Die Kassen sind leer bei "FUL"

MAINZ. Das rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerium hat die Ausgleichszahlungen für ökologisch ausgerichtete Bauernhöfe stark eingeschränkt (der TV berichtete). Die Landwirte sind enttäuscht, setzen aber vorerst auf Gespräche mit der Bauckhage-Behörde.

Die Mitteilung aus Hans-Artur Bauckhages Ministerium fängt gut an: "Für das Förderprogramm Umweltschonende Landbewirtschaftung (FUL) werden im Zeitraum vom 10. Juni bis 11. Juli 2003 Anträge wieder zugelassen", heißt es dort. Leider aber geht der Satz noch ein bisschen weiter: "...jedoch wegen der äußerst angespannten Haushaltslage des Landes in deutlich eingeschränkter Form." Kurz: Wesentliche Programm-Bestandteile werden gekappt. Die Ausnahme sind Landwirte, deren Förderverträge in diesem Jahr auslaufen. "Was uns am meisten trifft", sagt Paul Brandsma, der in Wittlich einen Demonstrationsbetrieb für umweltschonenden Landbau führt, "ist die Tatsache, dass die ökologische Landwirtschaft nicht weiter unterstützt werden soll". Konventionelle Landwirtschaft, berichtet Brandsma, beispielsweise der Anbau von Raps und Mais, würden indessen weiter gefördert. Mancher Bio-Betrieb aber stehe jetzt schon ohne Förderung da: "Da wurde ein großes Loch geschlagen, und deshalb fühlen wir uns schon ungerecht behandelt."Volkswirtscaftslicher Nutzen durch Öko-Höfe

Die mehr als 400 Betriebe, die sich bislang an dem FUL-Programm beteiligten, verzichten unter anderem auf ganzjährige Stallhaltung, billiges Importfutter oder Kunstdünger und damit auch auf höhere Erträge. "Wer auf ökologischen Landbau umstellt", erklärt Bio-Bauer Regino Esch aus Wascheid, "der macht das nicht nur für fünf Jahre. Stallumbau, gesonderte Vermarktung - das sind alles langfristige Investitionen. Da fehlt jetzt einfach die Planungsgrundlage." Dabei habe die Volkswirtschaft durchaus einen zählbaren Nutzen durch die Bio-Landwirte: "Wir betreiben einen anderen Umgang mit dem Boden und weiteren natürlichen Ressourcen", sagt Esch, und er zählt auf: unter anderem Wasserschutz, Grundwasserschutz sowie eine viel geringere Schadstoffbelastung als bei konventioneller Landwirtschaft. "Das sind alles Schäden, die die Volkswirtschaft belasten. Wir hingegen betreiben eine Kulturlandschaftspflege, die einen hohen Nutzen bringt." Bisher sei es der Grundtenor gewesen, diesen Nutzen auch zu entlohnen. "Jetzt wird das entgegen jeglicher Versprechen gestrichen." Die Verfahrensweise des Landes sei deshalb auch "ein Tabubruch ersten Ranges", schimpft die Arbeitsgruppe Ökologischer Landbau Rheinland-Pfalz/Saarland (AÖL). Für den AÖL-Vorsitzenden Manfred Nafziger bedeutet die Einschränkung der Förderung schlicht "eine politische Entscheidung gegen den ökologischen Landbau". Zumal der Verweis auf die "angespannte Haushaltslage" keinen Sinn habe: Immerhin 80 Prozent des Öko-Fördergelds werden von der EU und der Bundesregierung überwiesen, müssen also nicht vom Land aufgebracht werden. "Und wir schreien nicht danach, einfach Geld zu kriegen", sagt Regino Esch, "sondern danach, was dem ökologischen Landbau zusteht und ansonsten in Brüssel und Berlin liegen bleibt."Gespräche statt Demonstrationen

Noch wollen die Bio-Bauern aber nicht auf die Barrikaden gehen, der nächste Trecker-Korso droht vorerst nicht. "Wir setzen zunächst auf Gespräche mit dem Ministerium", sagt Bio-Bauer Regino Esch. Paul Brandsma ergänzt: "Wir haben bereits ein paar Hebel in Bewegung gesetzt, unter anderem über den Bauernverband, um zu sehen, was da noch möglich ist. Denn das ist eine Sache, die man so nicht stehen lassen kann." Laut Kreisverwaltung laufen zurzeit noch 497 FUL-Verträge mit Bauern im Kreis Bernkastel-Wittlich. 16 Landwirte sind von der Neuregelung der Förderung betroffen, das heißt sie können keinen Folgeantrag mehr stellen, so dass sie in Zukunft kein Geld mehr vom Land bekommen.

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