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Mit Karl Marx auf Konstantins Spuren

Große Ausstellung 2018 über den zweiten Weltveränderer aus Trier nimmt Gestalt an

(Trier) Alles blickt gespannt aufs große Karl-Marx-Jahr 2018, aber kaum einer weiß, was dann alles passieren soll. Das wird sich nun ändern. Die Protagonisten der frisch gegründeten Ausstellungs-GmbH machen sich an die Arbeit. Dossier zum Thema: Karl Marx 2018

28.09.2015
Roland Morgen
Trier. Auf die Frage, wann genau die Ausstellung beginnen soll, kann der Mainzer Kultur-Staatssekretär Walter Schumacher (65) nur vage antworten: "Ostern 2018, aber der genaue Tag steht noch nicht fest." Immerhin steht jetzt offiziell fest, wer das ambitionierte Vorhaben realisieren soll: "Zwei sehr gute Leute", versichert Schumacher. "Wir sind sehr froh, sie gewonnen zu haben ... Sie werden mit ihren Ideen und Erfahrungen das Projekt absolut bereichern und maßgeblich vorantreiben."

Der eine wurde per Ausschreibung gefunden: Der promovierte Historiker Rainer Auts (50) ist Geschäftsführer der vor zwei Wochen vom Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Trier aus der Taufe gehobenen Karl-Marx-Ausstellungsgesellschaft. Der gebürtige Oldenburger war zuvor selbstständiger Kommunikationsberater in Trier.

Die andere ist eine in gutem Sinne "alte Bekannte": Die Bonner Professorin Beatrix Bouvier (70) hat von 2003 bis 2009 das Karl-Marx-Haus geleitet, das von der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Museum gemachte Geburtshaus. Nun kommt sie als wissenschaftliche Leiterin des Projekts zurück. Beatrix Bouvier war, so heißt es, die absolute Wunschkandidatin aller Beteiligten und hat sich auch nicht lange bitten lassen: "Eine ungemein spannende Aufgabe und große Herausforderung." Und ganz sicher auch eine Bestätigung ihrer Arbeit.

Trier macht d i e Marx-Schau


Auch das Domizil der Ausstellungs-GmbH "passt": Beatrix Bouvier, Auts und ihr vierköpfiges Team (Ausschreibungen laufen oder werden vorbereitet) residieren in der Kutzbachstraße 1, einem 700 Jahre alten gotischen Haus gleich neben dem Stadtmuseum Simeonstift und keine hundert Meter entfernt vom Haus Simeonstraße 8, in dem Marx gut 16 Jahre lang lebte, bis er mit 17 Trier nach dem Abitur verließ.
Anschließend ist Marx notgedrungen weit herumgekommen, studierte in Bonn und Berlin, schrieb in Köln für die oppositionelle Rheinische Zeitung und lebte ab 1849 als politisch Verfolgter im ausländischen Exil. Er starb am 14. März 1883 in London, sein Grab befindet sich auf dem Highgate-Friedhof.

Auch andere Städte wollten Marx zu seinem 200. Geburtstag am 5. Mai 2018 für sich vereinnahmen, weiß Schumacher, doch Trier habe als Alleinstellungsmerkmal d i e Ausstellung zum Leben und Wirken des Mannes, der als Vordenker des Sozialismus und Kommunismus die Welt veränderte. Mit dem anderen Weltveränderer, den man für sich beanspruchen darf, haben das Land als Hauptfinanzier und die Stadt Trier gute Erfahrungen gemacht, als sie ihn ins museale Rampenlicht rückten.

Tatsächlich weist die Marx-Schau organisatorisch große Parallelen zu Konstantin auf. Dem Römerkaiser, der das Heiden- durchs Christentum ersetzte, war 2007 eine Landesausstellung gewidmet. Die war ebenfalls zu groß für nur ein Museum und ging an drei Standorten in seiner ersten Residenzstadt über die Bühne. Zwei davon - das Landes- und das Stadtmuseum Simeonstift - zeigen 2018 die Marx-Ausstellung, das bischöfliche Museum am Dom steuert, wie auch die Friedrich-Ebert-Stiftung im Karl-Marx-Haus, eigene Beiträge bei. Auch die Hochschulen und das Theater wollten sich Marx widmen. Das alles gelte es zu koordinieren, betont Auts, "abzusprechen, damit nicht jeder dasselbe macht".
Beatrix Bouvier sieht das Stadtmuseum (500 Quadratmeter Ausstellungsfläche) als Bühne für das Thema "Generation Marx": "Dort wollen wir seine frühen Jahre beleuchten, also Marx in der Region und das, was ihn beeinflusst hat". Im Landesmuseum (1500 Quadratmeter) soll der Blick weit darüber hinaus gerichtet und ein Epochenbild gezeichnet werden.

Exponate aus London und Paris


In beiden Häusern mit höchstkarätigen Exponaten: So schwebt den Ausstellungsmachern unter anderem vor, vom Pariser Louvre Eugène Delacroix’ Gemälde "Die Freiheit führt das Volk" (über die Julirevolution 1830 in Paris) und aus der Londoner Nationalgalerie William Turners "Rail, Steam an Speed" (Eisenbahn und Industrialisierung) als Leihgaben zu erhalten. Eine "Reliquienschau" solle es jedenfalls nicht werden. Wohl aber ein Publikumsmagnet. Schumacher schätzt "vorsichtig": "250 000 plus X Besucher". Zu Konstantin kamen mehr als 350 000, unterm Strich blieb ein unverhofftes Plus von 200 000 Euro. Bei Marx sind bisher nur die Kosten (für Ausstellung, Begleitprogramm, Personal) fix: 5,6 Millionen Euro.