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Die Rückkehr der Torten: Es gibt doch einen Nachfolger für Kinheimer Konditorei Hünnekens

(Kinheim/Enkirch) Jürgen Hünnekens hatte sich schon damit abgefunden, dass niemand seine Konditorei und Confiserie übernimmt. Doch es kam doch anders. Der Zeitungsartikel und die Annonce über die Schließung wurden auch im Backhaus Obczernitzki in Enkirch gelesen. Dann ging alles ganz schnell.

18.02.2016
Von Clemens Beckmann
Gute Nachrichten: Gibt es die überhaupt noch? Was das Geschehen auf der Weltbühne angeht, eher nicht. Quasi vor der Haustüre schon. Diese Meldung wird zumindest viele Freunde von Torten, Trüffeln und Schokolade freuen. Die Konditorei und Confiserie Hünnekens in Kinheim hat doch noch einen Nachfolger gefunden. 

Als Jürgen und Erika Hünnekens am Silvestertag die Tür zusperrten, schien ein Aushängeschild und Traditionsbetrieb der Mosel nur noch Geschichte zu sein. Die Suche nach einem Nachfolger war erfolglos geblieben. „Adieu ihr Torten und Trüffel“, hieß es einige Tage vorher, an Heiligabend, in einem Bericht im Trierischen Volksfreund. 

Diesen Artikel las Ramona Röder, Chefin im Bachkaus Obczernitzki im 15 Kilometer entfernten Enkirch, und dachte gleich an ihren Sohn Rene Obczernitzki. Denn der ist zwar, wie seine Mutter, Bäcker – aber auch Konditor. „An Weihnachten haben wir über das Thema geredet“, erzählt Ramona Röder. 

Im neuen Jahr habe sie dann bei Jürgen Hünnekens angerufen und ihm das Interesse an seinem Betrieb mitgeteilt. Gekannt haben sich beide Parteien vorher nicht. Deshalb konnte Hünnekens wenig später auch inkognito im Enkircher Backhaus, zu dem auch ein Café gehört, einkehren und sich Laden, Personal und Kunden unverbindlich anschauen. „Der Eindruck war positiv“, erzählt er.

Schnell wurde man sich dann einig. Rene Obczernitzki wird mit einem weiteren Konditor in der Backstube in Enkirch nicht nur Torten sondern auch Schokolade und Trüffel herstellen. In Kinheim wird ab Samstag, 20. Februar, der bestehende Laden nebst Einrichtung genutzt. Natürlich wird auch das Geschäft in Enkirch von dem zusätzlichen Angebot profitieren. 

Jürgen Hünnekens hat sich bereit erklärt, zumindest in der Anfangszeit als Berater im Hintergrund zu stehen. Er hat seinem 32 Jahre alten Nachfolger auch schon ein paar Rezepte verraten. Der hat auch bereits damit gearbeitet. „Einige Kunden haben die Qualität von Hünnekens erkannt“, sagt Ramona Röder. 

„Ich freue mich über einen so perfekten Betrieb“, sagt ihr Sohn. Er sei so etwas wie Bayern München im Fußball – und damit Champions League. Angst hat er nicht. Im Gegenteil: „Es muss mein Ziel sein, noch besser zu werden“, sagt er. „Die Voraussetzungen hat er“, ist sich Hünnekens sicher. Beide Konditoren haben bisher von der Kundschaft sehr positive Rückmeldungen bekommen. Die Kunden hätten ihn in den letzten Dezembertagen noch einmal regelrecht überrannt und das Geschäft quasi leer gekauft, erzählt Hünnekens. Speziell diese Leute werden natürlich die süßen Verführungen des jungen Konditors mit denen des Altmeisters vergleichen, der auf 56 Berufsjahre zurückschauen kann und sich selbst als „Qualitätsfanatiker“ bezeichnet. Wichtig ist dem 70-Jährigen auch: Verschiedene von ihm belieferte Cafés in der Region können nun weiter versorgt werden. 

Natürlich würde sich Hünnekens freuen, wenn es bei den Produkten einen Wiederkennungswert gibt. Genauso klar sagt er: „Er muss aber auch seinen eigenen Stil finden..“ Dazu passt, dass der Laden einen neuen Namen bekommt: Konditorei in Kinheim.

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