noh-Theaters - was wiederum zur Herkunft und den Intentionen des Komponisten passt. Hosokawa hat eine adrenalingeschwängerte Musik geschrieben, mit faszinierenden Spannungsaufbauten, mächtigen Crescendi und einer Kraft, die die Hauptfigur unaufhaltsam Richtung Wahnsinn treibt. Die vorzüglichen Luxemburger Neue-Musik-Spezialisten von Instruments of Lucillin schaffen die klangliche Basis, von der aus Charlotte Hellekant die Zuhörer mitnimmt auf eine Reise in unbekannte Gefilde. Musikalisch wurde das Stück im März in Brüssel erstmals präsentiert - die szenische Welturaufführung kann aber Luxemburg für sich verbuchen. Kein Zufall: Es war Grand-Théâtre-Intendant Frank Feitler, der eine Bühnenversion anregte. Dieter Lintz

 




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