Seit Jahren suchen Astronomen im Weltall nach Glycin, jener Aminosäure, die ein erster Schritt zum Leben auf der Erde gewesen sein könnte. Heute stellt die Serie des Deutschlandfunks in Kooperation mit dem Trierischen Volksfreund das Molekül vor.
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Mit Radioteleskopen wie in Effelsberg in der Eifel (Kreis Euskirchen) spüren Astronomen Moleküle im All auf. Foto: N. Junkes/Max-Planck-Institut für Radioastronomie
Trier. Sagittarius B2. Das ist die Region im All, aus der Astronomen am häufigsten Post bekommen. Eine dichte, heiße Gaswolke im Sternbild Schütze, ziemlich nah am Zentrum unserer Galaxie. Viele Radioteleskope sind auf die ferne Sternen-Geburtsstätte gerichtet und empfangen Signale von dort. Die Absender tragen Namen wie Ameisensäure, Formaldehyd oder Ethylalkohol - lauter Moleküle, die in dem aufgeheizten Gasklumpen vorkommen und im thermisch angeregten Zustand Radiostrahlung aussenden. Astronomen fangen die Wellen schließlich in ihren irdischen Riesenschüsseln auf.
Fast 160 verschiedene chemische Verbindungen wurden bisher in den Weiten des Weltraums nachgewiesen, die meisten in der "Heimat der großen Moleküle", wie der wolkige Flecken in Sagittarius B2 auch genannt wird. Doch ausgerechnet die meistgesuchte Substanz blieb bis heute ein kosmisches Phantom: Glycin, ein Molekül aus gerade mal zehn Atomen. Das Besondere an ihm: Es ist die einfachste von 20 Aminosäuren, aus denen alle Proteine in menschlichen und tierischen Zellen aufgebaut sind.
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Klar, dass die Forscher gerne einen so wichtigen Lebensbaustein im All aufspüren würden! Organische Moleküle wie die Aminosäuren könnten ein Trittstein am Anfang der Lebensentwicklung auf der Erde gewesen sein, sagt Holger Müller, Astrochemiker an der Universität Köln: "Außerdem erhofft man sich Hinweise darauf, wo im All vielleicht auch noch Leben entstehen könnte."
Vor drei Jahren fand sich immerhin schon mal ein enger chemischer Verwandter von Glycin im kosmischen Dunst - ein Molekül namens Aminoacetonitril. Die Astronomen spürten es mit einem 30-Meter-Teleskop in Spanien auf.
Ob auch die Aminosäure selbst noch auftaucht, ist aber fraglich. "Vielleicht können wir sie gar nicht sehen", überlegt Müller. Mit Radioteleskopen ließen sich nämlich nur gasförmige Moleküle erfassen. Glycin aber habe einen relativ hohen Dampfdruck und gehe deshalb nicht so ohne weiteres in die Gasphase über. "Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass es auf Staubkörnern gebildet wird und von diesen nicht abdampft", meint der Kölner Forscher.
Wildes Wirrwarr
Womöglich verstellen aber auch einfach nur die ganzen anderen strahlenden Kosmo-Moleküle in der Sagittarius-Wolke den Blick auf Glycin. Zusammen produzieren sie ein wildes Wirrwarr von Tausenden Linien im Radiospektrum. Da kann ein einzelnes Molekül leicht untergehen. Würde Glycin doch noch entdeckt, wäre das der Beleg dafür, dass die kosmische Küche auch Aminosäuren hervorbringt. Könnte uns das vielleicht entscheidend helfen, die Entstehung des Lebens zu enträtseln? Astrochemiker Müller ist da eher vorsichtig: "Ich weiß nicht, ob man das jemals so genau herausbekommen wird."
Dieser Beitrag läuft am 8. Juni im Deutschlandfunk im Rahmen der Reihe "M3 - Mraseks Molekül-Mosaik", immer mittwochs um 16.35 Uhr in der Sendung "Forschung aktuell". In der Region empfangen Sie den Deutschlandfunk auf UKW 95,4 und 104,6. Weitere Infos im Netz unter www.dradio.de/jahrderchemie
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