region/mosel

Ein Stich ins Herz: Unbekannte zerstören mehr als 500 Rebstöcke in besonderem Weinberg

(Neumagen-Dhron) Es ist ein Schock für die Neumagen-Dhroner Winzer Reinhard Philipps und Ralf Görgen: In einem mit viel Arbeit vor der Stilllegung geretteten Weinberg haben Vandalen gehaust. Dabei fließt das, was dort erwirtschaftet wird, zum Teil wohltätigen Zwecken zu. Das grüne Herz wird im Sommer Lücken aufweisen. Bei der Ernte werden beträchtliche Mengen fehlen.

23.03.2016
Clemens Beckmann
Als Ralf Görgen und sein Sohn Jannick am Herzwingert anhalten, sind sie noch guter Dinge. „Ward Ihr betrunken, als Ihr die Reben gebunden habt“, fragt der Weinbaustudent scherzhaft seien Vater. Denn vom Traktor aus sieht es so aus, als wären einige Stöcke unsachgemäß bearbeitet. Als beide den Weinberg näher betrachten, glauben sie nicht, was sie sehen. Mehr als 500 Stöcke sind zerstört, etwa ein Fünftel des Bestands. Die Täter haben die Reben dort abgeschnitten, wo sie aus dem Stammholz herauswachsen. „Da waren Fachleute am Werk“, glaubt Ralf Görgen. Sechs Reihen haben sie von oben bis unten zerstört – und zwar genau in der Mitte des Herzens.

Görgen und sein Kollege Reinhard Philipps haben den Weinberg vor 15 Jahren gepachtet – von jemandem der ihn nicht mehr bearbeiten wollte. Beiden liegt das Bild der Kulturlandschaft am Herzen. Deswegen entfernten sie einen Teil der Stöcke. Der Weinberg präsentiert sich seither als Herz. Nach der Blüte im Juni bis zur Ernte leuchtet es grün und ist ein besonderer Blickfang.

Die Winzer taten noch mehr. Sie suchten und fanden Paten für den Weinberg – teilweise waren es bis zu 800. Damit wurde eine besondere Verbindung zwischen den Winzern auf der einen und Urlauber beziehungsweise Kunden auf der anderen Seite geschaffen. Ein Teil der Paten zahlt auch einen Obolus. Den setzen die Erzeuger für wohltätige Zwecke ein. Mehrere Tausend Euro gingen bisher an die Aktion „Ein Herz für Kinder“. Es hat also viel mit Herz zu tun in dem Areal, das direkt an der B?53 zwischen der Neumagener Brücke und Trittenheim liegt. „Das ist wie ein Stich ins Herz“, sagt Reinhard Philipps mit Blick auf die zerstörten Reben. Hat er eine Ahnung, wer so etwas macht? Die hat er nicht. 

500 Euro Belohnung

Philipps ist seit Jahren Beigeordneter der Ortsgemeinde Neumagen-Dhron. Das sei nicht immer angenehm. Aber das jemand deshalb zu solchen Mitteln greift, glaubt er nicht. „Ich bin ein friedfertiger Mensch. Wenn jemand ein Problem mit mir hat, soll er mit mir reden“, sagt er. „Wenn man so was sieht, verliert man die Lust“, fügt er an. 
Weil die Tat mit Anstrengung und zeitlichem Aufwand verbunden ist, glauben die Winzer nicht an einen Einzeltäter. 500 Euro Belohnung setzen sie für Hinweise aus, die zur Ermittlung der Täter führen. 

Ortsbürgermeister Michael Thomas steht dem Tun fassungslos gegenüber. „Da fällt mir nichts mehr ein. Da kann man sich nur schämen“, sagt er. Walter Maibaum von der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues beziffert den Schaden an den Stöcken auf 1500 Euro. Doch das ist nicht alles. Philipps und Görgen rechnen mit einem Ernteverlust von etwa 1000 bis 1200 Litern. Das sind etwa 1400 Flaschen. 

Die von Walter Maibaum aufgenommene Anzeige lautet auf Sachbeschädigung. Da gebe es erst einmal keine Unterschiede, erläutert er. Sollten die Täter ermittelt werden und sich vor Gericht verantworten müssen, könne sich die besonders schwere kriminelle Energie auf das Strafmaß auswirken. 
Der materielle Schaden schmerzt. Doch die beiden Winzer ärgert noch etwas. Das normalerweise vom Sommer bis zu Herbst durch die Blätter grün leuchtende Herz wird in diesem Jahr ein eher trauriges Bild abgeben.

Die Tat hat sich wahrscheinlich zwischen dem 15. und 22. März ereignet. Hinweise erbittet die Polizei in Bernkastel-Kues, Telefon 06531/95270.
 

Kommentar

Clemens Beckmann 

Mit Begriffen wie „dumm“ und „assozial“ sollte man sehr vorsichtig umgehen. Zu leicht wird die Würde eines Menschen dadurch verletzt. Im Falle der Vandalen im Weinberg sind solche Ausdrücke aber sogar noch untertrieben – selbst wenn sie im „besoffenen Kopp“, wie die Moselaner sagen, gehandelt haben sollten. 
Wie krank muss man im Kopf sein, um stundenlang in einem steilen Hang mehr als 500 Reben zu zerstören und damit die Existenzgrundlage von Menschen infrage zu stellen. Vielleicht waren sie ja sogar nüchtern und planten die Tat, denn zufällig und mit einer guten Schere kommt man eher nicht an dem Weinberg vorbei. 
Das Herz des Wingerts blutet. Es wird vorerst nicht mehr schlagen. Wie müssen sich die fühlen, die es zerstört haben? Wenn sie ermittelt werden, müssten sie auch bluten – nicht körperlich, sondern finanziell.


 

Empfehlungen

Kommentare