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Staatsoberhäupter aus sechs Ländern treffen sich in Luxemburg (Fotos) (Video)

(Luxemburg) Dass gleich fünf Staatsoberhäupter gleichzeitig empfangen werden, dürfte selbst für Luxemburg, das immer wieder hochrangige Politiker besuchen, nicht alltäglich sein. Der luxemburgische Großherzog ist Gastgeber der Staatschefs der deutschsprachigen Länder, oder besser der Länder, in denen auch zum Teil Deutsch gesprochen wird. Mit dabei ist auch das belgische Königspaar.

27.09.2017
Bernd Wientjes
Gleich fünf Staatsoberhäupter gleichzeitig – das dürfte selbst für Luxemburg, wo ja aufgrund der EU-Institutionen der Besuch hochrangiger Politiker keine Seltenheit sind, nicht alltäglich sein. Gekrönte und ungekrönte Häupter aus den Ländern, in denen auch Deutsch gesprochen wird, haben gestern das Großherzogtum besucht. Einmal im Jahr treffen sich die Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder – wozu übrigens auch Belgien wegen der Deutschsprachigen Gemeinschaft gehört –, um sich über aktuelle Themen auszutauschen. Und das seit 14 Jahren. Treffpunkt ist dieses Mal das ehemalige Kloster Neumünster im Luxemburger Stadtteil Grund. Ziel der Gespräche sind, wie es der luxemburgische Großherzog Henri später formuliert, nicht politischen Schlussfolgerungen, sondern der „Austausch im deutschsprachigen Raum“. Das Thema, das in Luxemburg auf der Agenda steht, betrifft alle sechs bei dem Treffen vertretenen Ländern gleichermaßen: Einwanderung und Integration.

Das Thermometer zeigt gerade mal acht Grad an, als kurz vor halb zehn gestern Morgen der Gastgeber des Treffens, der luxemburgische Großherzog Henri im Lichthof des zum Kulturzentrum umgebauten Klosters auf die fünf anderen Staatschefs wartet. Kurz zuvor wischt der Zeremonienmeister des großherzoglichen Palastes noch einmal über den roten Teppich, eine Mitarbeiterin des Kulturzentrums muss sichtbare Staubflecken vor den sechs Nationalfahnen wegsaugen. Deren Reihenfolge wird kurz vor dem Eintreffen der Staatsoberhäupter noch einmal geändert. Die Schweizer Fahne wird neben die österreichische gestellt, die belgische wandert als vorletzte neben die luxemburgische. Henri und seine Frau Maria Teresa warten dort, unterhalten sich auf Französisch. Immer wenn die Großherzogin ihrem Ehemann die Hände reicht, damit er sie wärmen soll, klicken die Kameras der gut zwei Dutzend Fotografen, die am roten Teppich warten.

Alain Rousseau vom großherzoglichen Palast schaut auf die Uhr. Die Politprominenz, die bereits seit Dienstagabend in Luxemburg ist, verspätet sich um ein paar Minuten. Um Viertel vor zehn treffen als Erste der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender ein. Es ist Steinmeiers erster Besuch als Staatschef im Nachbarland. Im Minutentakt treffen seine Amtskollegen und ihre Partner ein: der Österreicher Alexander Van der Bellen, die Schweizerin Doris Leuthard, Erbprinz Alois von und zu Lichtenstein und der belgische König Philippe. Er und seine Frau Mathilde sind die einzigen Teilnehmer des Treffens, die nicht Deutsch sprechen.
Bevor es zum Arbeitstreffen und dem „Damenprogramm“ geht, an dem auch der Ehemann der Schweizer Bundespräsidentin teilnimmt, gibt es noch ein „Familienfoto“ aller Teilnehmer vor imposanter Kulisse, dem mächtigen Bockfelsen, auf dem die Stadt Luxemburg erbaut wurde.

Die Staatschefs treffen im ersten Stock der ehemaligen Klosterkapelle zusammen. Dort referiert unter anderem der aus Trier stammenden und an der Uni Luxemburg lehrende Soziologe Helmut Willems zur „Notwendigkeit und Schwierigkeiten einer rationalen Migrations- und Integrationspolitik“. „Ein Thema, das uns alle miteinander berührt“, sagt Steinmeier gegenüber unserer Zeitung nach Ende der Diskussion. „Das war sehr spannend zu sehen, dass es unterschiedliche Erfahrungen dazu in den einzelnen Staaten gibt.“ Es werde immer deutlicher, „dass wir in unserem Alltag vergleichbare Problematiken haben“, sagt auch der Großherzog.

Die Mitglieder des Treffens, so Steinmeier, gehörten zu einer „Linie der Vernunft, in einer Welt, bei der man den Eindruck hat, dass die Vernunft zunehmend ausgeht“. Als Äußerung zur Bundestagswahl will er das aber nicht verstanden wissen.