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Baustelle am Schulzentrum Bernkastel-Kues: Ein Ausbau zur Unzeit

(Bernkastel-Kues) Im Peter-Kremer-Weg soll die Sicherheit der Schüler Vorfahrt haben. Das ist das Ziel des Bau- vorhabens an der Straße, die zum Schul- und Sportzentrum in Bernkastel-Kues führt. Doch es gibt einen Haken an der Sache.

12.08.2017
Ilse Rosenschild
Alfred Schmitt weiß nicht, ob er sich freuen oder ärgern soll. Auf den Ausbau der Zufahrt zum Schul- und Sportzentrum hat der Direktor des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums lange gewartet. Und mit ihm Lehrer, Eltern und Schüler. Jetzt geht es endlich los. Am kommenden Dienstag soll die Baustelle im Peter-Kremer-Weg eingerichtet werden.

Aber es gibt ein Problem. Ausgerechnet in der Woche, in der der Unterricht wieder beginnt, rücken die Bagger an. "Das können wir nicht verstehen", sagt Schmitt dem TV. Die Ferienzeit sei nutzlos verstrichen. Auf die Intervention der Schule hin sei die Einrichtung der Baustelle wenigstens vom ersten Schultag auf den kommenden Dienstag verlegt worden.

Stadtbürgermeister Wolfgang Port kann das Ärgernis nur bestätigen: "Die Baufirma startet mit sechs Wochen Verspätung." Ursprünglich sollte mit der Baustelle zum Ferienanfang begonnen werden. Das sagt Port dem TV auf Anfrage. Doch kurz vorher habe das Unternehmen Gotthard Lehnen aus Wittlich-Dorf mitgeteilt, dass man den Termin nicht halten könne. Der Direktor des Gymnasiums will mit seiner Kritik nicht falsch verstanden werden. "Wir wollten dieses Bauprojekt unbedingt", versichert er. Lediglich der Zeitpunkt sei unglücklich gewählt. Die Entscheidung für den Termin sei schwer nachzuvollziehen. Alles habe im Vorfeld gepasst. Bei den Planungen seien die Eltern und das Lehrerkollegium intensiv eingebunden gewesen. Trotz des unglücklichen Termins: "Es ist eine ganz tolle Lösung."

Wer ist betroffen? Der Peter-Kremer-Weg ist eine kleine Straße. Und dennoch hat sie eine ganz zentrale Bedeutung. Rund 1500 Schüler besuchen dort mehrere Schulen: Neben dem Nikolaus-von-Kues-Gymnasium sind das die Freiherr-vom-Stein-Realschule plus und die Burg-Landshut-Schule. Hinzu kommen Hallen- und Freibad, die zentrale Sportanlage der Verbandsgemeinde, die große Sporthalle und die Geschäftsstelle des SFG Bernkastel-Kues, der rund 2000 Mitglieder hat. Die Straße ist die einzige Zufahrt zu dem Gelände.

Was wird gemacht? Der kombinierte Fußgänger- und Radweg soll künftig auf vier Meter verbreitert und mit einem Geländer von der Fahrbahn abgetrennt werden. Damit solle eine gefahrenträchtige Situation entschärft werden. Die Planer wollen so verhindern, dass Schüler plötzlich auf die Straße laufen und von einem Auto erfasst werden. Im Zuge des Straßenausbaus sollen auch Wasser- und Kanalleitungen erneuert werden. Allein die Kosten für den Straßenbau belaufen sich auf rund 600 000 Euro.

Wie wird die Baustelle geplant? Die Zufahrt soll jederzeit möglich sein. Deshalb werde der Peter-Kremer-Weg maximal halbseitig gesperrt. Ampeln regeln den Verkehr. In der Bauzeit sollen die Schülerströme von den Bussen zu den einzelnen Schulen entzerrt und an der Baustelle vorbeigelenkt werden (siehe Grafik). Polizei und Ordnungsamt haben Kontrollen angekündigt.

Was ist mit den Parkplätzen? Die Situation wird schwieriger: Die Stadt wird nach eigenen Angaben Ausweichparkplätze für Schüler und Besucher des Schwimmbads und der Turnhallen ausweisen. Eng wird es dennoch werden. Darauf müssen sich alle Beteiligten einstellen.

Was können die Beteiligten tun, um die Situation zu entschärfen? Port appelliert, verstärkt öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrräder zu nutzen. Eine Bitte hat er an die Eltern von Schulkindern: Sie sollen nach Möglichkeit, wenn sie die Sprösslinge bringen, nicht in die Baustelle hineinfahren, sondern den Nachwuchs vorher absetzen.

Was sagt die Baufirma? Das Unternehmen Gotthard Lehnen ist um eine Stellungsnahme gebeten worden. Bis zum Redaktionsschluss ist sie beim TV nicht eingegangen.

Wann ist die Straße fertig? Laut Stadtbürgermeister Wolfgang Port ist festgelegt, dass die Arbeiten bis zum 31. März 2018 abgeschlossen sein müssen.

Meinung: Sehr unglücklich 

Beim Ausbau des Peter-Kremer-Weges handelt es sich um ein wichtiges Projekt. Fußgänger und Autos sollten an einem solch neuralgischen Punkt deutlich voneinander getrennt werden. Es ist gut, dass es losgeht. Aber auch wenn man die Situation in der Baubranche kennt: Warum beginnt man mit einem solchen Vorhaben genau zum Schuljahrsbeginn? Welches Projekt kann denn sensibler sein als die Zufahrt zu einem so problematischen Gelände? Auf die Frage ist die Baufirma bislang die Antwort schuldig geblieben. i.rosenschild@volksfreund.de
Extra: WIRD DIE AMPELREGELUNG GEÄNDERT?

Mit dem Ausbau des Peter-Kremer-Wegs wird möglicherweise ein ganz spezielles Ärgernis der Autofahrer beseitigt: die Ampel an der Kreuzung mit der Cusanusstraße. Dort stehen auch in verkehrsarmen Zeiten Autofahrer minutenlang und sehen rot. Endgültig geklärt ist laut Stadtbürgermeister Wolfgang Port allerdings nicht, ob dort eine "verkehrsabhängige Lichtzeichenanlage" installiert wird. Aber, so Port weiter, der Landesbetrieb Mobilität Trier ziehe eine derartige Lösung im Rahmen des Verkehrsprojektes "in Erwägung".