region/mosel

Bestattungswald bei Traben-Trarbach im Gespräch: Die letzte Ruhe unter Bäumen

(Traben-Trarbach) In Traben-Trarbach berät der Gemeinderat über einen Bestattungswald. Eine geeignete Fläche gibt es schon.

14.11.2017
Hans-Peter Linz
Traben-Trarbach Immer häufiger wünschen sich Menschen eine Urnenbestattung im Wald. Im Gegensatz zum Friedhof, auf dem ein Grab auch von der Nachkommenschaft gepflegt werden muss, wird diese alternative Bestattungsform immer beliebter. Bundesweit gibt es inzwischen mehrere Kommunen und Unternehmen, die einen solchen Bestattungswald anbieten. Das Wirtschaftsmagazin Handelsblatt meldet eine Steigerung von abgeschlossenen Verträgen von 12 Prozent im Jahr. Der Stadtrat von Traben-Trarbach hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dieses Thema anzugehen. "Mich haben einige Bürger angesprochen, deshalb haben wir diesen Vorstoß gemeinsam mit meinem Ersten Beigeordneten, Kurt Haag, mal gewagt," sagt Traben-Trarbachs Stadtbürgermeister Patrice Langer.
Ein erster Besuch ging nach Annweiler zum Bestattungswald Trifelsruhe, wo der Gemeindeforst diesen Bestattungswald betreibt. "Das schien uns eine interessante Lösung zu sein, denn so ist die Gemeinde an dem Wald beteiligt," sagt Langer. Daraufhin habe sich der Haupt- und Finanzausschuss mit dem Thema beschäftigt.
Ein Waldstück auf Traben-Trarbacher Gebiet fand sich schnell. "An der Strecke nach Irmenach geht es ab zum Hödeshof. Hinter diesem Gebiet haben wir 14 Hektar Gemeindeforst mit 150 Jahre alten Eichen," sagt Langer. Das sei das richtige Alter für einen Bestattungswald, der auf eine Dauer von 100 Jahren konzipiert sei. "Das passt genau, denn diese Eichen müssen sowieso noch 100 Jahre wachsen, bis sie geschlagen werden können," erklärt der Stadtbürgermeister. In diesem Bereich könnte man vier Hektar als Friedwald deklarieren, eine Zufahrt existiere ohnehin schon.
Inzwischen laufen erste Gespräche mit der Firma Unique Forestry and Landuse in Freiburg, die sich auf die Vermarktung und Nutzung von Forsten im Auftrag von Kommunen oder anderen Waldbesitzern spezialisiert hat. Zu ihrem Portfolio zählt seit einiger Zeit auch das Thema Bestattungswald."
Ein solcher Wald würde nicht nur als Begräbnisstätte dienen, sondern könnte auch für Wanderer und Spaziergänger attraktiv sein, findet Langer: "Wegen der Laubbäume ist dort keine düstere Stimmung, sondern so ein Wald vermittelt eine friedliche Stimmung, das wäre möglicherweise auch für Touristen interessant, die sich vielleicht wünschen, in so einem Wald begraben zu werden."
Für Traben-Trarbacher wäre das eine Alternative, die in der Nähe liegt. Denn der nächstgelegene Friedwald ist erst wieder in Mastershausen hinter dem Flugplatz Hahn, wo sich einige Traben-Trarbacher schon haben bestatten lassen, so Langer. Aber der würde eben weit entfernt liegen, Angehörige müssten lange Anfahrtswege in Kauf nehmen.
Was sagen die Vertreter der beiden Kirchengemeinden dazu?

Pfarrer Jörg-Walter Henrich von der evangelischen Kirchengemeinde Traben-Trarbach erklärt dem TV gegenüber, dass es dazu seitens seiner Kirche keine verbindliche Meinung gibt. Henrich: "Das ist sehr der Individualität der Menschen überlassen. Die Bestattung ist eine Äußerung menschlicher Kultur und damit auch einem Kulturwandel unterworfen. In den 1960er Jahren war zum Beispiel eine Feuerbestattung undenkbar, heute geschieht das zu 80 Prozent." Man könne in einem Friedwald einen Abschied ebenso würdevoll gestalten wie auf einem traditionellen Friedhof. Henrich versichert, dass er auch Bestattungen in einem Friedwald vornehmen würde. Er weist aber auch darauf hin, dass ein Wald immer im Abseits liegt, ein Friedhof im Ort wiederum der Funktion des Erinnerns an die Sterblichkeit besser gerecht werde. Dort sei er in der Mitte der Gemeinschaft.
Pfarrer Matthias Hermes von der katholischen Kirchengemeinde Traben-Trarbach verweist auf TV-Nachfrage auf eine Handreichung des Bistums Trier. In der Arbeitshilfe sind die Bedingungen für eine katholische Bestattung in einem Friedwald umrissen. Unter anderem müsse es möglich sein, am Ort der Bestattung ein Schild mit dem Namen des Verstorbenen und einem christlichen Symbol anzubringen. Es sei auch Voraussetzung, dass weder der Friedwaldbetreiber, noch der Verstorbene mit einer Friedwaldbestattung nicht-christliche Vorstellungen wie die einer pantheistischen (Vielgötter-) oder naturreligiösen Ideologie verbunden hat.
Kommentar
Meinung
Sensibles Thema

Wie sich Menschen bestatten lassen und wie ihre Anverwandten und Freunde damit umgehen, ist ein äußerst sensibles Thema. Das kann letzten Endes nur jeder für sich alleine im Vorfeld entscheiden. Einen Friedwald als zusätzliche Option anzubieten wäre damit eine Bereicherung für die Bestattungskultur an der Mosel. Dass Friedwälder am Rande des Lebens liegen, kann man unterschiedlich bewerten. Zweifelsohne wird damit das Erinnern an die Sterblichkeit vom Zentrum des Lebens im Ort verlagert. Aber dort gibt es ja immer noch die konventionellen Friedhöfe. hp.linz@volksfreund.de
Extra: EIN FRIEDWALD AM BEISPIEL VON MASTERSHAUSEN

Bestattungswälder, in denen die Urnen an den Wurzeln der Bäume beigesetzt werden, sind weniger pflegeintensiv als Gräber von Erdbestattungen. Die Urne wird an einem Baum, an dem bis zu zehn Urnen Platz haben beigesetzt, ein Schild am Baum erinnert dann an den Verstorbenen. In Mastershausen (Verbandsgemeinde Kastellaun) können auf dem fünf Hektar großen Waldstück Urnen von bis zu 7000 Menschen beigesetzt werden. Dabei bevorzugen die Menschen einen Mischwald mit Laubbäumen. Vor der Einrichtung muss ein Gutachter prüfen, ob das Gelände geeignet ist oder Ausschlusskriterien wie Staunässe vorliegen und untersuchen den Wald auf Verkehrssicherheit. Die Einrichtung des Bestattungswaldes hat die Gemeinde Mastershausen etwa 50 000 Euro gekostet. Der Bürgermeister geht davon aus, dass die Gemeinde bereits ein Jahr nach der Inbetriebnahme des Ruheforstes durch den Verkauf von 100 Grabstellen etwa 40 000 Euro Einnahmen verbuchen kann und so die Kosten bereits fast komplett gedeckt sind. Die Kosten für eine Grabstelle liegen in Mastershausen zwischen 350 und 750 Euro. (red)