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aus unserem Archiv vom 09. Mai 2012
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Eldorado für Schatzsucher

E Ob es einen Kulturhungrigen gibt, der tatsächlich alle Produktionen im Grand Théâtre besucht? Falls ja: Er könnte in der Spielzeit 2012/13 eine Riesen-Kondition brauchen. Mehr als 80 verschiedene Stücke aus Oper, Tanz, Schauspiel und Musiktheater werden zu sehen sein, Gastspiele aus der ganzen Welt, aber auch etliche Ko- und Eigenproduktionen. Es dürfte wenige Bühnen in Europa geben, auf denen ein ähnlich breites Spektrum der Theaterkunst an einem einzigen Spielort zu sehen ist. Von experimentell bis klassisch, von zeitgenössisch bis barock, von spartanisch bis opulent: Jeder kulturelle Schatzsucher kommt auf seine Kosten. Er muss sich nur auf die Suche machen.

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ines kann man den Verantwortlichen des Luxemburger Opern-Spielplans 2012/13 bestimmt nicht absprechen: den Mut zu einem ungewöhnlichen Repertoire. Während die Intendanten andernorts immer öfter auf die Sicherheit populärer Opern-Hits setzen, wagt Frank Feitler ein Angebot, das auf die beliebten "Top 50" der meistgespielten Opern gänzlich verzichtet.
Dafür gibt es vieles zu entdecken. Zum Beispiel Aschenputtel - oder "Cendrillon", wie die Figur im französischen Sprachraum heißt. Jules Massenet hat aus der verschmähten Stiefschwester, die am Ende doch vom Prinzen erwählt wird, eine Märchenoper gemacht. Ein Werk, dem außerhalb von Frankreich in der Konkurrenz mit Rossinis "Cenerentola" wenig Erfolg beschieden war. Zu Unrecht, findet Regisseur Benjamin Lazar, der das Stück für die Pariser Opéra Comique wiedererweckt hat, wo es vor 113 Jahren uraufgeführt wurde.
Lazars Regiestil, die Atmosphäre der historischen Aufführungen zu beschwören, hat Luxemburg Erfolge wie "Sant\'Alessio" oder "Cadmus et Hermione" beschert. "Cendrillon" spielt zur Entstehungszeit der Oper, also um die vorletzte Jahrhundertwende. Man darf gespannt sein, auch auf Dirigent Alexander Liebreich, das OPL und eine Besetzung, an deren Spitze die legendäre "schwarze" Alt-Stimme von Ewa Podles steht (6., 8., 10. Oktober).
Den Barock-Part übernimmt in der kommenden Saison der Engländer John Blow, Lehrmeister von Henry Purcell - und mit "Venus und Adonis" sein Vorgänger und damit der erste bedeutende Opernkomponist von der Insel. Er erzählt die Sage von der schönen Göttin Venus und ihrer unglücklichen Liebe zum nicht minder schönen, aber wesentlich sterblicheren Jüngling Adonis, der erstens einer göttlichen Intrige und zweitens einem wilden Eber zum Opfer fällt. Die Inszenierung übernimmt Louise Moaty aus dem Team von Benjamin Lazar, Bertrand Cuiller dirigiert die "Musiciens du Paradis" (9. und 10. November).
Anna Caterina Antonacci gehört zu den ganz großen Mezzo-Sopranistinnen unserer Tage - und ist dem Grand Théâtre seit Jahren eng verbunden. Grund genug, der Diva einen Kammer-Opernabend maßzuschneidern, anknüpfend an ihre grandiosen Solo-Abende "Era la notte" und "Altre stelle". Zwei Opern-Einakter stehen auf der Agenda, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Ermanno Wolf-Ferraris turbulente Beziehungs-Komödie "Il segreto di Susanna" und François Poulencs Opern-Drama "La voix humaine" nach Texten von Jean Cocteau. Der erste Teil des Abends dreht sich um eine heimliche Raucherin und die Irrungen und Wirrungen, die daraus für ihre Ehe entstehen, nach der Pause erleben wir eine Tragödie für eine Frau und ein Telefon. Extra-Schmankerl: Luxemburg erlebt die Erstaufführung der Produktion (20., 23. Februar 2013).
Ganz frisch vom Festival Aix-en-Provence kommt Mozarts "La Finta giardiniera" (wörtlich: Die falsche Gärtnerin) ans Grand Théâtre, wo man auch die weniger abgespielten Preziosen aus dem Mozart-Repertoire immer wieder liebevoll auf die Bühne bringt. Auf Deutsch heißt das Stück, das Mozart mit gerade mal 18 Jahren schrieb, etwas beschönigend "Die Gärtnerin aus Liebe". Aber auf Details kommt es bei dieser wilden Liebes-, Eifersuchts- und Verkleidungsgeschichte eh nicht an. Für einen starken Abend garantiert schon das Leitungs-Team mit Dirigent An dreas Spering, Regisseur Vincent Boussard und Bühnenbildner Vincent Lemaire - allesamt Stammgäste in Luxemburg, aber inzwischen längst in den ganz großen Häusern zwischen Brüssel, Berlin, München und Zürich zu Hause (20., 22. März).
Wagner in Luxemburg? Früher eine Rarität, inzwischen gängige Praxis. Diesmal kommt "Parsifal", in Zusammenarbeit mit der Oper Antwerpen und einer Besetzung, die Wagnerianer mit der Zunge schnalzen lässt. Susan MacLean ist die aktuelle Bayreuth-Kundry, Georg Zeppenfeld (Gurnemanz) gilt spätestens seit seinem König Heinrich im Bayreuther Neuenfels-Lohengrin als eine der ganz großen Hoffnungen im Wagner-Fach. Und Zoran Todorovich, gefeierter Verdi-Tenor, wagt als Parsifal den Einstieg in die Welt der Wagner-Heroen. Mit Eliahu Inbal steht ein klangvoller Name am Pult des OPL, und Regisseurin Tatjana Gürbaca hat sich als Opernchefin in Mainz ziemlich nach vorne inszeniert (12. und 14. April).
Der Saison-Abschluss ist dem Pechvogel unter den Komponisten gewidmet: Josef Myslivecek, Freund und Zeitgenosse Mozarts. Als gebürtiger Prager der erfolgreichste Komponist Italiens (!), reich, berühmt, gefeiert, gespielt, musste er noch zu Lebzeiten den totalen Absturz verkraften: An Syphilis erkrankt, durch eine Operation seiner Nase beraubt, nach mehreren Misserfolgen völlig von der Bildfläche verschwunden, verarmt und schließlich trotz 26 Opern gänzlich vergessen. Nun entdeckt man seine Werke wieder, zum Beispiel "L\'Olimpiade" nach einem griechischen Sagenstoff. Die Umsetzung übernimmt das legendäre Paar Ursel und Karl-Ernst Herrmann, Dirigent ist Vaclav Luks (4. und 5. Juni). DiL




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