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Behindertenbeirat und Stadt diskutieren über Aufzug zur neuen Burgterrasse in Bernkastel-Kues

(Bernkastel-Kues) Die Burg Landshut in Bernkastel-Kues wird in großem Stil saniert und historisch aufgewertet. Durch den Einbau eines Aufzugs wird sie auch barrierefrei. Ein weiterer Lift zur neuen Terrasse würde 230.000 Euro kosten. Der kann nur gebaut werden, wenn er mit 80 oder 90 Prozent bezuschusst wird, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port. Doch danach sieht es nicht aus.

02.02.2016
Clemens Beckmann
Wenn die Burg Landshut im Frühjahr 2017 wieder für Besucher zugänglich ist, werden sie viele Einheimische und Urlauber, die schon einmal da waren, nicht mehr wiedererkennen. Die bis dahin investierten mehr als zwei Millionen Euro müssen sich ja auch widerspiegeln. Außen werden Wege und Stege angelegt, damit das Gemäuer umrundet werden kann. Das dürfte deshalb interessant sein, weil vor einigen Jahren die Fundamente zweier weiterer Kastelle gefunden wurden (der TV berichtete). Innen wird das Lokal von Grund auf saniert. Ganze Teile werden neu gebaut.

Und etwas ist von besonderer Bedeutung: Die Burg wird barrierefrei zu erreichen sein. Ein Aufzug macht es möglich. Er kann mit dem Auto erreicht werden.

Toilette wird umgestaltet

Ein Ort der Burg bleibt für Menschen, die keine Stufen steigen können, allerdings weiterhin unerreichbar: der etwa 30 Meter hohe Turm: Es gibt aber auch keine Forderung, dort einen Aufzug zu installieren. Er würde den finanziellen Rahmen sprengen.

Anders sieht das bei der neu entstehenden Terrasse aus. Sie wird auf einen Gastraum, der ebenfalls noch gebaut wird, gesetzt. Der Beirat für Menschen mit Behinderungen macht sich für einen Aufzug zur Terrasse stark. Kostenpunkt: Rund 230.000 Euro.

Beiratsvorsitzender Artur Greis begründet das ganz pragmatisch. Dort sei eine Behindertentoilette geplant, die den Vorstellungen und Normen entspreche. Die Behindertentoilette im Innenhof der Burg entspreche diesen Normen nicht. Behinderte in einem Rollstuhl hätten dort, so Greis, Schwierigkeiten.

Das Problem im Innenhof sei erkannt, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port. „Und es wird behoben“, verspricht er. Deshalb werde auf der Terrasse auch keine weitere Toilette nötig.

Das ändert allerdings nichts am Wunsch des Behindertenbeirats. „Menschen mit Behinderungen müssen Nichtbehinderten in allen Lagen des Lebens gleichgestellt sein, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können“, sagt Artur Greis. Und die Burg Landshut sei ein öffentlich zugängliches Areal.

„Irgendwo ist die Grenze der finanziellen Belastbarkeit erreicht“, sagt Stadtbürgermeister Port dazu. Für den auf 1,25 Millionen taxierten Um- und Neubau im Innenhof bekomme die Stadt keine Zuschüsse. Der nötige Kredit soll durch die Pachteinnahmen getilgt werden. 
Ein 60-Prozent-Zuschuss reicht nicht.

Die Aussicht auf eine Förderung aus dem Leaderprogramm der Europäischen Union sei zwar da, aber keinesfalls sicher. Und über diesen Kanal kämen auch nur maximal 60 Prozent als Zuschuss. „Zu wenig“, sagt Port. „Es müssten 80 bis 90 Prozent sein, um den Umbau zu finanzieren.“ 

Die Stadt könne auch nicht bis ultimo warten. Alleine der Kran koste pro Monat 2800 Euro und der Pachtvertrag mit dem neuen Gastronomen beginne am 1. April 2017. 

Der Beirat für Behinderte hat, so Artur Greis, selbst seine Fühler nach Mainz ausgestreckt und Anfragen an das Innen- und ans Wirtschaftsministerium gestellt. „Wir haben aber noch keine Antwort bekommen.“ 

Als Ortsbürgermeister von Reil kenne er die finanziellen Nöte der Städte und Gemeinden. Er werde trotzdem nichts unversucht lassen, doch noch die Zustimmung für einen Aufzug zu bekommen. Zwingen könne man die Stadt allerdings nicht. 

Es handele sich um ein altes Gemäuer, sagt der Stadtbürgermeister. Bisher sei es Menschen, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, nicht zugänglich gewesen. Port: „Nun werden mindestens 90 Prozent des Geländes für sie erreichbar sein.“ Das sei doch schon eine Leistung.

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