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Aus für Klinik: Traben-Trarbacher Belegärzte kritisieren Vorgehensweise

(Traben-Trarbach) Erst schloss die Geburtsstation, jetzt werden auch die 21 Betten nach Zell verlagert. Die Ärzte im Anna-Henrietten-Stift sehen ihre Existenz in Gefahr. Der Träger verteidigt den Ablauf und baut auf ein lokales Gesundheitszentrum.

24.11.2016
Clemens Beckmann
Als im Mai 2000 das neue Traben-Trarbacher Krankenhaus öffnete, hieß es unter anderem: „Das ist das kleinste Krankenhaus der Welt und verdient einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde“. Der damalige Hintergrund für den zwölf Millionen Mark teuren Neubau mit 21 Betten: Die Gynäkologie und Geburtshilfe in der Stadt genossen einen glänzenden Ruf. Und der setzte sich über die Jahre fort. Ein erster Einschnitt erfolgte im Frühjahr 2015, als die Geburtshilfe im Anna-Henrietten-Stift trotz mehr als 300 Geburten pro Jahr geschlossen wurde. 

In wenigen Tagen wird auch der über dem Eingang prangende Namen „Klinikum Mittelmosel“ nur noch Geschichte sein. Wie bereits berichtet (TV vom 24. November) werden die Betten abgebaut und ins Zeller Krankenhaus verlagert. 
Nach der Schließung der Geburtshilfe sei kolportiert worden, dass auch die in der Klinik ansässige Gemeinschaftspraxis für Gynäkologie und Geburtshilfe schließe, berichtet Dipl. med. Aldo Weise. Gemeinsam mit Dr. med. Anja Klasen führt er die Praxis. Doch die bleibe an ihrem angestammten Platz, versichert er. „Nur Operieren werden wir dort nicht mehr“, sagt Weise: ab 1. Dezember nicht mehr stationär und ab 1. Januar 2017 auch nicht mehr ambulant. Weil das aber ein wichtiges existenzielles Standbein sei, werde er im Zeller Krankenhaus operieren. 

Weise bedauert, dass das in Traben-Trarbach nicht mehr möglich sein wird. Dort habe die Zahl der Operationen zugenommen, man habe sogar an eine Ausweitung der chirurgischen Tätigkeit gedacht. 
Die Ankündigung der Dernbacher Gruppe Katharina Kasper, Trägerin der Kliniken in Zell und Traben-Trarbach, sei wie aus heiterem Himmel gekommen. Es habe im Vorfeld keinerlei Gespräche oder Andeutungen gegeben, sagt Weise. 
Ähnliches berichtet Uwe Plorin, der als Facharzt für Anästhesiologie für die Narkose der Patienten zuständig war. Am Dienstagnachmittag sei er für Mittwochmorgen zu Elisabeth Disteldorf, der Geschäftsführerin der Katharina Kasper GmbH, einbestellt worden. „Das Gespräch hat dreieinhalb Minuten gedauert“, sagt er. „Man hat mir meine Lebensgrundlage entzogen. Ab 1. Januar 2017 verdiene ich kein Geld mehr.“ In die Räume in Traben-Trarbach soll, wie berichtet, ein lokales Gesundheitszentrum ziehen. „Es stellt die ambulante medizinische Versorgung auf eine breite Basis und sichert sie wohnortnah“, sagt Disteldorf. 

Plorin ist sich aber sicher: Die neuen Ärzte und Einrichtungen werden vom Träger verpflichtet alle Patienten, die eine Weiterbehandlung, zum Beispiel eine Operation brauchen, nach Zell zu schicken. Plorin ist auch Leitender Notarzt in Traben-Trarbach. Wie es mit dieser Tätigkeit im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes weiter gehe, wisse er noch nicht. 

Zu der Kritik an der Vorgehensweise sagt Dagmar Koppers (Stellvertretende Leitung Unternehmenskommunikation): „Beim Krankenhaus in Traben-Trarbach handelt es sich um ein Belegkrankenhaus. Die dort tätigen Ärzte sind Belegärzte in eigener Verantwortung. Wir haben sie über die für die Bevölkerung sinnvollen Entwicklungsschritte zum lokalen Gesundheitszentrum informiert. Dies haben wir in persönlichen Gesprächen gemacht, um im direkten Austausch auch für Rückfragen und individuelle Abstimmungen zur Verfügung zu stehen.“ 
 
meinung
Medaille mit unschöner Seite

Clemens
Beckmann

Ein lokales Gesundheitszentrum als Ersatz für hausärztliche Praxen, von denen es immer weniger gibt. Die Idee ist gut, wahrscheinlich sogar wegweisend. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Dass Leuten, die jahrelang in der Traben-Trarbacher Klinik arbeiteten ohne Vorwarnung ein mehr oder weniger großer Teil ihrer Lebensgrundlage entzogen wird, ist nicht akzeptabel. So geht man nicht mit Menschen um.
c.beckmann@volksfreund.de