Öffentlich-private Partnerschaft soll Trierer Theater retten
Die Stadt Trier braucht 20 Millionen Euro, um ihr Theater zu sanieren - eine unerreichbar hohe Summe. Kulturdezernent Thomas Egger (FDP) verhandelt laut eigener Aussage mit zwei Investoren, die das stellenweise heruntergekommene Gebäude sanieren und anschließend an die Stadt vermieten wollen.
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Nicht unbedingt ein Juwel: 20 Millionen Euro würde eine Generalsanierung des Theaters kosten. TV-Foto: Friedemann Vetter
Trier. "Was ist das denn für ein schräges Gebilde?" Alt-Showmaster und Fernsehpionier Dieter Thomas Heck stand sprachlos vor dem Trierer Theater, als er 2005 in Trier den Kaiser-Augustus-Orden erhielt. Schon die Außenansicht missfiel ihm sehr. "Das darf doch nicht wahr sein." Ein Blick hinter die Kulissen hätte Hecks Empörung wahrscheinlich noch gesteigert. Heute wäre eine Investition von 20 Millionen Euro nötig, um den vor 47 Jahren eröffneten Zweckbau in einen baurechtlich und sicherheitstechnisch akzeptablen Zustand zu versetzen. Schöner ist er dann allerdings immer noch nicht. Das ist auch dem Kulturdezernenten klar.
"Niemand will dieses Theater so sanieren, wie es jetzt ist", sagt Thomas Egger im TV-Gespräch. "Noch nicht einmal das Team des Theaters selbst." Seit 1964 hat der Bau keine Generalüberholung mehr erlebt. Mittlerweile ist das Drei-Sparten-Haus an vielen Stellen marode. Von Energie-Effizienz, zeitgemäßem Brandschutz oder einem behindertengerechten Innenleben kann keine Rede sein. Doch 20 Millionen Euro sind eine utopische Summe - für Trier ebenso wie für Mainz. "Die Stadt kann das nicht stemmen, auch nicht mit dem Land zusammen", sagt Thomas Egger.
Seine Idee ist bekannt unter dem Anglizismus "sell and lease back" - verkaufe es und miete es dann wieder. "Ich glaube, dass wir hier mit einem Privatinvestor arbeiten müssen", betont der Kulturdezernent. "Wir verkaufen das Gebäude, lassen es uns sanieren und mieten es dann wieder zurück." Das ist offenbar keine grobe Idee im Anfangsstadium ihrer Existenz, sondern eine schon recht weit fortgeschrittene Perspektive. "Ich bin im Gespräch mit zwei Investoren, die das stemmen können", sagt Egger. Namen will er natürlich nicht nennen, schließlich ist noch kein Vertrag unterschrieben.
"Ich bin davon überzeugt, dass diese Investoren das Projekt seriös anpacken und nicht ausschließlich auf eine höchstmögliche Rendite zielen würden." Nur das Gebäude werde privatisiert, nicht der Theaterbetrieb. Der Investor könnte von einer "neuen Multifunktionalität" des Theaters mit einem Gastronomie-Angebot und einer generellen Öffnung auch für andere Veranstaltungen außerhalb des Theaterprogramms profitieren.
Extra
Public Private Partnership (PPP) - öffentlich-private Partnerschaft - lautet der Fachbegriff, der auf eine Privatisierung des Theaters Trier zutrifft. Grundsätzlich ist damit der Einsatz privater Investoren zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben gemeint. Die Investoren geben Geld und Know-how, um öffentliche Einrichtungen oder Projekte zu sanieren oder zu finanzieren und zu betreiben. Öffentlich-private Partnerschaften sind im kompletten Bereich des öffentlichen Lebens vom Freibad über Museum und Theater bis zur Wasserversorgung oder dem Straßenbau zu finden. Im Fall des Trierer Theaters würde der Investor das Gebäude kaufen und mit eigenem finanziellen Risiko sanieren, um anschließend am weiter in Regie der Stadt laufenden Theaterbetrieb mitzuprofitieren. (jp)
Extra: Teure Theatersanierungen gibt es auch andernorts in Deutschland. Und auch dort wurde schon über die sogenannte Public Private Partnership diskutiert.
(mic) Trier hat jede Menge Schulden und ein sanierungsbedürftiges Theater. Das geht auch anderen Städten so. Beispiel Heidelberg: Im Oktober 2006 musste das Theater dort wegen gravierender baulicher Mängel geschlossen werden. Die Stadt sah sich - ähnlich wie Trier - außerstande, Sanierung oder Neubau finanziell allein zu stemmen. Die Gesamtkosten von Sanierung und Neubau eines zweiten Theatersaals sind auf 53 Millionen Euro veranschlagt. Statt der zeitweise diskutierten Public Private Partnership setzte die Stadt allerdings auf ihre Theaterfreunde. Ein Bürgerkomitee gründete sich und startete die Aktion "Wir retten unser Theater". 10 000 Unterstützer fanden sich dazu, 16 Millionen Euro wurden gesammelt, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre. Bauherr ist nicht die Stadt, sondern eine dazu gegründete Theater- und Orchesterstiftung, die vom Heidelberger OB verwaltet wird. Vorteil: Spenden von Unterstützern, ob privat oder Unternehmer, sind steuerlich begünstigt.
In Dresden dagegen ist Public Private Partnership zurzeit noch in der Diskussion. Dort soll das alte Kraftwerk Mitte zum Theaterstandort werden für die von der Stadt getragene Staatsoperette und das Theater Junge Generation. Kosten nach den letzten Berechnungen: mindestens 74 Millionen Euro. In der Diskussion ist unter anderem, per europaweiter Ausschreibung einen Investor zu finden, der das Theater plant, baut, betreibt und finanziert. Veranstaltungs- und Spielbetrieb und die damit verbundenen Risiken sollen bei der Stadt bleiben.
Meinung
Kommentar zum Theater trier: Jetzt ist Kreativität gefragt
Sicher ist: Das Theater Trier muss saniert werden. Sicher ist auch: Die Stadt Trier kann sich das kaum leisten. Ein Kommentar von Michael Schmitz.
Eine öffentlich-private Mischfinanzierung kann ein Ausweg aus diesem Dilemma sein - wenn sie im Ergebnis die Stadt tatsächlich deutlich günstiger kommt als die Investition aus kommunalen Mitteln.
Dass der Trierer Wirtschafts- und Kulturdezernent Thomas Egger dieses Finanzierungsmodell nun ins Spiel bringt, zeigt zumindest, dass er an das Thema mit einer gewissen Kreativität herangeht. Dabei sollte er es aber nicht bewenden lassen: Das Beispiel Heidelberg (eine Initiative sammelte 16 Millionen Euro für die Theatersanierung) zeigt, dass auch bürgerschaftliches Engagement durchaus finanziell ins Gewicht fallen kann - vorausgesetzt es gibt eine echte Identifikation der Bürger mit ihrem Theater. Auch die Suche nach finanzkräftigen Mäzenen müsste gerade einem liberalen Dezernenten eine Herzensangelegenheit sein.
Und schließlich: Der Blick in die Besucherstatistik zeigt, dass das Theater längst kein Stadttheater mehr ist, sondern ein Theater für die ganze Region. Diesen Zuspruch in den Landkreisen rund um Trier in finanzielle Unterstützung umzumünzen, dürfte noch einiges an Energie erfordern. Aber es lohnt sich: Denn Trier braucht ein eigenständiges Theater. Sonst wird die Stadt, wird die Region, kulturell gesehen zur Provinz.
m.schmitz@volksfreund.de
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