Turbulent bei ansonsten zufriedenen Mienen endete die gesellschafts- und kirchenkritische Schau "Reliquie" - Fetisch in Kirche, Kunst & Konsum" mit einer Podiumsdiskussion zur Kulturförderung. Stolz ist das Haus auf die vielen Besucher.
Podcast
Fotostrecke
„AufTRAGskunst“: Ob Amts-, Bedenken-, Würden- oder Hoffnungsträger – bei der Trageprozession durch die Trierer Innenstadt tragen alle Teilnehmer Kleidung, Hüte, Schirme oder Koffer in den Farben Schwarz und Himmelblau. TV-Foto: Daniel John
Trier. Streitbar hatte sie begonnen, und streitbar endet sie. Zum Abschluss der Ausstellung "Reliquie" -Fetisch in Kirche, Kunst & Konsum" hatte die Tufa Trier zur Podiumsdiskussion "Kulturförderung für Gott und die Welt" eingeladen.
Verärgert über die fehlende begriffliche Trennschärfe der Auseinandersetzung verließ Podiumsmitglied Bazon Brock die Runde. Zuvor hatte der Ästhetikprofessor und Künstler die Diskussionsteilnehmer wüst beschimpft, nachdem sie wiederholt den Begriff Kultur umgangssprachlich verwandt und Kultur mit den sogenannten "Schönen Künsten" gleichgesetzt hatten.
Moderator TV-Redakteur Dieter Lintz blieb gelassen und setzte die Diskussion über zwei Stunden fort. Im Übrigen war der universal anmutende Titel durchaus begrenzt gemeint. Es ging um die Kriterien für Kunstförderung in Trier und Bewusstseinsbildung für Kunst im allgemeinen. Erwartungsgemäß blieb es weithin bei Ratlosigkeit, gleichermaßen bei der Gesprächsrunde wie den rund 30 Zuhörern, die zum großen Teil zwischenzeitlich gingen.
Roman Schleimer vom Kulturbüro Trier verwies auf den mageren öffentlichen Etat, der ehemalige Konzer Bürgermeister Winfried Manns (jetzt Gemeinde-und Städtebund), mahnte realistische Konzepte an.
Einig war sich die Runde mit Soziologieprofessor Alois Hahn, auf breiter Ebene und so früh wie möglich, Bürgern der Zugang zur Kunst zu ermöglichen. Die Kulturstiftung Trier vertrat Hiltrud Zock, die auf die zunehmende Bedeutung der privaten Förderung von Kunstprojekten durch Stiftungen hinwies.
Dass solche private Förderung enge Grenzen hat, weil sie abhängig ist vom Willen und den Vorlieben der Stifter, hatte gerade die kirchen- wie gesellschaftskritische Tufa Ausstellung einmal mehr belegt. Die war fast an den ausbleibenden Fördermitteln der Stiftungen gescheitert. Umso mehr strahlen jetzt die Veranstalter. Beachtliche 2000 Besucher haben die Schau gesehen. Gut besucht waren auch die zahlreichen Rahmenveranstaltungen. "Wir können stolz auf diese Ausstellung sein", erklärt Teneka Beckers.
Gewiss habe auch die große Medienresonanz das Interesse verstärkt, räumt die Tufageschäftsführerin ein. Nach ihrer Meinung stellt sich in dem Besucherstrom allerdings auch das zunehmend kritische Verhältnis vieler Menschen gegenüber der Amtskirche dar. Nicht allein Bilderstürmer seien in der Schau unterwegs gewesen. Ein großer Teil der Besucher sei der Kirche im Grunde zugetan, glauben Beckers und Kuratorin Christina Biundo. Fair sei man auch mit den Kunstwerken umgegangen, Polemik habe es kaum gegeben. "Überzeugte Christen haben geschluckt, weichgespülte hatten ein Problem", berichtet Beckers. Für Tufa Vorstand Klaus Reeh steht jedenfalls fest: "Kunst und Kultur müssen weiterhin öffentlich im Gespräch bleiben". Zum Ende noch einmal großer Showdown mit einer Trageprozession durch die Stadt.
Extra
Die Ausstellung "Reliquie - Fetisch in Kirche, Kunst und Konsum" bot neben Kunstobjekten Lesungen, Führungen, Theaterstücke und Konzerte während und nach der Heilig-Rock-Tage in Trier. red
Kohlgemüse liefert so viele Vorteile auf einmal wie kaum ein anderes Gemüse. Kohl ist vielseitig einsetzbar und besonders in der kalten Jahreszeit ein wichtiger Vitaminlieferant. mehr...
Finden Sie uns auf Facebook und auf Twitter | Kommentare: Kommentar schreiben