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Der Mann mit den zwei Buchstaben wird 90: Helmut Theis aus Bernkastel-Kues feiert am Sonntag Geburtstag

(Bernkastel-Kues) Er ist in Bernkastel-Kues bekannt wie ein bunter Hund: Helmut Theis, den alle nur „tz“ nennen. Er hat durch seine Tätigkeiten viel mehr Leute kennengelernt als andere Zeitgenossen und ist immer noch ein gefragter Gesprächspartner und Informant. Am Sonntag feiert „tz“ seinen 90. Geburtstag.

19.02.2016
Clemens Beckmann
Helmut Theis ist einer den bekanntesten Bürger von Bernkastel-Kues. „Den kenne ich nicht,“ werden viele Menschen sagen. Vielleicht wird so ein Schuh daraus: „tz“ wird am Sonntag 90 Jahre alt. „Ja, den kennen wir,“ werden viele der vorher Unwissenden sagen. Bleiben wir also bei tz, denn so meldet sich der Jubilar auch am Telefon, so nennt ihn jeder, und so möchte er auch genannt werden.

Unzählige Male ist er gefragt worden, wie die beiden Buchstaben zustande gekommen sind. Hier noch mal die Erklärung: Der Vater hieß Theis, die Mutter Zimmer, das von ihnen geführte Lebensmittelgeschäft in der Graacher Straße im Stadtteil Bernkastel hieß „tz“. Und irgendwann hieß der am 21. Februar 1926 geborene Sohn genauso. Auch als er lange Jahre das Mannschaftsheim in der Dauner Kaserne führte, wurden die zwei Buchstaben zum Markenzeichen, nachdem ihn ein Soldat von der Mosel erkannt hatte und seinen Spitznamen wusste.

„tz“ hatte im Laufe seines Lebens mit mehr Menschen zu tun als viele andere Zeitgenossen. Vor seiner Zeit in Daun, wo viele Soldaten kamen und gingen, führt er die Cafeteria im Bernkastel-Kueser Freibad. Ein Schwimmbadbesuch war in den 1960er-Jahren noch etwas Besonderes. Das Bad war an schönen Tagen rappelvoll, es gab ja sonst nicht viel Abwechslung. Zum Besuch gehörte die Wurst im Brötchen, die Sinalco, Nippon (Puffreis mit Schokolade) und das Eis am Stil.

Der gelernte Lebensmittel-Einzelhändler und seine Frau Anneliese. mit der er seit 63 Jahren verheiratet ist, standen bereit. Das wahre Leben, so ist es aus seinen Worten herauszuhören, begann erst Mitte der 1980er-Jahre, nachdem er in Daun aufgehört hatte. Die Wochenenden hatten er und seine Familie schon vorher in Bernkastel-Kues verbracht, nun zog es sie wieder ganz an die Mosel. 

Das Interesse an der Geschichte der Stadt hatte er schon vorher, nun lebte er es aus – als Stadtführer. Und da hatte er es natürlich auch mit vielen Menschen, schätzungsweise 80000, zu tun. „Das war die schönste Zeit meines Lebens“, erzählt er. Die Besonderheit: Er rasselte Zahlen und Daten nicht runter, sondern erzählte. 
Die Gäste erfuhren Dinge, von denen manch Einheimischer bis heute noch nichts weiß. Mehr als 20 Jahre ging das so.

Erst als er schon über 80 war, merkte er, dass die Touren seine körperlichen Kräfte überstiegen.
 Geistig ist er jung geblieben. Das ist auch daran zu erkennen, dass Anfragen bezüglich der Historie der Stadt oder ihrer Besonderheiten immer noch an ihn weitergeleitet werden. Wenn sic h Journalisten bei der Stadt melden, werden sie an „tz“ verwiesen. 

Die Stadtführertätigkeit bleibt übrigens in der Familie. Tochter Annelie und Schwiegersohn Jürgen führen die Besucher mit der gleichen Begeisterung durch die Stadt wie einst „tz“.

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