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Die Klinik Kues steht vor der Schließung

Geschäftsleitung des Reha-Zentrums auf dem Kueser Plateau strebt Konzentration auf vier Häuser an

(Bernkastel-Kues) Es gibt Pläne, die Klinik Kues, eine von fünf Reha-Kliniken auf dem Kueser Plateau, im Frühjahr 2014 zu schließen. Die Klinik müsste für mindestens 3,5 Millionen Euro saniert werden. Die Geschäftsführung will das Geld lieber in die medizinische Qualität stecken.

22.10.2013
Clemens Beckmann
Bernkastel-Kues. Die Gerüchteküche in Bernkastel-Kues brodelt. "Die Klinik Kues wird geschlossen", heißt es seit einigen Tagen. Viele wissen etwas, aber niemand so richtig viel über das Haus, das zum Median Reha-Zentrum auf dem Kueser Plateau gehört. Der TV hat nachgehört. Es gibt, so Verwaltungsdirektor Stefan Fiedler, Pläne, die kardiologische Klinik (170 Betten) im Frühjahr 2014 auf die Häuser Moselhöhe (Schwerpunkt Psychosomatik und Psychotherapie) und Moselschleife (Schwerpunkt Orthopädie) zu verteilen.
Der Hintergrund: Die in den 1970er Jahren erbaute Klinik Kues müsste, was in den anderen vier Häusern schon passiert ist, modernisiert werden: Stefan Fiedler geht von einem Investitionsbedarf von mindestens 3,5 Millionen Euro aus. "Während gleichzeitig moderne Räumlichkeiten in den übrigen Kliniken zur Verfügung stehen", sagt der Verwaltungschef.
Die bei einer Schließung eingesparten Mittel seien "in der medizinisch-therapeutischen Betreuung der Patienten sowie in der Fürsorge für die Beschäftigten weitaus besser angelegt". Die Kues-Patienten dürften sich auf freundlichere und modernere Zimmer sowie eine bessere Anbindung an andere Fachbereiche freuen. Die Angebote der medizinisch-therapeutischen Rehabilitation könnten optimiert werden.
"Wir haben einen guten Ruf und stehen gut da", versichert Fiedler. Man müsse sich aber dem harten Gesundheitsmarkt mit seinem Kostendruck stellen. Derzeit werden pro Jahr etwa 13 000 Leute auf dem Plateau behandelt. In den fünf Kliniken sind etwa 700 Menschen beschäftigt. Nach den Planungen soll es, so Fiedler, "keine wesentlichen Auswirkungen auf den Personalbedarf" geben.
"Das Konzept ist nachvollziehbar, sinnvoll und nicht so überraschend, wie es den Anschein hat", sagt Betriebsrats-Vorsitzender Jürgen Kammler-Kaerlein. Er spricht von einer Betriebsänderung, "die wir als Betriebsrat mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln konstruktiv begleiten und kritisch prüfen werden". Er gehe davon aus, dass sich am Personalbedarf nichts ändere. Das sei aber noch nicht endgültig zu beurteilen.
"Wir setzen auf verträgliche Lösungen. Wenn die nicht gehen sollten, streiten wir uns. Darauf können sich unsere Kollegen verlassen", kündigt der Betriebsratsvorsitzende an.
Der hat zur Zeit auch an einer anderen Front zu tun. Wie der TV berichtete, gibt es Streit um die Vergütung von Feiertagsarbeit. Etwa 100 Mitarbeiter klagen gegen die Streichung von Überstunden. "Das eine hat mit dem anderen aber nichts zu tun. Das muss man trennen", erklärt Kammler-Kaerlein. In die Pläne zur Schließung der Klinik Kues sind mittlerweile auch Stadtbürgermeister Wolfgang Port und Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, eingeweiht. Port hatte vom TV von den Gerüchten über eine Schließung der Klinik Kues erfahren.
Ihre wichtigste Erkenntnis: Die Klinik-Geschäftsführung messe dem Reha-Standort Bernkastel-Kues eine hohe Bedeutung bei. Nicht umsonst würden pro Jahr durchschnittlich zwei Millionen Euro in die Modernisierung von Gebäuden und Ausstattung gesteckt. Alleine diese Summe macht die Bedeutung des größten Arbeitgebers von Stadt und Verbandsgemeinde für die Wirtschaft deutlich.
"Die bündeln das, der Markt wird ja nicht größer. Es ist besser, das Geld in andere Häuser zu stecken als in die Klinik Kues", sagt Port. "Wir werden in engem Dialog bleiben", verspricht Hangert.
Über die zukünftige Nutzung des mehrstöckigen Gebäudes sei noch nicht entschieden, teilt Fiedler mit. Das Stadtoberhaupt will bei der Suche nach einer anderen Nutzung helfen. Die Klinik Kues und ein anderes Haus dienten sogar schon einmal für kurze Zeit als Hotels. Das war in den 1990er Jahren, als die sogenannte Gesundheitskrise über Deutschland schwappte.
 
Extra
Das Reha-Zentrum auf dem Kueser Plateau wurde 1975 in Betrieb genommen. Die beiden ersten Häuser waren die Kliniken Bernkastel und Kues. Es folgten Moselhöhe, Burg Landshut und 1994 die Moselschleife. Es gibt fünf medizinische Fachgebiete: 1. Neurologie, 2. Neurologische Psychosomatik/Psychiatrie, 3. Psychosomatik, 4. Innere Medizin/Kardiologie, 5. Orthopädie. Die Patienten kommen nicht nur aus der Region, sondern auch aus Nordrhein-Westfalen und Luxemburg. Viele von ihnen beginnen wenige Tage nach einer Operation auf dem Kueser Plateau eine Anschlussheilbehandlung. Den Kurgast früherer Tage sucht man auf dem Plateau vergebens. Die Bettenkapazität liegt derzeit bei etwa 1000. Nach der Umstrukturierung soll sie, so Verwaltungschef Fiedler, bei etwa 800 liegen. cb