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Der Kapitän verlässt das Kulturschiff: Hermann Lewen nimmt im Kloster Machern Abschied vom Mosel Musikfestival

(Bernkastel-Kues) Eine Ära geht zu Ende. Der Intendant gibt sein Kind in andere Hände. 250 Freunde und Wegbegleiter des Mosel Musikfestivals haben Hermann Lewen in den Ruhestand verabschiedet.

12.11.2017
Clemens Beckmann
Hermann Lewen muss nicht lange nachdenken. „Vielleicht zehn“, antwortet er auf die Frage, wie viele der mehr als 1500 Konzerte der Mosel Festwochen beziehungsweise des Mosel Musikfestivals er in den vergangenen 32 Jahren verpasst hat. Und die, so sagt er, auch nur, weil er den Auftritt schon einmal erlebt hatte. Da ist ihm Lampenfieber fremd. Das gilt auch für seinen eigenen großen Auftritt – die offizielle Verabschiedung als Intendant des Mosel Musikfestivals. „Seines Kindes“, wie Nachfolger Tobias Scharfenberger es ausdrückt.

„Vielen Dank und Tschüss.“ So verabschiedet sich Hermann Lewen von 250 Gästen im Kloster Machern, der Wiege des Festivals. Den Barocksaal des Anwesens bezeichnet er als sein Wohnzimmer. Weltstars der klassischen Musik hat er an dem Ort mit dem besonderen Rahmen und der besonderen Akustik begrüßt. 

Lewens Abschiedsgruß gilt aber auch den Besuchern, die in den vergangenen 32 Jahren dafür sorgten, dass das Festival weit über die Region hinaus Anerkennung fand. Es waren fast 450 000.

Es obliegt Wolfgang Port, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Mosel Musikfestivals, das Wirken Lewens zu reflektieren und zu würdigen. Einige Sätze reichen, um die Person und deren Arbeit deutlich zu machen. „Er war und ist kein Mitläufer. Er ist regelmäßig mit seinen unkonventionellen Ideen gegen den Strom geschwommen. Er war kein Traumtänzer und auch kein Sonntagsredner. Er hat die Dinge, die er vorgeschlagen hat, auch umgesetzt und war dabei überaus erfolgreich. Er war ein eloquenter und überaus visionärer Kulturmacher mit hohem kreativen Potenzial“, sagt der Bernkastel-Kueser Stadtbürgermeister. 

Dies alles kann nur in einer Aussage münden, die Port gleich an den Anfang seiner Rede setzt. „Eine Ära geht zu Ende. Hermann Lewen geht von Bord des großen Kulturschiffes Mosel Musikfestival.“ 

Lewens Nachfolger, Tobias Scharfenberger, spricht von einer „ungeheuren Lebensleistung“. Er hat das Mosel Musikfestival in diesem Jahr bereits zusammen mit Lewen geleitet. 

Nun wird er der Alleinverantwortliche. „Das ist eine sehr große Verantwortung für mich“, sagt er. Lewen sei natürlich weiter willkommen. Scharfenberger zitiert Johann Wolfgang von Goethe: „Von Zeit zu Zeit sehen wir den Alten gern.“
Wolfgang Lichter hat Lewen über die Jahrzehnte hinweg begleitet. Alleine 20 Jahre lang als Vorsitzender des mehr als 500 Mitglieder zählenden Vereins der Freunde des Mosel Musikfestivals. „Hermann Lewen hat den Alltag vieler Menschen bereichert. Er hat mit viel Geschick hochkarätige Leute hierher geholt“, sagt er.

Auch Jürgen Hardeck, Geschäftsführer des Kultursommers Rheinland-Pfalz, hat Lewens Weg lange begleitet. Der habe jedes Jahr einen Spagat machen müssen, um Besonderes zu bieten und zu finanzieren. Die Rahmenbedingungen seien schwieriger gewesen als bei anderen Festivals. „Trotzdem ist es eine ganz große Erfolgsgeschichte und ein Vorbild für andere Festivals“, sagt er.

Ein Teil der Rahmenbedingungen ist, dass Lewen immer mit einem verhältnismäßig kleinen Team arbeiten musste. Zu dem gehört auch schon seit den 1990er Jahren Wolfgang Bolle. „Es war schön“, sagt er. „Hermann Lewen ist ein Visionär, und er war immer für seine Mitarbeiter da.“

Michael Schwierzy gehörte dem Team zwölf Jahre an. Mittlerweile ist er Leiter des Veranstaltungsmanagements im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt und damit Herr über 700 Veranstaltungen im Jahr. Das hat selbst sein früherer Chef nicht geschafft. 

Schwierzy weiß aber, wo er herkommt: „Alles, was ich kann, habe ich von Hermann Lewen gelernt“, sagt er.
Am Ende dieses Abends wird Lewen dann doch noch emotional. Das Mosel Musikfestival schenkt dem 65-Jährigen ein Konzert mit der Lautten Compagney Berlin. „Das berührt mich zutiefst“, sagt der scheidende Intendant, der nun auch mehr Zeit für seine Lebensgefährtin, die drei Töchter und vier Enkel hat. Denn bisher gehörten die Sommer seinem großen Kind – dem Mosel Musikfestival.