Mörderischer Lobbyismus: "Gier - die fünfte Macht"
Der Trierer Autor Karl-Georg Schroll alias Emile Claassen hat seinen Krimi-Erstling vorgelegt: "Gier - die fünfte Macht" ist ein Polit-Thriller im linken Milieu, der eine klassische Mischung aus Mord und Korruption bietet.
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Trier. Ein linker rheinland-pfälzischer Bundestagsabgeordneter wird ermordet an einer Bushaltestelle in Mainz gefunden. An dem brisanten Fall sind nicht nur Polizei, Verfassungsschützer und eine dubiose Lobbyisten-Kanzlei interessiert, sondern auch der Enthüllungsjournalist Johann Wahlberg, den seine investigativen Recherchen vor Jahren den Job bei einem Nachrichtenmagazin gekostet haben.
Claassens Krimi ist ästhetisch so klassisch-konservativ gestrickt wie ein ordentlicher Tatort. Er hat weder die drastische Härte der skandinavischen Kriminalromane noch die schnellen Schnitte und überraschenden Wendungen anglo-amerikanischer Autoren.
Claassen lässt sich Zeit, seine Geschichte gründlich aufzubauen und punktet mit feiner Beobachtungsgabe und sorgfältiger Milieuschilderung. Die Figuren, vor allem der Journalist Wahlberg, sind glaubhaft aufgebaut. Für einen (allerdings überschaubaren) Kreis von Insidern bietet Claassen/Schroll zudem einen unterhaltsamen Schlüsselroman mit Figuren aus der Partei "Die Linke" - kein Zufall, war der Autor dort doch zeitweilig wissenschaftlicher Mitarbeiter.
Der Leser braucht ein bisschen Geduld, um sich durch den etwas holprigen Anfang zu kämpfen, und über die eine oder andere Rosamunde-Pilcher-Formulierung in Beziehungsangelegenheiten ("Sie blickte wie ein waidwundes Reh zu ihm hinauf", "In ihm regte sich Verlangen") sollte man hinwegsehen.
Aber dann bleibt ein lohnenswerter Thriller, der ein durchaus realistisches Licht auf den Moloch des Lobbyismus in der Berliner Republik liefert. Aus einem politisch klaren Blickwinkel geschrieben, aber ohne ständigen moralischen Zeigefinger. Und auch ohne das allfällige Happy End. Was ihn dann doch vom normalen Tatort unterscheidet. DiL
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