Des Tüftlers Handicap

WITTLICH. Für den Schokoladenhersteller Suchard hat die Wittlicher Firma Clemens eine Maschine gebaut, die Kakaobohnen mit heißem Dampf sterilisiert. Für einen bekannten Pizzahersteller wurde eine Maschine entwickelt, die Salami schneidet, auf die Pizza legt und anschließend Kräuter und Käse streut. Die neueste Entwicklung: ein "Golf-Cleaning-Center" – eine Reinigungsmaschine für den Golfplatz.

Um ein Haar hätte Clemens die Reinigungsmaschine gar nicht gebaut. Die Anfrage eines Kunden, eine solche Anlage zu bauen, lag schon im "Absagekästchen", in dem alles landet, was sich erledigt hat. Durch puren Zufall fand der Geschäftsführer des Hauses, Bernd Clemens, das Schreiben. Er hatte damals gerade mit dem Golfspielen begonnen und wusste sofort, dass es sich um eine geniale Idee handelte. "Der Kunde wollte von uns eine Maschine, die in einer Einheit alles reinigt, was der Golfer mit sich führt oder trägt, also Schuhe, Schläger, Bälle und den Caddy. Auf den meisten Golfplätzen wird die Ausstattung irgendwo in einer Ecke mit Wasserschlauch und Bürste sauber gemacht, und dabei macht man sich meistens selbst ziemlich dreckig", erzählt Clemens. Also haben sich seine Ingenieure daran gemacht, eine entsprechende Putzmaschine zu konstruieren, während der Chef mit dem Kunden den Vertrag formulierte. So vereinbarte man, dass sich die Entwicklungskosten über die ersten 50 Geräte amortisieren sollen. Mit anderen Worten, der Kunde muss 50 Anlagen verkaufen. Nachdem der die Neuheit 2003 auf der Münchner Golfmesse präsentiert hatte, konnte er auf Anhieb 15 Anlagen in ganz Europa verkaufen. Komplette Anlage kostet rund 40 000 Euro

Wegen interner Schwierigkeiten gab die Firma aber vor einem Jahr auf. "Wir standen vor der Alternative, die Entwicklungskosten zu verlieren oder die Maschine selbst zu vermarkten." Man entschied sich für letzteres. Sowohl in den USA als auch in Deutschland soll die Neuheit demnächst den Betreibern von Golfplätzen vorgestellt werden. Die komplette Anlage kostet rund 40 000 Euro. Die einzelnen Module wie Schuh-, Caddy- oder Schlägerreinigung gibt es einzeln für rund 7000 Euro. "Durch den Einzelverkauf versprechen wir uns größere Verkaufszahlen", sagt Clemens. Für den Vertrieb in Deutschland sucht der Geschäftsmann jetzt noch einen Außendienstmitarbeiter. Innerhalb des Unternehmens gehört die Erfinderwerkstatt zur Abteilung Sondermaschinen-bau. Daneben gibt es noch den Weinbaubereich, in dem vor allem Maschinen zur Bodenbearbeitung hergestellt werden und den Bereich Kellertechnik. Hier handelt Clemens mit Maschinen zum Füllen, Etikettieren oder Waschen von Weinflaschen. Der Vertrieb erfolgt weltweit. "Wir verkaufen dorthin, wo Wein wächst." Und das ist vor allem in Europa und den USA der Fall. In Amerika und in Australien, wird sogar ein eigenes Verkaufslager gehalten. Wachstumsmärkte für Clemens sind vor allem Osteuropa und Russland. Mit seinen rund 110 Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen nach eigenen Angaben rund zehn Millionen Euro pro Jahr, in etwa gleich verteilt auf die drei Unternehmensbereiche. Der Gewinn, so Clemens, ist im vergangenen Jahr erstmals wieder leicht gestiegen, nachdem es in den zurückliegenden Jahren abwärts gegangen war. In die Zukunft blickt Clemens positiv. In einigen Ländern ziehe der Absatz wieder an, und vielleicht werde der Verkauf des Reinigungscenters den Gewinn in neue Höhen treiben.

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